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Berlin: Kredit ohne Bank: Pfandleihe als Zwischenfinanzierung

Berlin : Kredit ohne Bank: Pfandleihe als Zwischenfinanzierung

Ob Autos, Schmuck oder die wertvolle Münzsammlung - in Pfandhäusern lässt sich fast alles schnell zu Geld machen. Verbraucher sollten aber bedenken: Für jedes Pfand müssen auch Zinsen und Gebühren bezahlt werden. Ein Kredit kann daher durchaus teuer werden.

Fast jeder kennt das: Kaum hat der Monat begonnen, ist das letzte Gehalt weg und das Konto schon wieder leer. Um solche finanziellen Engpässe zu überbrücken, müssen Verbraucher nicht unbedingt einen Kredit bei der Bank aufnehmen. Wer zum Beispiel eine teure Kamera oder wertvollen Schmuck zu Hause hat, kann dafür auch im Pfandhaus Geld bekommen. Langfristig lohnt sich das aber nicht.

„Es ist im Prinzip derselbe Mechanismus wie bei einer Bank”, erklärt Wolfgang Schedl, Geschäftsführer des Zentralverbandes des deutschen Pfandkreditgewerbes. „Sie geben ihre Wertgegenstände ab und bekommen dafür Geld.” Die Kreditvergabe erfolgt dabei meist schnell, unbürokratisch und ohne Bonitätsprüfung. Bleibt jemand das Darlehen schuldig, kann der Verleiher das Pfand verkaufen.

Besonders für kleine Firmen und Handwerksbetriebe sind Pfandhäuser oft eine einfache Möglichkeit, finanzielle Engpässe zu überbrücken, weiß Schedl. „Im Gegensatz zur Bank müssen hier keine Bilanzen vorgelegt werden.” Aber auch viele Privatkunden finden den Weg in das Leihhaus: „Oft sind es sogar Stammkunden.”

Die Liste an Gegenständen, die man im Leihaus schnell gegen Bares eintauschen kann, ist lang: Ob Uhren, Münzen, Gold, teure Fahrräder, Laptops oder Fotoausrüstungen - Pfandhäuser nehmen fast alles. „Sogar ein Mähdrescher wurde schon einmal abgegeben”, erzählt Schedl. Während früher viel technische Geräte wie Fernseher oder Stereoanlagen beliehen wurden, ist es heute vor allem Schmuck.

Wie viel Geld der Kunde für seine Wertgegenstände bekommt, hängt vom Schätzwert der Ware ab. „Im Leihaus bekommt man als Kunde nicht den tatsächlichen Wert des Pfandes ausgezahlt, sondern nur einen Teil des Zeitwerts”, erklärt Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg. In der Regel werde ein Drittel bis die Hälfte des Zeitwerts gezahlt. „Die Leute sollen ihre Sachen ja auch wieder abholen.”

Kunden sollten allerdings zwischen verschiedenen Leihhäusern gut vergleichen, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bei einer Stichprobe stellten die Verbraucherschützer fest: Die Angebote variieren stark. So wurden für eine Uhr mit einem Sammlerwert von etwa 800 Euro Kredite zwischen 60 und 400 Euro geboten.

Das eigentliche Geschäft machen die Pfandhäuser mit den Gebühren und Zinsen. Deren Höhe ist in der Pfandleiherverordnung von 1961 weitgehend festgeschrieben. Die Zinsen für das Darlehen dürfen demnach 1 Prozent nicht übersteigen.

Hinzu kommen Gebühren, die bis zu einem Darlehensbetrag von 300 Euro ebenfalls festgeschrieben sind: Bei einem Darlehen von 30 Euro fallen pro Monat 2 Euro Gebühren an, bei einem Darlehen von 100 Euro sind es 3,50 Euro, bei 300 Euro 6,50 Euro. Alles was darüber hinaus geht, ist verhandelbar.

Auch ab wann ein Pfand verwertet werden darf, ist in der Verordnung festgeschrieben. Ein Darlehen muss demnach immer für mindestens drei Monate gewährt werden. Der Pfandleiher darf seine Ansprüche frühestens einen Monat nach Eintritt der Fälligkeit geltend machen. „Wenn Sie dann immer noch nicht in der Lage sind, ihren Pfand auszulösen, können Sie den Vertrag auch verlängern”, sagt Schedl. „Theoretisch so lange Sie wollen.”

Davon raten Verbraucherschützer allerdings ab. Inklusive Gebühren und Zinsen könne es sehr teuer werden, das Pfand wieder auszulösen, sagt Föller. Deshalb sollte die Laufzeit der Pfandhauskredite möglichst kurz gehalten werden. Nur so könnten auch die Kosten begrenzt werden.

Die Höhe der Gebühren findet Verbandsgeschäftsführer Schedl angemessen. „Die Kosten für die Lagerung der Wertgegenstände sind hoch”, sagt er. Schließlich müssten sie gegen Diebstahl und Brand gesichert sein, und auch der Versicherungsschutz sei vorgeschrieben. Daher rät auch Schedl Verbrauchern, den Kreditvertrag nicht zu lange laufen zu lassen.

Kann ein Pfand dennoch nicht ausgelöst werden, wird es öffentlich versteigert. Verbraucher können die Auktionen als günstige Einkaufsquelle nutzen. Die Pfandleiher kündigen die Termine in Tageszeitungen und auf ihren eigenen Homepages an. Wird ein Wertgegenstand zu einem höheren Preis verkauft, als veranschlagt, profitiert der Besitzer des Pfands. „Der Mehrerlös steht dem Kunden zu, Verluste tragen die Pfandleiher”, erläutert Schedl.

Der Überschuss muss aber innerhalb von zwei Jahren abgeholt werden, ansonsten landet er beim Fiskus. Verbraucherschützer raten deshalb ebenso wie Leihhäuser, Fristen genau einzuhalten. Denn wenn der Auslösetermin verpasst wird, kommt der Schmuck in die Auktion.

Über fällige Daten müssen Pfandleiher ihre Kunden nicht informieren. Allerdings werden die meisten Gegenstände rechtzeitig wieder abgeholt: „Von 100 Pfänden gehen weniger als 10 Prozent in die Versteigerung”, sagt Schedl.