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Nürnberg: Nach 20 Minuten Unfallort verlassen: Keine Fahrerflucht

Nürnberg : Nach 20 Minuten Unfallort verlassen: Keine Fahrerflucht

Für die Festlegung der gebotenen Pflicht-Wartezeit nach einem Autounfall sind immer die Umstände des Einzelfalls maßgebend. Wer nach einem Crash mit den Leitplanken der Autobahn an Ort und Stelle noch mindestens 20 Minuten damit beschäftigt war, seinen Wagen aus der Gefahrenzone zu bringen und herumliegende Fahrzeugteile zu entfernen, dem kann man keine Fahrerflucht unterstellen.

Das entschied das Amtsgericht Homburg. Im konkreten Fall, so die Deutsche Anwaltshotline in Nürnberg, sei auf der A 6 ein Pkw nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und mit der Leitplanke sowie einem Kilometerschild kollidiert.

Für den Schaden habe die Haftpflichtversicherung zunächst 4700 Euro an die geschädigte Straßenbauverwaltung Saarland gezahlt, das Geld anschließend aber von dem Unfall-Fahrer zurückhaben wollen. Der Unfall sei gegen 20 Uhr geschehen, habe die Versicherung ihre Forderung begründet, aber vom Unfallfahrer erst am nächsten Morgen bei der Polizeidirektion gemeldet worden. Das sei Fahrerflucht und damit ein klarer Verstoß gegen die Versicherungsbedingungen.

Mitnichten, urteilte der Homburger Richter. Für die Festlegung der gebotenen Pflicht-Wartezeit seien immer die Umstände des Einzelfalls maßgebend.

„Unter Berücksichtigung des verursachten Schadens, des Unfallortes und der Tageszeit war nach Auffassung des Gerichtes hier eine Wartefrist von 15 bis 20 Minuten ausreichend”, erläutert Rechtsanwalt Jörg-Matthias Bauer das Urteil. Zudem sei mit einem baldigen Erscheinen der Polizei zu dieser Stunde nicht zu rechnen gewesen und der Unfall-Pkw am Unfallort zurückgelassen worden.