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Aachen: Guter Rat ist teuer: Was Finanz- und Versicherungsberatung kostet

Aachen : Guter Rat ist teuer: Was Finanz- und Versicherungsberatung kostet

Endlich ist der Versicherungsvertrag unter Dach und Fach. Der Kunde setzt seine Unterschrift, der Berater schließt zufrieden seine Mappe. Aber ist man mit dem Produkt auch gut beraten? „Guter Rat ist teuer” heißt das Sprichwort und trifft die Sache eigentlich im Kern. Denn für Beratung müssen Verbraucher im Normalfall bezahlen - auch wenn sie es manchmal nicht merken.

„Das Dilemma ist, dass für Beratung in Deutschland nicht gern bezahlt wird”, sagt Achim Tiffe vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen. Doch deshalb ist Beratung nicht kostenlos. Gerade bei Bank- und Versicherungsprodukten werden Beratungskosten häufig über Provision abgerechnet - ohne dass der Kunde davon erfährt. „Der Kunde weiß meist gar nicht, was er zahlt und wie die Provision aussieht.”

Das ist ein Problem, findet Tiffe, denn was sich dem Kunden ebenfalls häufig nicht erschließt: Warum ihm der Berater das Produkt wärmstens empfohlen hat. Ist es tatsächlich der beste Plan für die Altersvorsorge oder das Produkt mit der höchsten Provision? „Selbst wenn die Leute gut beraten könnten, handeln sie manchmal im Interesse ihres Instituts”, sagt Tiffe. „Der Kunde wird vergessen, und das ist eine Katastrophe.”

Ob die eigene Bank zum Beispiel auch fremde Produkte anbietet, hänge von der jeweiligen Geschäftspolitik ab, sagt Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Im Zweifelsfall sollten Verbraucher einfach nachfragen, wie es mit Gebühren oder Ausgabeaufschlägen aussehe. Bei einem guten Kundenberater könne die Beratungsleistung möglicherweise auch gegen ein Honorar statt gegen Provision abgeglichen werden.

So halten es auch unabhängige Berater, die statt einer Provision ein Stunden- oder Erfolgshonorar nehmen. Achim Tiffe rät, sich einmal auszurechnen, wieviel die drei bis fünf Prozent ausmachen, die als Provision gezahlt werden. Sein Beispiel: eine Anlage für die Altersvorsorge von 1200 Euro pro Jahr über 35 Jahre. „Das macht eine Summe von 42.000 Euro. Da werden bei drei Prozent 1260 Euro Provision gezahlt.” Wenn nun von einem unabhängigen Berater 120 Euro Honorar verlangt würden, sei das also durchaus in Ordnung.

Allerdings sollten die Verbraucher nicht blindlings jedem unabhängigem Berater vertrauen. Denn Finanzberater ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder, der einen Gewerbeschein vorweisen kann, darf Finanzprodukte verkaufen, erklärt Achim Tiffe. „Die Verbraucher sollten sich deshalb unbedingt auch selbst mit dem Thema beschäftigen.” Tests und Vergleiche in Ratgeber-Zeitschriften seien meist ein guter Anhaltspunkt.

Ob sich ein Berater strikt an die Honorar-Praxis hält und keine Provisionen einstreicht, lässt sich erfragen. Eine weitere Hilfe ist die Verbandszugehörigkeit. So vereinbaren beispielsweise die im Verband unabhängiger Vermögensverwalter organisierten Berater beispielsweise meist ein Fixhonorar von 1 bis 1,25 Prozent des betreuten Volumens pro Jahr, erklärt Verbandssprecher Markus Gies. Teilweise werde dieses Modell mit einem Erfolgshonorar kombiniert.

Allerdings wenden sich Vermögensverwalter und Finanzplaner, die strikt für Honorar arbeiten, häufig nicht an Kleinanleger: „In der Regel werden Mandate ab etwa 150.000 Euro vom Vermögensverwalter angenommen”, sagt Markus Gies. Es gebe aber auch Kollegen, die bei einem niedrigeren Volumen einsteigen.

Auch Versicherungsmakler und -vermittler nennen sich häufig Berater, stehen aber im Dienst eines Unternehmens oder kassieren Provisionen. Auf Unabhängigkeit können sich Verbraucher nur bei Versicherungsberatern verlassen, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein). „Diese Berufsbezeichnung ist geschützt.” Bevor Verbraucher ihren vermeintlichen Berater aber an ihrem Wohnzimmertisch Platz nehmen lassen, sollten sie nach der Zulassung bei Gericht fragen. „Wenn er das vorweisen kann, sind sie in guten Händen.”

Das Honorar eines Versicherungsberaters liege meist zwischen 80 und 100 Euro pro Stunde, sagt Rudnik. Es könne unter Umständen aber auch eine Beratungspauschale vereinbart werden. Besonders bei großen Entscheidungen wie Lebens-, Renten- oder Berufsunfähigkeitsversicherung ist das Geld seiner Ansicht nach gut investiert. „Bei einer privaten Haftpflichtversicherung lohnt es vielleicht weniger.” Hier könnten sich Verbraucher auch selbst informieren, Angebote vergleichen oder Informationen von Verbraucherzentralen einholen.

Die als Vereine gegründeten Verbraucherzentralen bieten auch selbst Beratung an: von Finanz- über Schuldnerberatung, Hilfe bei der Heizkostenabrechnung über Fragen zu Ernährung, Mietrecht oder sogar Patientenberatung. Die Preise sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, sagt Olaf Weinel, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover.

So rechnen die Stuttgarter Verbraucherschützer für eine Spezialberatung zur Baufinanzierung 120 Euro ab, in Berlin kostet sie 100 Euro. Telefonberatung wird meist im Minutentakt abgerechnet, auch via E-Mail können sich Verbraucher Rat einholen. Schuldnerberatung ist zum Beispiel im Saarland und Nordrhein-Westfalen umsonst.

„Wie gut die Beratung ist, hängt immer von der Verbraucherzentrale im jeweiligen Bundesland ab und davon, wie sie ausgestattet ist”, sagt Achim Tiffe, der die unterschiedlichsten Beratungsangebote in Deutschland geprüft hat. Wer einen objektiven Rat haben möchte, sollte allerdings auch bereit sein, dafür zu zahlen.