Regensburg: Keine übereilten Entscheidungen im Immobilienboom

Regensburg: Keine übereilten Entscheidungen im Immobilienboom

Der Boom auf dem Immobilienmarkt sollte bei niemandem zu überstürzten Entscheidungen führen. Wichtig ist und bleibt eine solide Finanzierung. Wer ein neues Zuhause gefunden hat, sollte sich daher nicht durch ein Kreditinstitut zum Abschluss eines Finanzierungsvertrages drängen lassen, wenn die Voraussetzungen nicht stimmen.

Unter anderem sollten Käufer gegen Berufsunfähigkeit abgesichert sein, rät Prof. Steffen Sebastian, Immobilienexperte an der Universität Regensburg. Denn es stelle sich immer die Frage, ob die Immobilie weiter finanziert werden kann, wenn ein Gehalt wegfällt. Und wer erst in späten Jahren eine Versicherung abschließt, zahlt oft höhere Beiträge, die dann zusätzlich belasten.

Wer die Immobilie selber nutzt, kann die Zinsen steuerlich nicht absetzen. Er sollte daher eine hohe Eigenkapitalquote haben und auf eine möglichst schnelle Tilgung achten, sagte Prof. Sebastian in einem dpa-Themendienst-Gespräch. Wichtig ist auch die Zinsbindung: „Variable Zinsen eignen sich nur für kurzfristige Bindungen. Wenn die Immobilie schnell wieder verkauft werden soll, kann auf noch niedrigere Zinsen spekuliert werden”, erläuterte er. Das wäre dann aber eine „Zinswette” und kein Immobiliengewinn. Denn erst nach acht bis zehn Jahren wären die Transaktionskosten wieder drin.

Der deutschen Mentalität entsprechen - im Gegensatz zu anderen Ländern - auch eher Zinsbindungen mit meist 10-jähriger Laufzeit. „In der aktuellen Niedrigzinsphase machen 15-jährige Laufzeiten durchaus Sinn”, sagte Sebastian. Bei 15 Jahren gibt es zudem die Regel, dass der Kreditnehmer nach 10 Jahren aus dem Vertrag kann, wenn sich beispielsweise die Zinsen günstig entwickeln. Sinnvoll ist es auch, sich ein zweites Finanzierungsangebot einzuholen.

Keine überstürzten Entscheidungen - das gilt vor allem dann, wenn die Wohnung oder das Haus nicht selbst bezogen werden soll. „Viele Kleinanleger kaufen momentan Immobilien, weil sie sich gegen Inflationsrisiken schützen wollen. Diese Strategie ist unsinnig”, sagte Sebastian. Mit einer einzigen Immobilie könne man sich nicht schützen. Und ein Anleger mit 50.000 Euro Eigenkapital würde auch keinen Kredit über 200.000 Euro aufnehmen, um dieses Geld in eine einzige Aktie zu stecken. „Warum sollte er das Risiko bei einer einzigen Immobilie eingehen?”, fragte der Immobilienwissenschaftler.

Bei offenen Immobilienfonds könnten Anleger zwar schlimmstenfalls ein bis zwei Jahre nicht an ihr Geld heran - zugleich sei das Risiko eines Verlustes deutlich geringer. Solche Fonds seien daher eine gute Alternative für kleine und mittlere Einkommen.

Dass die Preise jetzt steigen, dürfte nach Ansicht des Experten nicht grundsätzlich dazu führen, dass die Nachfrage nach selbst genutzten Immobilien wieder sinkt: „Wenn ich meine Miete sparen will, mache ich das auch, wenn sich der Immobilienmarkt nicht so positiv entwickelt.” Ob gerade jetzt ein guter Zeitpunkt für den Immobilienkauf ist, beurteilte Prof. Sebastian allerdings skeptisch: „Es ist eher ein guter Zeitpunkt zu verkaufen.”