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Hat die Corona-Pandemie Einfluss auf das Kaufverhalten?

Aktuelle Trends : Hat die Corona-Pandemie Einfluss auf das Kaufverhalten von Verbrauchern?

Hamsterkäufe, Social Distancing, Maskenpflicht, Lockdown, allesamt Begriffe, die es in dieser Form vor der Corona-Pandemie nicht gegeben hat, beziehungsweise nur den wenigsten Menschen bekannt waren.

Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich während der Krise massiv verändert. Doch was davon war nur der aktuellen Situation geschuldet, und welche Trends werden den Markt dauerhaft verändern?

Wer vor einem Jahr vorausgesagt hätte, dass wegen eines Virus’ Geschäfte wochenlang geschlossen bleiben müssen und dann in weiterer Folge nur mit Maske betreten werden dürfen, wäre wohl für verrückt erklärt und als hoffnungsloser Schwarzseher abgestempelt worden. Seit ein paar Monaten ist dieses Szenario allerdings Realität geworden. Die gesetzten Maßnahmen der Politik im Zusammenhang mit dem Corona-Virus haben dazu geführt, dass sich die Menschen umstellen und ihre Gewohnheiten an die derzeitige Situation anpassen müssen.

Das hat sich vor allem während des Lockdowns massiv auf das Kaufverhalten ausgewirkt, da Konsumenten alternative Möglichkeiten finden mussten, um an gewünschte Waren zu gelangen. Viele dieser Änderungen werden höchstwahrscheinlich dauerhaft bleiben. In manchen Bereichen des Shoppings ist mittlerweile bereits ein Gewöhnungseffekt eingetreten - speziell online. Daraus resultieren aber auch Vorteile, die die meisten Online-Shopper zukünftig nicht mehr missen möchten.

Corona ist ein Trendbeschleuniger

Vieles von dem, was die Konsumenten an ihrem Einkaufsverhalten während der Pandemie verändert haben, war in Ansätzen auch schon vorher zu erkennen. Corona ist daher kein Trendsetter im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Trendbeschleuniger.

Die größte Veränderung war mit Sicherheit eine massive Verschiebung der Einkäufe vom stationären Handel hin zum eCommerce, den Online-Shops. Auch vor Ausbruch des Virus? war dieser Trend bereits zu identifizieren, eine Entwicklung in diesem Ausmaß wäre ohne Corona aber wohl erst in etwa fünf bis zehn Jahren zu erwarten gewesen.

Das liegt vor allem daran, dass die Menschen zum Teil gezwungen waren, auf den virtuellen Handel auszuweichen. So entdeckten auch eher konservative Verbraucher die Vorteile des Online-Handels, die davor nicht einmal im Traum daran dachten, Waren über das Internet zu ordern. Dazu zählen vor allem ältere Personen ab etwa 60 Jahren.

Doch auch das Online-Shopping selbst hat sich durch Corona verändert. Viele Käufer haben gelernt, wie sie Preise von Produkten einfach vergleichen können oder nutzten die Vorteile eines Schnäppchenportals mit besonders preisgünstigen Angeboten. Auf diesen Portalen sehen Konsumenten auf einen Blick, welche Händler gerade interessante Deals bereithalten. Der Vorteil: Nicht jeder Online-Shop muss dafür extra besucht werden, sondern das gesamte verfügbare Angebot ist auf einen Blick im Schnäppchenportal zu erkennen.

Das Angebot reicht dabei von Notebook-Schnäppchen über Gratisproben und Gutscheine für diverse Produkte bis zu vergünstigten Urlaubsreisen. In vielen Fällen wird auf den Portalen auch auf Preisfehler in den Shops aufmerksam gemacht, mit denen Waren zu teilweise unterirdischen Preisen erworben werden können. Allerdings gilt hier: Schnell sein, denn die Anbieter bemerken ihre Fehler in der Regel bereits nach kurzer Zeit.

Gewinner und Verlierer

Jede Veränderung bringt Gewinner und Verlierer mit sich. Das hat sich auch deutlich bei der Corona-Krise gezeigt. Während einige Branchen massiv von den Maßnahmen profitierten, waren sie für andere teilweise existenzbedrohend. Einer der größten Gewinner der Krise sind Essens-Lieferdienste. Klar, wenn der Ausflug zum Lieblings-Restaurant nicht erlaubt ist, muss nach entsprechenden Alternativen gesucht werden, um doch noch in den Genuss des guten Essens zu kommen. Daher nutzten rund 11 Prozent der Konsumenten in Deutschland die Möglichkeit, sich das Essen nach Hause liefern zu lassen. Vor Corona lag die Quote bei gerade mal einem Prozent. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass das Stadtbild auch dauerhaft von den bunten Fahrrädern der Lieferdienste geprägt wird.

Die Corona-Pandemie hat unmittelbaren Einfluss auf die Kaufkraft in Deutschland. Gefragt, worauf sie am ehesten verzichten können, werden vor allem Urlaubsreisen, Autos sowie Luxusartikel wie Uhren oder Schmuck genannt. Es ist daher davon auszugehen, dass vor allem diese Branchen in den nächsten Jahren massive Einbußen hinnehmen müssen und deshalb zu den großen Verlierern der Krise zählen.

Die großen Supermarkt- und Discount-Ketten wie Edeka, Aldi, Lidl und Rewe hatten Probleme damit, die Online-Anfragen der Kunden während Corona zeitgemäß zu bedienen. Die Folge waren oft Wartezeiten von ein paar Tagen oder sogar Wochen. Bei Waren des täglichen Bedarfs ist das natürlich ein nicht tragbarer Zustand für viele Käufer. Von dieser Problematik konnten vor allem die Online-Giganten wie Amazon profitieren, die bereits vor der Corona-Pandemie auf ein breites, infrastrukturelles Netzwerk zugreifen konnten, um Lieferungen schnell an das gewünschte Endziel zu befördern.

Dazu bieten sie in der Regel auch noch zuverlässige und einfache Zahlungsmöglichkeiten an. Daher zählen vor allem auch Amazon und Ebay zu den dauerhaften Gewinnern, die großen Vier des deutschen Lebensmittel-Handels hingegen zu den Verlierern, trotz aller Beteuerungen vieler Konsumenten, die Waren des täglichen Bedarfs zukünftig beim kleinen Händler im eigenen Viertel zu kaufen. Seit der Wiedereröffnung der Läden zeigen die Besucher- und Umsatzzahlen, dass das in den meisten Fällen allerdings nur Lippenbekenntnisse waren.

Es muss nicht alles neu sein

Eine positive Entwicklung der Krise ist der Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Selbstverständlich erfolgt dies nicht immer aus freien Stücken, denn durch Kurzarbeit und Jobverluste ist auch viel an der bisherigen Kaufkraft in der Bevölkerung verlorengegangen.

Konsumenten greifen daher immer öfter zu gebrauchten Artikeln. Vor allem bei Kleidung verdeutlicht sich diese Entwicklung. Die Bereitschaft der Menschen, gebrauchte Markenartikel beispielsweise auf Online-Plattformen wie „ubup“ zu erwerben, als billige und unter menschenunwürdigen Bedingungen gefertigte Massenware aus Fernost zu kaufen, spiegelt sich in den aktuellen Verkaufszahlen wider.

Auch Smartphones, Tablets und Laptops können aktuell einen oder zwei Vorbesitzer haben und gehen trotzdem noch über den Ladentisch. Findige Shops haben sich darauf spezialisiert, bereiten die Geräte entsprechend auf und bieten sie zu einem Bruchteil des Preises an, der für ein neues Produkt verlangt werden würde. Das hat als erfreulichen Nebeneffekt. Dass die Umwelt geschont wird, da so auch wertvolle Rohstoffe eingespart werden.

(vo)