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Berlin: Rechtzeitig die Weichen stellen mit einem Finanzfahrplan für die Ehe

Berlin : Rechtzeitig die Weichen stellen mit einem Finanzfahrplan für die Ehe

Frisch Vermählte, die noch nicht gemeinsam wirtschaften, stehen als Erstes vor der Frage, wie sie ihre gemeinsamen Ausgaben bestreiten wollen. „Es hat sich bewährt, wenn beide Partner ein gemeinsames Girokonto eröffnen - zusätzlich zu ihren bestehenden Konten”, sagt Thomas Wolber vom Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverband (OSV).

„Je nach Einkommensverhältnissen zahlt jeder einen Teil seines Verdienstes darauf ein, und die Ausgaben für Miete, Strom oder Internet-Zugang gehen dann per Dauerauftrag oder Lastschrift ab.” Auf diese Weise könne jeder den verbleibenden Teil seines Verdienstes für eigene Anschaffungen nutzen.

Wichtig sei, dass es sich um ein sogenanntes Oder-Konto handele, auf das beide Partner unabhängig voneinander zugreifen könnten. „Paare, die kein Problem damit haben, alles in einen Topf zu werfen, können sich auch auf ein einziges Konto beschränken”, sagt Wolber. Der Vorteil: Man müsse sich nicht zwei Kontonummern merken, nicht mit zwei Konto- bzw. Kreditkarten hantieren und zahle nur einmal Gebühren.

Ehegatten und eingetragene Lebenspartner genießen auch steuerliche Vorteile. „Ab sofort informieren die Gemeinden die Finanzämter automatisch über die Heirat”, erklärt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). „In den elektronischen Lohnsteuermerkmalen von Arbeitnehmern wird dann die Steuerklasse IV vermerkt.” Die vom Arbeitgeber abgezogene Lohnsteuer sei dabei zwar genauso hoch wie in Klasse I - doch könnten Ehegatten die Kombination ihrer Steuerklassen ändern lassen, um unterm Strich mehr netto zu haben. „Trägt ein Partner 60 Prozent oder mehr zum Haushaltseinkommen bei, lohnt es sich für ihn, in Steuerklasse III zu wechseln. Der andere Partner bekommt dann automatisch Klasse V.”

Bei besonders großen Verdienstunterschieden drohe allerdings eine Nachzahlung bei der Steuererklärung. Diese ließe sich jedoch dank der ebenfalls möglichen Steuerklassen-Kombination IV/IV mit Faktor vermeiden. Darin entspreche die Lohnsteuer genauer der tatsächlichen Steuerlast. Wichtig zu beachten: Die Steuerlast selbst ändert sich bei beiden Varianten nicht - nur müssen Paare nicht bis zur Steuererklärung warten, um sich zu viel gezahlte Lohnsteuer zurückzuholen. Tatsächlich weniger Steuern zahlen die meisten Ehepaare, weil sie ab dem Jahr der Eheschließung vom Ehegatten-Splitting profitieren. „Das Finanzamt addiert dabei die Einkommen beider Partner, halbiert diese dann und versteuert jede Hälfte für sich”, sagt Rauhöft. „In der Summe ist die Steuerersparnis umso größer, je mehr sich die Einkommen beider Partner unterscheiden.”

Ehepartner sollten darüber hinaus ihre Versicherungsordner wälzen und prüfen, ob der vorhandene Schutz ausreicht - und ob sich Geld sparen lässt. „Hört etwa die Frau nach der Hochzeit auf zu arbeiten, weil ein Baby unterwegs ist, kann sie sich und später auch das Kind in der gesetzlichen Krankenkasse des Mannes beitragsfrei mitversichern”, erklärt Gerald Archangeli vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute. „Ist der Mann dagegen privat versichert, werden für das Kind eigene Beiträge fällig - entweder in der privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung.”

Überflüssige Policen lassen sich meist ohne großen Aufwand aussortieren. „Besitzen beide eine Privathaftpflicht- beziehungsweise Rechtschutzversicherung, lässt sich der jeweils jüngere Vertrag sofort auflösen”, sagt Archangeli. „Bietet dieser jedoch die besseren Konditionen, kann es sich lohnen, zunächst zweigleisig zu fahren und den älteren Vertrag fristgemäß zu kündigen.”

Paare, die nach der Hochzeit zusammenziehen, sollten sich um die Hausratversicherung kümmern. „Zieht einer beim anderen ein, kann er die Versicherungssumme seines eigenen Vertrages sofort reduzieren lassen, weil er etwa seine Möbel verkauft hat”, erklärt Archangeli. Wer seinen Vertrag dagegen auflösen will, muss die vereinbarte Frist einhalten.

In diesem Fall jedoch sollten beide prüfen, ob die Versicherungssumme des verbleibenden Vertrages noch ausreicht. Stellt sich etwa nach einem Einbruch oder Wohnungsbrand heraus, dass der Wert des Hausrates diesen Betrag überstieg, zahlt die Versicherung nur anteilig. Dies lässt sich vermeiden, indem man einen Tarif mit Pauschaldeckung wählt. Aber Achtung: Bleiben zwei Verträge mit unterschiedlichen Konditionen auf Dauer bestehen, drohen Probleme bei der Regulierung von Schäden.

Auch wenn das Rentenalter noch in weiter Ferne scheint, lohnt sich eine Bestandsaufnahme auch in Sachen Altersvorsorge. „Ein Blick in die jährliche Renteninformation verrät Arbeitnehmern, womit sie später rechnen können”, sagt OSV-Experte Wolber. „Außerdem sollten beide klären, welche Leistungen sie aus betrieblicher und privater Vorsorge zu erwarten haben.” Daraus ergebe sich womöglich eine Lücke zum bisherigen Einkommen, die es durch Sparen zu stopfen gelte. Alternativ könnten Paare ihr Geld in ein Eigenheim investieren, um im Alter mietfrei zu wohnen.

Ehegatten, die eine Lebensversicherung haben, rät Wolber als Sofortmaßnahme, den Partner als Begünstigten eintragen zu lassen. Steht dort weiterhin die Mutter oder der Ex-Partner, gehen selbst Ehegatten im Todesfall leer aus.

(dpa)