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Stuttgart: Gute Zinsen nicht erwünscht: Wie Kunden um Rendite gebracht werden

Stuttgart : Gute Zinsen nicht erwünscht: Wie Kunden um Rendite gebracht werden

Eigentlich ist Kundenbindung für Unternehmen wichtig. Denn mit treuen und zufriedenen Kunden lassen sich im Laufe der Zeit in der Regel viele Geschäfte machen. Manche Geldinstitute sehen das aber offenbar anders.

„Einigen Geldhäusern sind Altverträge mittlerweile eher zu einer Last geworden”, hat Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart beobachtet.Der Hintergrund: Wer vor 10 oder 15 Jahren einen langfristigen Sparvertrag unterschrieben hat, dem wurden Zinsen von 4 Prozent und mehr versprochen. „Damals war das Zinsniveau insgesamt höher”, erklärt Nauhauser. Entsprechend hoch waren deshalb auch die Sparzinsen.

Heute sieht die Situation anders aus: Die lange Niedrigzinsphase hat die Sparzinsen ordentlich schrumpfen lassen. Für Geld auf dem Tagesgeldkonto gibt es derzeit laut der FMH-Finanzberatung im Schnitt 0,73 Prozent Zinsen. Vor einem Jahr lag der Durchschnitt immerhin noch bei knapp 1,3 Prozent. Und deshalb sind die alten Verträge für die Institute heute teuer. Daher versuchen manche Banken langjährige Kunden loszuwerden. „Und das mit recht dreisten Methoden”, kritisiert Nauhauser.

Für Aufsehen sorgte jüngst ein Fall in Baden-Württemberg: Dort hatte eine Sparkasse ihren Kunden vor Ablauf der fest vereinbarten Vertragszeit mit einer Kündigung der Sparverträge gedroht. Diese waren Ende der 90er Jahre mit einer Laufzeit von 25 Jahren abgeschlossen wurden - mit steigenden Zinssätzen. „In dem Schreiben wurde einfach behauptet, das Kündigungsrecht ergebe sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch”, ärgert sich Verbraucherschützer Nauhauser. Für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband war das allerdings ein Einzelfall. „Selbstverständlich erfüllen Sparkassen geschlossene Verträge”, erklärt eine Sprecherin.

Verbraucherschützer beobachten allerdings etwas anderes. Denn auch in anderen Bundesländern versuchen manche Geldhäuser, ihre Kunden dazu zu überreden, ihren alten, gut verzinsten Vertrag in einen neuen umzutauschen. Die Mittel sind hier ähnlich: In den Schreiben an die Kunden wird ebenfalls mit Kündigung gedroht. „Das Ziel ist, die Zinsen gewaltig in den Keller zu drücken”, erklärt Eckhard Balke von der Verbraucherzentrale Thüringen. Statt etwa 2 Prozent sollen die Kunden in den neuen Verträgen nur noch 0,1 Prozent Zinsen bekommen.

Ein solches Vorgehen ist allerdings nicht rechtens: „Langfristige Sparverträge, die für eine konkret bestimmte Ansparphase einen Bonuszins versprechen, können vor dem Ende der Laufzeit von dem Institut nicht einfach gekündigt werden”, hat das Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg festgestellt. Sofern keine Laufzeit vereinbart wurde, könne der Vertrag von beiden Seiten mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden.

Nicht ganz rechtens ist auch eine andere Masche der Geldinstitute. „Kunden wurden oft Bonuszinsen versprochen, wenn sie die lange Vertragslaufzeiten von bis zu 25 Jahren einhalten”, erklärt Niels Nauhauser. Ausgezahlt werden sollten die Bonuszinsen meist bei Vertragsende. Das Problem: Seit Vertragsabschluss wurde die jährliche Verzinsung der Verträge dem sinkenden Zinsniveau angepasst. Daher ist die Auszahlungssumme deutlich niedriger als in den Modellrechnungen bei Abschluss ausgewiesen.

„Die Bank kann sich bei laufenden Sparverträgen zwar das Recht vorbehalten, die Zinsen anzupassen”, erklärt der Finanzexperte. „Allerdings darf das nicht willkürlich geschehen.” Denn laut der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs müssen die Banken einen nachvollziehbaren Referenzzins nennen. Verboten ist es den Geldinstituten auch, das Anpassungsrecht zum eigenen Vorteil zu missbrauchen.

Verbraucher sollten daher einen kritischen Blick in ihre Unterlagen werfen. „Zinsklauseln mit dem Zusatz „zur Zeit” sind oft angreifbar”, erklärt Nauhauser. „Dann muss die Bank offenlegen, nach welchem Referenzzins sie die Zinsen angepasst hat.” Das Verhältnis von Sparzins zu Referenzzins müsse dabei über die Laufzeit gleichbleiben. „Betroffene können ihre Bank auffordern, zu belegen, dass die Zinsanpassungen stets angemessen waren”, rät Nauhauser. In vielen Fällen könnten Kunden mit einem Nachschlag rechnen.

Auch von einer angedrohten Kündigung sollten sich Kunden nicht einschüchtern lassen, findet Eckhard Balke. „Sie sollten die Kündigung zurückweisen”, erklärt der Verbraucherschützer. „Und zwar schriftlich und per Einschreiben.” Denn oft sei die Argumentation der Institute bei näherer Betrachtung nicht haltbar. Hilft auch das nicht weiter, können Kunden sich an den Ombudsmann wenden. Der Vorteil: Das Verfahren ist für Verbraucher kostenlos. Und der Rechtsweg ist im Zweifel nach erfolgtem Schlichterspruch immer noch möglich.

(dpa)