Berlin: Geld aus den eigenen vier Wänden

Berlin: Geld aus den eigenen vier Wänden

Viele Ruheständler stehen vor einem Dilemma: Sie sitzen buchstäblich auf einem Haufen Geld, können es aber nicht ausgeben. Denn ihr Kapital steckt in der selbst genutzten Immobilie. Das hat zwar den Vorteil, dass so keine Miete anfällt.

Andererseits fehlt es damit aber oft am nötigen Geld, um sich etwas zu gönnen oder auch nur fällige Zusatzkosten zu begleichen, für die die Rente nicht reicht.

Für diese Rentner kann eine sogenannte Umkehrhypothek oder Immobilienrente eine Möglichkeit sein. Bei diesem Modell wird auf die abbezahlte Immobilie ein Darlehen aufgenommen, das aber nicht abbezahlt wird und für das auch keine Zinsen fällig werden. Das Geld wird zur freien Verfügung ausgezahlt. Tilgung und Zinsen werden der Darlehensschuld zugeschlagen. Eine Umkehrhypothek ist damit eine gute Option, wenn die eigenen vier Wände aus emotionalen Gründen nicht verkauft werden sollen. Denn „normale” Darlehen werden in vielen Fällen von Banken gar nicht mehr an Ältere vergeben.

Für die Immobilie bedeutet das, dass die eigentlich schuldenfreie Wohnung wieder belastet wird und der Betrag durch die auflaufenden Zinsen immer weiter steigt. Dennoch bietet eine Umkehrhypothek auch für die Erben Vorteile. Denn bleibt nach Abzug der Darlehenssumme und der Zinsen ein Restwert, können sie die Immobilie übernehmen und die Schulden tilgen. Draufzahlen müssen sie in keinem Fall, da immer nur die Immobilie haftet, nicht das restliche Vermögen. Ein Erbe außerhalb der Immobilie wird also nicht berührt.

Zwar weisen Verbraucherschützer immer wieder darauf hin, dass es besser sei, die Immobilie zu verkaufen. Dabei wird aber vergessen, dass zwar ein höherer Erlös erzielt wird, der Verkäufer aber auch ausziehen und sich ein neues Zuhause suchen muss - für das dann Miete fällig wird, die im Lauf der Jahre steigen und den höheren Erlös aufzehren kann.

Ein Verkauf sollte deshalb vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn das Haus im Alter nicht oder nur schwer genutzt werden kann, weil es nicht barrierefrei ist. Wer aber in den eigenen vier Wänden bleiben will und trotzdem zusätzliches Geld braucht, sollte trotz des auf den ersten Blick kleineren Erlöses auch über eine Umkehrhypothek nachdenken. Durch die Mietersparnis kann sich so über die Jahre neben der Einmalzahlung eine ansehnliche Summe anhäufen.

Angeboten wird das Modell vor allem von der Immokasse, die sich durch eine Grundschuld im Grundbuch absichert. Erst wenn der Eigentümer auszieht, die Immobilie verkauft oder stirbt, muss die Darlehenssumme mit den aufgelaufenen Zinsen zurückgezahlt werden.

Anbieter wie die Investitionsbank Schleswig-Holstein bieten dagegen die Möglichkeit, das Kapital direkt verrenten zu lassen. Der Besitzer erhält dann keine einmalige Kapitalzahlung, sondern eine monatliche Rente ausgezahlt. Die fließt aber etwa bei der Investitionsbank nicht lebenslang, sondern nur bis zum Erreichen der statistischen Lebenserwartung. Das macht Modell im Vergleich weniger interessant als die Kapitalzahlung. Dort kann jeder, etwa durch eine private Rentenversicherung, selbst ein Ruhegeld finanzieren, das dann in der Regel lebenslang gezahlt wird.

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