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Biallos Ratgeber: Haften Eltern für ihre Kinder oder nicht?

Biallos Ratgeber : Haften Eltern für ihre Kinder oder nicht?

Zwischen eigenem Ermessen und Gesetz: Was Heranwachsende ab wann dürfen – und was sie müssen.

Lange bevor der Nachwuchs 18 wird, sind Rechtsfragen relevant: Ausgehzeiten, Haftungsfragen, Mitspracherechte, Reisebestimmungen – dazu gibt es klare Regelungen. Nicht alle Eltern kennen sie. Sie pflegen, erziehen und beaufsichtigen ihre Kinder – so ist es im Bürgerlichen Gesetzbuch festgehalten. Gleichzeitig haben Kinder das Recht, sich selbstständig zu entwickeln. Wachsen die Kinder heran und werden selbstständiger, geraten Eltern immer wieder in Zwiespalt. Antworten auf wichtige Fragen.

Haftung: „Eltern haften für ihre Kinder“ – dieses Warnschild „ist Blödsinn“, sagt Imke Schwerdtfeger, Fachanwältin für Familienrecht in Essen. Eltern haften nicht zwangsläufig für ihre Kinder. Unter sieben Jahren – im fließenden Straßenverkehr sogar bis zu einem Alter von zehn Jahren – sind Kinder nicht deliktfähig und damit auch nicht haftbar zu machen. Auch die Eltern haften nicht. „Außer, sie haben ihre Aufsichtspflicht verletzt“, sagt Schwerdtfeger.

Aufsichtspflicht: Die Aufsichtspflicht zu erfüllen heißt nicht, Kinder rund um die Uhr zu überwachen. „Je nach Verstandesreife dürfen die Eltern dem Kind zutrauen, alleine zu Hause zu bleiben, draußen zu spielen, zu reisen oder abends spät nach Hause zu kommen“, sagt Schwerdtfeger. Eltern bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Beaufsichtigung, Fürsorge und Erziehung zur Selbstständigkeit. Sollte das Kind einen Schaden anrichten oder sollte ihm etwas zustoßen, müssen Eltern sich jedoch erklären können. Wer sein Kind eindeutig überfordert oder ihm zu viel zumutet für sein Alter, kann im Ernstfall sogar das Sorgerecht verlieren. „Das Jugendamt kann eine Kindeswohlgefährdung überprüfen“, sagt Schwerdtfeger.

Kinder haften: Ab einem Alter von sieben Jahren können Kinder für Schäden haftbar gemacht werden. „Vorausgesetzt, sie hatten die Erkenntnisfähigkeit, dass ihr Handeln nicht erlaubt ist und Schäden verursacht“, sagt Schwerdtfeger. Ein Zwölfjähriger kann durchaus für Vandalismus haftbar gemacht und mit Schadenersatzforderungen konfrontiert werden. „30 Jahre lang kann der Geschädigte die Summe einfordern, wenn sie tituliert ist, also gerichtlich festgestellt wurde. Die Eltern sind nicht gezwungen zu bezahlen.“

Ausgehen: Im privaten Raum entscheiden die Eltern, was der Nachwuchs darf und was nicht. Im öffentlichen Raum regelt das Jugendschutzgesetz, ab wann Jugendliche unter anderem Alkohol und Tabakwaren konsumieren und wie lange sie sich in Gaststätten oder Diskotheken aufhalten dürfen. Demnach dürfen sie ab 16 Jahren in Gaststätten Wein und Bier konsumieren. Rauchen ist erst ab 18 Jahren erlaubt. Gaststätten oder Tanzveranstaltungen dürfen sie unter 16 Jahren in der Regel nicht ohne Begleitung besuchen.

Reisevollmacht: Reisen die Kinder mit nur einem Elternteil oder mit Freunden und Verwandten, ist es in einigen Ländern Pflicht, bei der Einreise eine Reisevollmacht vorzulegen. Aus der muss hervorgehen, dass die Eltern – oder der nichtmitreisende Elternteil – mit der Reise einverstanden sind. „Manche Fluggesellschaften verlangen inzwischen auch auf europäischen Flügen obligatorisch eine Reisevollmacht, wenn Kinder mit nur einem Elternteil verreisen“, sagt Schwerdtfeger. Vor allem auf Reisen in die USA sollte man eine solche Vollmacht mit sich führen. Vordrucke finden sich im Internet.

Sorgerecht: Wenn Eltern sich trennen, entbrennt oft ein Streit darüber, bei wem die Kinder wohnen. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht ist ein wichtiger Teil des Sorgerechts. Viele glauben, dass Kinder ab 14 Jahren entscheiden dürfen, bei wem sie wohnen. „Das steht so nicht im Gesetz“, sagt die Fachanwältin. Vielmehr werden auch die Wünsche jüngerer Kinder in die Entscheidung des Familienrichters einbezogen. „Welche Bedeutung ihnen zukommt, hängt vom Reifegrad des Kindes ab.“

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.