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Berlin: Hotel-Klassifizierungen: Der Griff nach den Sternen

Berlin : Hotel-Klassifizierungen: Der Griff nach den Sternen

Geht es darum, sich für eine bestimmte Unterkunft zu entscheiden, orientieren sich viele an Bewertungssystemen wie den Hotelsternen. Doch diese Systeme sind nicht immer aussagekräftig oder untereinander vergleichbar.

Zum einen haben zum Beispiel verschiedene Reiseveranstalter ihre eigenen Bewertungskriterien entwickelt, die von den offiziellen Hotelsternen abweichen können. Zum anderen sind die Anforderungen für die Vergabe von Sternen von Land zu Land unterschiedlich.

Letzteres soll in einigen Ländern Europas ab dem Jahr 2010 anders werden. Die Hotelverbände aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Schweden, der Schweiz, Tschechien und Ungarn haben die „Hotelstars Union” gegründet. Ziel ist es, ein gemeinsames Klassifizierungssystem einzuführen und so dem Gast mehr Transparenz und eine bessere Vergleichbarkeit zu bieten.

Dabei gehe es jedoch nicht um Gleichmacherei, betont Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA): „Die Wünsche an ein Hotel am Mittelmeer werden immer andere sein als an eines in Skandinavien.” Wichtig sei, dass die Harmonisierungsbestrebungen Raum für die Vielfalt und die ländertypischen Unterschiede, Traditionen und Kulturen ließen.

Doch was steckt überhaupt hinter den Hotelsternen? Um sie zu erhalten, muss der Hotelier einen Erhebungsbogen ausfüllen, dessen Angaben von einer Klassifizierungskommission vor Ort überprüft werden. Das Hotel wird dann in eine der fünf international üblichen Sternekategorien eingeteilt. Es gilt das Prinzip: Je mehr Sterne, desto mehr Merkmale müssen vorhanden sein. „Für die Bewertung werden vorwiegend objektive Kriterien wie Zimmerausstattung, Freizeiteinrichtungen oder Dienstleistungsangebote herangezogen”, erklärt Heckel.

Um die angewandten Kriterien zu vereinheitlichen, haben sich die beteiligten Länder der Hotelstars Union zunächst auf grundlegende Standards verständigt, an die die Kriterien angepasst werden sollten. Danach ging es darum, die Kriterien zu vereinheitlichten - wie jetzt bereits in den sieben Ländern Deutschland, Österreich, Tschechien, Schweden, Ungarn, der Schweiz und den Niederlanden geschehen.

Allerdings war dies auch relativ leicht möglich, denn der Hotelmarkt und die Wünsche der Gäste sind in diesen Ländern ähnlich strukturiert. Mit anderen Ländern - eventuell sogar außerhalb Europas - ähnliche Kriterien zu finden, dürfte sich als deutlich schwieriger herausstellen.

„Bisher gibt es in Europa oder weltweit sehr verschiedene Systeme zur Bewertung von Hotels. In einigen Ländern ist eine Klassifizierung Pflicht, in anderen Ländern freiwillig, manche Staaten kennen keine einheitlichen nationalen, sondern nur regionale Klassifizierungsstandards”, erläutert Heckel die Situation.

So werden zum Beispiel spanische Hotels dezentral von Regionalverbänden bewertet. Eine wirkliche Vergleichbarkeit ist auf Grundlage der offiziellen Hotelklassifizierung für den Gast also nur eingeschränkt möglich.

Ein Grund dafür liege in den unterschiedlichen Wünschen und Erwartungen der Gäste, sagt Heckel und nennt einige Beispiele: So legen Südeuropäer meist weniger Wert auf die Länge der Betten als Nordeuropäer. Im dichtbesiedelten Tokio können die Zimmer, aber auch die Badezimmer eines 5-Sterne-Hotels kleiner sein als bei einem US-amerikanischen Überland-Motel der unteren Kategorie.

Franzosen erwarten ein Bidet im Hotelzimmer, nicht aber eine Eismaschine auf der Etage, was wiederum in den USA zur gehobenen Hotelkultur gehört. Nicht einmal die Größe und Beschaffenheit eines Bettes, geschweige denn die Größe der Zimmer, die Ausstattung des Badezimmers und dergleichen seien über die Kulturräume hinweg einheitlich definiert.

Und hier stoßen dann Klassifizierungen eindeutig an ihre Grenzen und fordern den Urlauber. Denn dieser sollte sich bewusst sein, dass er in einen anderen Kulturkreis reist, in dem ganz andere Dinge wichtig sind als bei uns. Und daher manches Gewohnte im Hotel nicht vorhanden sein könnte.