Essen: Nicht jede Altkleidersammlung dient einem karitativen Zweck

Essen: Nicht jede Altkleidersammlung dient einem karitativen Zweck

In den meisten Kleiderschränken schlummert vermeintlich Untragbares: Zu klein gewordene Anzüge, aus der Mode gekommene Hosen und Pullis - Dinge, die der Besitzer nicht mehr nutzt, die aber trotzdem noch nützlich sein können.

„Kleidung ist ein wertvoller Rohstoff. Wenn man seine Altkleider an entsprechende Sammlungen weitergibt, kann ein großer Teil davon noch weiterverwertet werden”, sagt Andreas Voget, Geschäftsführer von FairWertung, einem Dachverband karitativer Altkleidersammler in Essen.

Allerdings sollten Spender einige Regeln beachten: „Grundsätzlich sollte man nur Dinge in die Altkleidersammlung geben, die sauber und benutzbar sind”, sagt Philip Heldt, Abfall-Experte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Schmutzige Kleidung sollte man vor der Abgabe waschen. Ansonsten sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie als unbrauchbar aussortiert wird. Kleidung, die sich nicht mehr säubern lässt oder die sogar kaputt ist, gehört in den Restmüll. „Solche Sachen erhöhen nur den Sortieraufwand - und landen dann größtenteils doch im Müll”, sagt Heldt.

Auch Unmodisches kann nützlich sein

Ansonsten kann von der Unterhose bis zum Norwegerpulli alles Anziehbare in die Altkleidersammlung. Auch vermeintlich unmodische Kleidung sei es wert, gespendet zu werden, betont der Experte. „Zum einen gibt es Secondhandläden, die auf derartige Retro-Mode spezialisiert sind”, sagt Heldt. Zum anderen könne auch Kleidung, die nicht den aktuellen Trends entspricht, möglicherweise Menschen in Not helfen. Man muss auch nicht darauf achten, etwa im Sommer nur Sommerkleidung zu spenden: „Der nächste Winter kommt bestimmt und dann wird auch die Daunenjacke wieder gebraucht”, betont Heldt. In die Altkleidersammlung können auch Textilien, die nicht zur Kleidung im eigentlichen Sinn gehören. „Decken, Schlafsäcke und Bettbezüge können auf jeden Fall noch weiterverwendet werden”, sagt Heldt. Unter Umständen könnten auch Handtücher, Tischdecken und Vorhänge noch gebraucht werden. Und auch Schuhe gehören in die Altkleidersammlung. „Wichtig ist, dass man sie in Paaren fixiert, damit sie nicht durcheinanderkommen”, sagt Heldt.

Bevor man seine Altkleiderspende allerdings wahllos in den nächsten Container wirft, sollte man genau prüfen, wer tatsächlich von dieser Spende profitiert. „In Deutschland fallen jährlich 750.000 Tonnen Altkleider an und ein Großteil davon wird gewerblich verwertet”, sagt Andreas Voget. Selbst gemeinnützige Organisationen sammelten oft mehr Kleider, als sie verwenden können, und verkauften die Überschüsse dann an gewerbliche Textilverwerter. „Trotzdem erwirtschaften sie auf diesem Weg Gelder, die sie für ihre wohltätige Arbeit einsetzen können”, betont Voget.

Das Problem sei, dass Spender über den Zweck einer Sammlung oft im Unklaren gelassen würden. „Häufig mieten gewerbliche Altkleidersammler, die mit dem Weiterverkauf der Kleidung ihr Geld verdienen, das Logo einer gemeinnützigen Organisation”, sagt Voget. Die Organisation habe in diesem Fall nichts mit der Sammlung zu tun und erhalte für die Nutzung ihres Logos nur eine pauschale Miete. Auch auf andere Weise werde vorgegaukelt, dass mit den Spenden Bedürftigen geholfen wird - beispielsweise mit Slogans wie „Helfen Sie uns helfen”.

Zudem achteten die Sammler - ob karitativ oder gewerblich - häufig nicht darauf, was mit der Kleidung nach dem Weiterverkauf geschehe. „Manche Sachen landen dann bei Abnehmern, die nur die Top-Ware heraussuchen und den Rest einfach wegschmeißen”, sagt Voget.

Fehlende Adressen sollten Misstrauen wecken

Wer Wert darauf lege, dass seine Kleiderspende direkt an bedürftige Menschen in der Umgebung geht, sollte sie bei einem Sozialkaufhaus oder einer Kleiderkammer abgeben, rät Voget. Zudem könne man darauf achten, ob die Organisation sich den Richtlinien des Dachverbands FairWertung verschrieben hat. „Unter anderem verpflichten sich unsere Mitglieder, ihre Namen nicht an gewerbliche Händler zu vermieten”, sagt Voget. Außerdem verfolge FairWertung den Weg der gesammelten Textilien, um sicherzustellen, dass die Sachen in seriösen Sortierbetrieben landen, wo sie ordnungsgemäß weiterverwertet oder entsorgt werden.

Ansonsten empfiehlt der Experte, sich die Werbung der Sammler-Organisation ganz genau anzuschauen. Starke Hinweise darauf, dass ein wohltätiger Zweck nur vorgetäuscht wird, seien unvollständige Adressangaben sowie eine sehr emotionale Ansprache. „Oft wird hier mit Symbolen wie Rollstühlen, Kreuzen oder Ähnlichem gearbeitet”, sagt Voget. Haustürsammlungen mit Wäschekörben oder Eimern seien seinen Erfahrungen nach in den allermeisten Fällen gewerblich. 160511DOK001

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