Stuttgart: Fühlen, Sehen, Kippen: Wie man Falschgeld erkennt

Stuttgart: Fühlen, Sehen, Kippen: Wie man Falschgeld erkennt

Falschgeld lauert überall. Sowohl beim netten Gemüsehändler an der Ecke als auch im teuren Nobel-Restaurant kann es passieren, dass eine Blüte unbemerkt von Portemonnaie zu Portemonnaie wandert. Und derjenige, bei dem der falsche Fuffziger schließlich enttarnt wird, hat das Nachsehen: „Einen falschen Geldschein bekommt man von niemandem ersetzt”, sagt Joachim Sinn, Falschgeldexperte beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg.

Um sich vor so einem Verlust zu schützen, kann man Euro-Scheine anhand verschiedener Kennzeichen auf ihre Echtheit überprüfen. „Wichtig ist, dass man immer drei bis vier Merkmale auf einmal prüft”, betont Sinn. Denn manchen Fälschern gelänge es durchaus, das eine oder andere Merkmal täuschend echt nachzuahmen.

Manche Echtheitszeichen kann man beispielsweise ganz leicht ertasten. „Wenn man den Geldschein in die Hand nimmt, kann man fühlen, ob das Papier hart im Griff ist wie ein echter Schein oder eher lappig, so wie normales Druckerpapier”, sagt Sinn. Auf der Vorderseite der Euro-Scheine - also auf der Seite mit der groß aufgedruckten Wertziffer - befindet sich außerdem links neben der Wertzahl ein schraffiertes Feld.

„Wenn man mit dem Fingernagel darüberfährt, sollte man bei einem echten Schein merken, dass die Fläche geriffelt ist”, sagt Sinn. Auch die sogenannte Kopfzeile, die mit den Buchstaben „BCE” beginnt, muss erhaben sein.

Weitere Hinweise auf die Echtheit einer Banknote kann man entdecken, wenn man sie gegen das Licht hält. „Dabei sollte auf der linken, freien Fläche ein Wasserzeichen erscheinen”, sagt Joachim Sinn. Dieses Wasserzeichen sollte sowohl hellere als auch dunklere Stellen als das umgebende Papier aufweisen - „Manche Fälscher kopieren nämlich das Wasserzeichen, aber sie bekommen entweder nur eine hellere oder nur eine dunklere Abstufung hin.”

Beim Kontrollblick gegen das Licht ist bei einem echten Euro-Schein außerdem auch der Sicherheitsfaden zu erkennen, der in das Papier eingebettet ist. Auf ihm ist die Wertzahl des Scheins lesbar. „In der linken oberen Ecke der Banknote erscheint zudem das sogenannte Durchsichtsregister - die Fragmente der aufgedruckten Wertzahl werden also vervollständigt”, sagt der Fachmann. Hier müsse man darauf achten, dass die Ränder sauber seien.

Zu guter Letzt zeige sich gegen das Licht auch ein fein perforiertes Eurosymbol im Hologramm der echten Banknoten ab 50 Euro aufwärts. „Ein besonders relevanter Teil der Prüfung ist das Kippen”, sagt Sinn. Bewege man den Schein hin und her, würden bei Scheinen im Wert von 50, 100, 200 und 500 Euro im Hologramm abwechselnd das auf der Banknote abgedruckte Bauwerk und die Wertziffer sichtbar. „Bei kleineren Werten wechseln sich im silbernen Streifen auf der rechten Seite das Wertzeichen und das Eurosymbol ab”, sagt Sinn.

Auch die Rückseite des Geldscheins offenbart beim Kippen Echtheitsmerkmale: „Die Wertziffer unten rechts erscheint bei Scheinen ab 50 Euro aufwärts mal purpurfarben, mal grün. Beim 5-,10- und 20-Euro-Schein schimmert der Perlglanzstreifen goldgelb”, sagt Sinn. Dieses Merkmal sei besonders schwer zu fälschen.

Wer sich das Testverfahren erleichtern möchte, kann laut Sinn auf spezielle Geldprüfgeräte zurückgreifen, die von der Bundesbank zertifiziert würden. Vom Einsatz eines Geldprüfstifts, der auf die Beschaffenheit des Papiers reagiert, rät die Polizei jedoch ab. Zum einen werde damit wieder nur ein einziges Echtheitsmerkmal überprüft - andere Komponenten des Scheins könnten also trotzdem gefälscht sein.

„Außerdem besteht die Gefahr, dass sich Verbraucher auf einen bereits vorhandenen Prüfstrich auf dem Schein verlassen und die Geldfälscher das ausnutzen, indem sie die Striche bereits aufdrucken”, gibt Joachim Sinn zu bedenken.

Entdecke man Falschgeld in seinem Portemonnaie, müsse man die Polizei verständigen. Wenn man sich noch daran erinnert, wo man die Blüte erhalten hat, kann das bei der Aufklärung helfen. „Gut ist es außerdem, wenn man das Falschgeld gleich in ein Kuvert steckt - so ist es später einfacher, eventuelle Fingerabdrücke der Fälscher darauf auszumachen”, ergänzt Sinn.

Der Hauptwert der gefälschten Banknoten, die in Deutschland in Umlauf gebracht werden, sei momentan der 50-Euro-Schein. Die Fälschung großer Wertscheine sei hingegen erheblich zurückgegangen, da bei diesen Beträgen generell genauer hingeschaut werde.

„Und bei 5- oder 10-Euro-Scheinen lohnt sich für die Fälscher meist der Aufwand nicht”, sagt Sinn. Die Wahrscheinlichkeit, einen falschen Fuffziger zu erwischen, sei allerdings eher gering: „In Deutschland kommen auf 10.000 Banknoten sechs gefälschte Scheine.”