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Berlin: Riestern, Tagesgeld, Fonds: Für wen lohnt sich was?

Berlin : Riestern, Tagesgeld, Fonds: Für wen lohnt sich was?

Wie spart man am besten, wenn man jeden Monat nur wenig beiseite legen kann? Wo ist das Geld sicher und die Rendite gut? „Was sich rechnet und was nicht, muss man in jedem Einzelfall genau durchrechnen”, sagt Axel Kleinlein, unabhängiger Versicherungsmathematiker in Berlin.

Der ehemalige Vorstand des Bundes der Versicherten rät: „Auf unabhängige Beratung sollte man auf keinen Fall verzichten.” Denn für wen sich welche Sparanlage eignet, hängt von vielen Faktoren ab: dem Einkommen, dem Familienstand, der Zeit bis zum Ruhestand und vor allen Dingen vom Sparziel. Ein Überblick:

Tagesgeld: Berufsanfänger sollten zuerst mit einem Tagesgeldkonto sparen. „Anfang 20 kann man noch nicht für sein ganzes Leben planen”, sagt Kleinlein. „Deshalb sollte man sich auch nicht an langfristige Verträge binden.” Tagesgeld bietet meist mehr Zinsen als ein Sparbuch, außerdem ist das Geld jederzeit verfügbar. Laut der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt sind für Tagesgeldkonten derzeit bis zu 1,8 Prozent Zinsen möglich.

„Zwei bis drei Nettogehälter sollten immer auf dem Tagesgeldkonto liegen”, rät Edda Castelló, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei Bedarf auch mehr. Einzige Bedingung: Vorher sollten alle Schulden getilgt sein. „Man kann gar nicht besser sparen, als aus dem Dispo rauszukommen.”

Banksparpläne: Bei einem Banksparplan wird monatlich eine feste Rate überwiesen - meist über eine bestimmte Laufzeit. Die Zinsen steigen oft mit der Dauer des Vertrags. „Wer früh anfängt zu sparen, profitiert am meisten vom Zinseszins”, sagt Karin Baur von der Stiftung Warentest.

Banksparpläne sind aber auch für ältere Arbeitnehmer eine gute Option. Denn das Auf und Ab von Aktien ist kurz vor der Rente ebenso wenig zu empfehlen wie Verträge mit langer Laufzeit. „Ein Riester geförderter Banksparplan kann sich auch mit 50 noch lohnen”, sagt Castelló. Schließlich habe man dann noch eine Ansparphase von 10 bis 15 Jahren vor sich.

Lebens- und Rentenversicherung: „Versicherungen sind keine Sparanlage”, sagt Versicherungsexperte Kleinlein. „Die klassische kapitalbildende Lebensversicherung ist immer Unfug.” Drei von vier Verträgen würden vorzeitig gekündigt und brächten Verluste. Das gleiche gelte für Rentenversicherungen, die in monatlichen Raten ausgezahlt werden.

„Eine Rentenversicherung lohnt sich nur, wenn man lange einzahlt und lange lebt”, sagt auch Michael Beumer von der Stiftung Warentest. Verbraucherschützerin Castelló rät dazu, Alters- und Risikovorsorge zu trennen: „Wenn Kinder da sind, sollte man eine reine Risiko-Lebensversicherung abschließen, die im Todesfall zahlt.” Diese sei deutlich günstiger, so dass man sich auch in schlechten Zeiten die Raten leisten könne.

Betriebliche Altersvorsorge: Wer länger bei derselben Firma beschäftigt ist, sollte über eine betriebliche Altersvorsorge nachdenken. Dabei vermittelt der Arbeitgeber einen Versicherungsvertrag. Der Beitrag dafür wird direkt vom Bruttogehalt abgezogen. Der Vorteil sind niedrigere Steuern. Der Nachteil sind geringere gesetzliche Rentenansprüche.

„Eine betriebliche Rentenversicherung lohnt sich nur, wenn der Arbeitgeber etwas dazugibt”, sagt Castello. Man solle daher auf keinen Fall blind einen Vertrag abschließen. „Wenn man den Arbeitgeber wechselt, ruht der Vertrag mitunter Jahrzehnte, ohne dass man an das Geld kommt.” Auch Beumer sagt: „Wer ständig den Job wechselt, für den ist eine betriebliche Altersvorsorge nicht unbedingt geeignet.”

Riesterrente: „Trotz aller Kritik ist Riester eine gute Möglichkeit, fürs Alter vorzusorgen”, sagt Castelló. Riestern lohnt sich vor allem wegen der staatlichen Zulagen: Ein Single bekommt jährlich 154 Euro. Bis zum Höchstbetrag von 2100 Euro können außerdem Steuern gespart werden. Vor allem für junge Familien ist das interessant, denn die Zulagen steigen mit jedem Kind um 185 bis 300 Euro.

Allerdings sagt Castello: „Bei einer Riester-Rentenversicherung sind die Abschlusskosten sehr hoch.” Sparer sollten daher lieber einen geförderten Bank- oder Fondssparplan abschließen. „Hält man den Riestervertrag nicht bis zum Ende durch, muss man die Förderung zurückgeben”, warnt auch Baur. Riester-Banksparen oder Fondssparen, sei da deutlich flexibler und günstiger.

Aktien und Indexfonds: Wer etwas Geld übrig hat, sollte über ein Aktiendepot nachdenken. Über einen längeren Zeitraum bieten Aktien die besten Renditechancen. Statt einzelne Titel sollten Anfänger lieber auf Fonds setzen: „Wir empfehlen Fonds zu kaufen, die ein breites Spektrum internationaler Märkte abdecken”, sagt Baur. Günstiger als gemanagte Fonds sind in der Regel Indexfonds (sogenannte ETFs), die Börsenindizes wie den Dax abbilden.

„Wenn man lieber in Raten sparen möchte, sind Fondssparpläne eine gute Option”, sagt Baur. Viele Direktbanken würden ETF-Sparpläne gegen eine geringe Gebühr pro Rate anbieten. „Gerade für Jüngere kann auch ein Riester-Fondssparplan attraktiv sein”, sagt Kleinlein.

Egal wie gespart wird, einige Grundsätze sollte jeder beherzigen: „Das Wichtigste ist, die gröbsten Fehler zu vermeiden”, sagt Beumer. Also: Keine großen Risiken eingehen und nicht alles auf eine Karte setzen. Verbraucherschützerin Castelló sagt: „Es ist gar nicht so wichtig, ob die Rendite 1,5 oder 2,5 Prozent beträgt.” Viel wichtiger sei, dass das Geld erhalten bleibe.

(dpa)