Biallos Ratgeber: Lohnen sich goldene Kreditkarten?

Biallos Ratgeber: Lohnen sich goldene Kreditkarten?

Die mit zusätzlichen Serviceleistungen ausgestatteten Zahlungsmittel sind nicht für jeden geeignet. Ein Überblick.

„Wenn Sie mehr vom Leben erwarten, setzen Sie alles auf die richtige Karte. Ob im Alltag oder auf Reisen.“ So wirbt American Express für ihre zehn privaten Kreditkarten. Wer viel reist, 140 Euro für deren Goldkarte bezahlt und dafür substantiellen Schutz erwartet, kann enttäuscht werden.

Standard oder Gold? Die Anschaffung einer Standardkreditkarte – ob sie nun kostenlos ist oder um die 20 Euro im Jahr kostet – macht heute eigentlich keinen Sinn mehr. Die Girocard hat fast alle Funktionen übernommen. Selbst Autovermieter wie Hertz oder Europcar akzeptieren sie zunehmend – zumindest in Deutschland. Daher trommeln immer mehr Banken, Sparkassen und Kreditkarten-Anbieter für ihre höherpreisigen Goldkarten und preisen deren Versicherungsleistungen. Die enthaltenen Policen sollen die Jahrespreise zwischen 40 und 140 Euro angeblich deutlich übersteigen. Doch stimmt das?

Reiseversicherungen: Zunächst sehen die Reiseversicherungspakete täuschend ähnlich aus. Ob Goldkarte einer Bank beziehungsweise Sparkasse oder von ADAC und Lufthansa: Alle bieten einen Auslandskrankenschutz, eine Reiserücktritt- und Reiseabbruch-Police sowie eine Auslandsunfallversicherung oder alternativ einen Autoschutzbrief als wesentliche Bausteine. Wer eine Reiserücktrittpolice separat abschließt, zahlt bei einer Reise im Wert von 3000 Euro meist nicht weniger als 100 Euro. Ein älteres Ehepaar, das im nächsten Jahr in den USA Urlaub machen möchte, zahlt bei der Hanse Merkur für einen Auslandskrankenschutz allein schon 470 Euro. Zwei 18-Jährige zahlen 130 Euro.

Zahlmethode: Hier lohnt sich eine Goldkarte allemal, oder? Nicht in jedem Fall. Dafür ein Beispiel. Eine Familie bucht über das Internet eine teure Ferienwohnung von einer Privatperson, zahlt diese mittels einer Überweisung und muss wegen Krankheit kurzfristig den Urlaub absagen. Wer eine Goldkarte seiner Sparkasse, VR- oder PSD-Bank in der Geldbörse hat, bekommt den Schaden in der Regel ersetzt. Anders ist das jedoch bei Postbank, Targobank, ADAC, Lufthansa, Mercedes-Benz Bank und American Express. Bei diesen Anbietern ist der Schutz nämlich davon abhängig, dass die Reise mit der Karte bezahlt wird.

Selbstbeteiligung: Ist ein solcher Schaden entstanden, muss sich der Kunde daran beteiligen. Sparkassen, PSD- und VR-Banken, die alle ganz ähnliche Versicherungs-Bedingungen haben, begnügen sich mit 300 Euro. Commerzbank, Hypovereinsbank, Postbank und Barclaycard wollen jedoch 20 Prozent der Schadensumme vom Kunden, mindestens jedoch 100 Euro. Bei einem Schaden von 5000 Euro zahlt der Verbraucher selbst 1000 Euro dazu. Diese Karten-Anbieter erstatten auch deutlich weniger als die 10.000 Euro der drei genannten Bankengruppen.

Auslandskrankenversicherung: Erfreulich, dass wenigstens beim Auslandskrankenschutz alle Anbieter die gesamten Kosten übernehmen und dabei keine Altersbegrenzung festlegen. Mit zwei Ausnahmen: Bei der Advanzia-Karte verlieren Urlauber über 70 Jahren ab dem 22. Reisetag im Ausland den Versicherungsschutz. Und ausgerechnet bei der vergleichsweise teuren American Express Goldkarte (140 Euro) haben Reisende ab 80 Jahren generell keinen Schutz mehr.

Fazit: Gleich ob für 40 oder 80 Euro pro Jahr – die Goldkarten der PSD- und VR-Banken sowie der Sparkassen lohnen sich allemal. Zumal Verbraucher mit vielen Sparkassen-Karten auch gebührenfrei im Ausland Bargeld abheben können. Nicht an ein Girokonto gebundene Karten wie die von ADAC, American Express, Mercedes-Benz Bank oder Lufthansa sind kaum zu empfehlen. American Express verlangt beispielsweise generell vier Prozent, wenn Kunden mit der Goldkarte Bargeld ziehen – das sowohl im In- als auch im Ausland. Außerhalb der Eurozone kommt noch ein Fremdwährungsentgelt von zwei Prozent hinzu.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.

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