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Berlin: Kein blindes Vertrauen: Darlehen an Verwandte schriftlich vereinbaren

Berlin : Kein blindes Vertrauen: Darlehen an Verwandte schriftlich vereinbaren

Ein Darlehen unter Verwandten ist nicht nur ein reiner Freundschaftsdienst. Es kann sich auch rechnen, und zwar gleichermaßen für Geldverleiher und -empfänger. Vorausgesetzt, dass Geschäft wird professionell aufgezogen, rät die Stiftung Warentest.

Wenn beispielsweise ein älteres Ehepaar seine Ersparnisse bei einer Bank anlegen würde, bekäme es den marktüblichen Zinssatz von derzeit drei bis vier Prozent. Leihen die Eltern das Geld aber ihrem Sohn, der damit sein Auto finanziert, profitieren beide Seiten.

Zu einen muss der Sohn dann keinen Ratenkredit bei der Bank aufnehmen, zum anderen spart er sich die Kreditzinsen, die derzeit bei rund sieben Prozent liegen. Der Gewinn bleibt in der Familie. Der Sohn kann den Eltern höhere Zinsen zahlen als die Bank. Außerdem fallen keine zusätzlichen Kreditkosten wie Abschluss- und Kontogebühren an. Und der Sohn ist nicht mit einem öffentlichen Kredit belastet, der bei der Schufa registriert ist.

Solche Geschäfte in der Verwandtschaft sollten aber unbedingt schriftlich fixiert werden, rät die Stiftung Warentest. Sonst drohen ernsthafte Streitigkeiten, die den Familienfrieden gefährden. Nicht selten behaupten Schuldner, die das Geld nicht zurückzahlen können, dass sie gar keinen Kredit bekommen haben. Dann ist es besser, Beweisstücke in der Hand zu haben.

Leihen Verwandte und Bekannte einander Geld, ist es sinnvoll, einen Darlehensvertrag abzuschließen. Dieser sollte mindestens folgende Angaben enthalten: Name, Anschrift und Geburtsdatum des Darlehensgebers und Darlehensnehmers, Höhe der Kreditsumme, Tilgungs- und Zinssatz, Laufzeit und Ratenhöhe. Aus dem Vertrag muss die Endsumme hervorgehen, also die Höhe des verzinsten Darlehens. Notwendig sind die Unterschriften beider Parteien.

Nach der Auszahlung des Geldes an den Darlehensnehmer sollte sich der Kreditgeber unbedingt eine Quittung unterzeichnen lassen. Sie ist der Beweis dafür, dass nicht nur ein Darlehensvertrag abgeschlossen wurde, sondern dass das Geld auch tatsächlich geflossen ist. Bei einem eventuellen Streitfall vor Gericht kann das wichtig sein. Dann helfen mündliche Erklärungen nicht viel.

Bei größeren Summen sollten sich private Geldverleiher nicht scheuen, wie die Banken Sicherheiten zu verlangen. Das reduziert ihr Risiko, dass sie das verliehene Geld nicht zurückbekommen. Als Sicherheiten eignen sich wertvolle Schmuckstücke, Antiquitäten, Bilder oder auch ein Auto.

Zahlt der Darlehensnehmer das Geld nicht zurück, kann der Kreditgeber die Stücke behalten oder verkaufen. Es ist auch möglich, sich eine Grundschuld ins Grundbuch eintragen zu lassen, wenn der Darlehensnehmer ein Haus oder Grundstück besitzt. Alle Sicherheiten, die der Schuldner angibt, gehören in den Darlehensvertrag.

Bei Geldgeschäften in der Familie ist immer ein kühler Kopf zu bewahren, rät die Stiftung Warentest. Für abwegige Geschäftsideen oder windige Geldanlagen sollte man sein Geld nicht verleihen. In solchen Fällen ist es klüger, einmal klar „nein” zu sagen, als am Ende sein Darlehen nicht zurückzubekommen.