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Millenials und Generation Z erobern den Börsenmarkt

Anlage : Millenials und Generation Z erobern den Börsenmarkt

Deutschlands Spekulanten werden jünger. Aktien und Wertpapiere galten lange Zeit als die Domäne älterer Generationen, doch die so genannten Millenials (auch als Generation Y bekannt) und die Generation Z holen kräftig auf.

Hinter den Bezeichnungen verbergen sich die Gruppe der heute zwischen 25 und 39 Jahre alten Menschen und die nachfolgende Altersgruppe der 11- bis 24-Jährigen. Gemeinsam sind das knapp über 27 Millionen Bundesbürger.

Wie stark in den vergangenen Jahren das Interesse an der Börse gewachsen ist, zeigen die Zahlen der Neuanleger. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete das Deutsche Aktieninstitut 600.000 Investoren unter 30 Jahren. Insgesamt lag die Zahl der direkten Aktionäre im Land im Jahr 2020 bei rund 5,34 Millionen. Direkte Aktionäre sind Anleger, die direkt in Wertpapiere investieren und damit Miteigentumsrechte an Unternehmen erwerben.

Das zunehmende Interesse der jüngeren Generationen an der Börse, ist zum einen auf die wirtschaftliche Allgemeinlage zurückzuführen. Preise steigen, Löhne stagnieren häufig, Zinsen sind kaum noch erwähnenswert, und die zu erwartende Rente ist auf einen Bruchteil dessen geschrumpft, was die Großeltern noch erwarten konnten. Entsprechend groß ist das Bedürfnis auch bei den Millenials und der Generation Z, für eine ansonsten ungewisse Zukunft vorzusorgen.

Woran es dank Technologie und der immer stärkeren Ausbreitung von sozialen Medien nicht mangelt, ist Information. Wo früher Börsenberater und Fondsmanager als Hüter des Wissens rund ums richtige Investieren galten, sind mittlerweile jede Menge Blogs, YouTube- und TikTok-Kanäle, sowie Instagram-Konten zu finden, die Finanzberatung nicht nur demystifizieren, sondern auch Interaktion mit ihren Followern bieten.

Dabei handelt es sich zum Teil um gelernte Finanzexperten, die etwa die Grundlagen der Börse und die einzelnen Anlagearten erläutern, Tipps zur Depoteröffnung geben, erklären, wie Investieren und die dazu gehörige Psychologie funktionieren oder einzelne Aktien unter die Lupe nehmen. Zu den erfolgreichsten Vertretern gehört der frühere Investmentbanker Thomas Kehl mit seinem YouTube-Kanal „Finanzfluss“.

Andere Kanäle, wie der Instagram-Account von Luisa Lion, werden von Influencern angeboten, die von ihren eigenen Erfahrungen auf dem Spekulantenmarkt berichten und dabei auch über Fehlkäufe, zu frühes oder zu spätes Losschlagen von Aktien und mehr berichten. Dazu gehört auch der deutsche Streamer „Unge“, der von Portugal aus per Live-Stream unter anderem über seinen, nach eigenen Aussagen unter anderem, durch Aktien erworbenen Reichtum und die Gewinnmöglichkeiten spricht.

Weil potenzielle Anleger all diese Informationen rund um die Uhr und aus aller Welt zu Verfügung haben und zudem jederzeit Börsenkurse, Trends und mehr über ihr Smartphone abrufen können, ist es nie leichter gewesen, einen tieferen Einblick zu gewinnen. Gewiefte Investoren nutzen mittlerweile ihr Handy sogar zum An- und Verkauf.

Die eigene Sorgfaltspflicht sollte deshalb dennoch nicht vernachlässigt werden. Zwar gilt noch immer die Faustregel, dass Aktien im Regelfall langfristige Anlagen sind, so dass kurzfristige Schwankungen keine Panik auslösen sollten, aber nur wenige Anleger können es sich leisten, Wertpapiere zu kaufen und für die nächsten 20 oder 30 Jahre zu vergessen.

Eines bleibt jedoch ehernes Gesetz: Weil selbst die am sichersten scheinende Spekulation genau das ist, nämlich eine Transaktion ohne hundertprozentige Garantie, sollte prinzipiell nur Geld investiert werden, auf dass im Notfall verzichtet werden kann. Schließlich nützt einem ein satter Gewinn in zehn Jahren nichts, wenn dafür heute Miete oder Hypothek nicht gezahlt werden können. Es gibt zwar immer wieder Anlagen, die nach schwachen Anläufen rasant in die Höhe schnellen, wie die ersten Bitcoin-Millionäre oder die ersten Apple-Anleger festgestellt haben, aber je größer die Gewinnmöglichkeiten sind, desto riskanter sind entsprechende Anlagen zumeist.

Bevor die Worte und Tipps eines Influencers auf YouTube, Instagram und mehr als einzig wahre Weisheiten beherzigt werden, ist zudem auch dort ein bisschen Hausarbeit zu leisten. Nicht jeder selbst ernannte Experte besitzt tatsächlich die versprochenen Kenntnisse, und etliche erfolgreichen Kanäle dienen inzwischen als Werbemedien, in denen die Influencer bezahlt werden.

Nicht umsont schlugen bei etlichen Experten Alarmglocken, als Superstar Kim Kardashian, die locker sechsstellige Beträge für einen Instagrambeitrag kassieren kann, plötzlich ihren Fans eine neue Kryptowährung ans Herz legte. Obwohl es durchaus möglich sein kann, dass der Reality-Star nur eigene Erfahrungen weitergibt, ist es ebenso möglich, dass es sich um einen glänzend bezahlten Post oder einen Gefallen für einen Freund gehandelt hat.

Die meisten Alt- und Neubörsianer wissen, dass längst nicht alles Gold ist was glänzt, auch wenn manche Branchen bessere Zukunftsaussichten haben als andere. Doch mit Voraussicht und Recherche lassen sich selbst in schlechten Zeiten an der Börse die Voraussetzungen für ein vielversprechendes Morgen schaffen, selbst ohne allzu großes Risiko. Wie die Statistiken zeigen, vertrauen auch immer mehr Millenials und Mitglieder der Generation Z darauf.