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Berlin: Haus vernünftig schätzen lassen

Berlin : Haus vernünftig schätzen lassen

Viele Immobilienbesitzer, die ihr Haus verkaufen wollen, haben nur vage Vorstellungen davon, was es eigentlich wert ist. „Aber eine realistische Einschätzung ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Verkauf”, so Jürgen B. Schrader, Vorsitzender des Verbandes privater Bauherren (VPB).

Wer den Wert seines Hauses zu hoch ansetzt, bleibt in der Regel zunächst darauf sitzen. Ist das Haus dann länger auf dem Markt, befürchten potenzielle Käufer, dass etwas damit nicht in Ordnung ist. Schließlich muss der Verkäufer den Preis soweit senken, dass er unter dem wirklichen Wert liegt, argumentiert Schrader.

Für beide Seiten, Verkäufer und Käufer, ist es wichtig, einen reellen Preis zu ermitteln. Dazu müssen diverse Informationen über die Immobilie gesammelt werden, denn eine Faustformel für die Wertbestimmung von Häusern und Wohnungen gibt es nicht. Einen ersten Überblick bietet jedoch der Wohnimmobilienpreisspiegel des Immobilienverbands Deutschland (IVD).

Darin sind die Durchschnittspreise für Wohnimmobilien in rund 270 Städten aufgeführt, an denen man sich orientieren kann. 2005 kostete beispielsweise ein freistehendes Eigenheim mit mittlerem Wohnwert und rund 125 Quadratmeter Wohnfläche sowie Grundstück und Garage im Bundesdurchschnitt knapp 219 300 Euro. Doch die regionalen Unterschiede sind beträchtlich. Die höchsten Preise wurden für Objekte dieser Art mit 465.000 Euro in München bezahlt, gefolgt von Bad Homburg und Frankfurt mit 440 000 beziehungsweise 400.000 Euro.

Auch in den regionalen Tageszeitungen finden sich Hinweise über das Niveau der Immobilienpreise. Ein Vergleich mit Angeboten von Häusern in ähnlicher Lage und Ausstattung ist durchaus empfehlenswert. Nützliche Informationen geben die Gutachterausschüsse der Kommunen und Kreisverwaltungen. Sie registrieren alle Kaufpreise für Immobilien in ihrer Region und bilden daraus Bodenrichtwertkarten, die den Kaufinteressenten zur Information über die tatsächlichen Marktpreise dienen.

Gegenüber den pauschalisierten Immobilienpreisspiegeln bieten die Bodenrichtwertkarten einen wesentlichen Vorteil: Sie enthalten nicht nur den aktuellen Wohnwert, der einem bestimmten Stadtviertel aufgrund seiner Infrastruktur und der Bevölkerung zugeschrieben wird, sondern auch Hinweise auf einen im Gang befindlichen Strukturwandel. Neben den allgemeinen Grundlagen für die Wertbestimmung eines Hauses benötigt der Käufer Angaben über den tatsächlichen Zustand der Immobilie, ihre Ausstattung, Bausubstanz, das Umfeld und den Renovierungsbedarf. Erst dann kann er den aktuellen Wert einigermaßen ermessen.

Die Liste der Experten, die eine professionelle Hilfe bei der Wertermittlung von Immobilien anbieten, ist lang. Wer sie in Anspruch nehmen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass die Sachverständigen unabhängig, firmen- und produktneutral arbeiten. Sachverständigen-Gutachten sind nicht nur beim Verkauf und Kauf selbst genutzter Immobilien sinnvoll. In der Regel verlangen die Banken solche Wertgutachten als Basis für die Immobilienfinanzierung. Auch in Erbfällen, bei Scheidungen oder Vermögensstreitigkeiten helfen sie, zu einer gerechten Lösung zu gelangen.