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Fragen und Antworten: Ein Deckel für Dispozinsen?

Fragen und Antworten : Ein Deckel für Dispozinsen?

Das Konto zu überziehen, ist oft teuer. Der Ruf nach einer Begrenzung der Kosten wird lauter, die Banken sind jedoch dagegen.

Wer bei der Volks- und Raiffeisenbank Landsberg-Ammersee sein Konto überzieht, zahlt dafür einen hohen Preis. Die bayerische Genossenschaftsbank verlangt 14,71 Prozent Zinsen. Damit ist das Geldhaus in einem bundesweiten Dispo-Vergleich des Finanzportals Biallo am teuersten. Geht der Kunde über den vereinbarten Dispo-Rahmen hinaus, kostet das sogar 19,71 Prozent. Angesichts solcher Zahlen wird der Ruf nach einem gesetzlichen Deckel für Dispozinsen wieder lauter. Die Banken lehnen das ab. Mit Recht? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was sind Dispo- und Überziehungszinsen?

Diese Zinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet und ins Minus rutscht. Zunächst gewährt die Bank oder Sparkasse eine begrenzte Kontoüberziehung, den Dispokredit oder Dispo. Das Limit beträgt oft zwei oder drei Monatsgehälter. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus belastet, fallen Überziehungszinsen an.

Wie hoch fallen diese Zinsen aus?

Das Finanzportal Biallo vergleicht regelmäßig die Preise von knapp 1200 deutschen Geldhäusern. Im Durchschnitt werden derzeit für den Dispo 10,07 Prozent berechnet. Bei den Überziehungszinsen sind es 12,39 Prozent. Auffällig ist, dass vor allem kleine Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen besonders viel für den Dispo verlangen. Für die Institute sei es ein lukratives Geschäft, wenn ihre Kunden wegen der hohen Inflation ihr Konto überziehen müssten, meint Biallo-Redakteur Kevin Schwarzinger. „Doch das verschärft die finanzielle Situation der betroffenen Verbraucher zusätzlich.“

Was spricht für einen Dispo-Deckel?

Aktuell liegt die Teuerungsrate in Deutschland bei 10,4 Prozent. Insbesondere die Preise für Energie und Nahrungsmittel sind stark gestiegen und werden in den nächsten Monaten weiter klettern, so die Meinung der meisten Experten. Laut Sparkassenpräsident Helmut Schleweis benötigen inzwischen rund 60 Prozent der privaten Haushalte ihre gesamten monatlichen Einkünfte und mehr, um die laufenden Ausgaben zu decken.

Oft seien nie Rücklagen vorhanden gewesen oder sie seien aufgebraucht. Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen geht davon aus, dass immer mehr Menschen gezwungen sind, auf den Dispo zurückzugreifen. „Es trifft nicht nur Arme, sondern zunehmend breitere Schichten der Bevölkerung. Ein gesetzlicher Dispo-Zinsdeckel muss schnell wieder auf die Agenda“, fordert Heyer.

Ist diese Forderung neu?

Nein. Entsprechende Initiativen gab es in den vergangenen Jahren im Bundestag schon häufiger, meist von den Linken und den Grünen, aber auch von der SPD. In der Großen Koalition stellte sich die Union gegen einen Dispo-Deckel. In der Ampel-Regierung verhindert insbesondere die FDP eine solche Regelung. SPD und Grüne üben bei diesem Thema bislang allerdings keinen Druck auf die Liberalen aus.

Wie könnte ein Dispo-Deckel aussehen?

Verbraucherschützer schlagen vor, der Geldwirtschaft für ihre Kosten beim Überziehen des Girokontos einen Basiszins von sechs oder sieben Prozent zu gewähren. Hinzu kommt ein Aufschlag, der sich am allgemeinen Zinsniveau orientiert. Maßstab dafür könnte der sogenannte Euribor sein, jener Zinssatz, zu dem sich Banken mit guter Kreditwürdigkeit untereinander Geld leihen. Der Euribor mit einer Laufzeit von einem Jahr beträgt aktuell 2,8 Prozent. Zusammen mit einem Basiszins von 6,5 Prozent ergäbe sich daraus momentan ein Dispo-Deckel von 9,3 Prozent.

Was spricht gegen eine Begrenzung?

Für Verbraucher ist der Dispokredit aus Sicht der Geldwirtschaft ein schnell verfügbares und unkompliziertes Mittel, um kurzfristig finanzielle Engpässe zu überwinden. „Banken stellen einen flexiblen und unbesicherten Kredit zur Verfügung“, heißt es in der Branche. Dieses Modell habe seinen Preis. Ein Preisdeckel sei ein Eingriff in den Markt und verhindere Wettbewerb. Schließlich könnte dies dazu führen, dass kein Dispokredit mehr angeboten werde.

Wie sieht die Alternative zum Dispokredit aus?

Verbraucherschützer warnen davor, das Girokonto dauerhaft zu überziehen. Sie empfehlen Ratenkredite über eine bestimmte Summe, die in einem festen Zeitraum mit festem Zinssatz zurückgezahlt werden. Solche Kredite sind derzeit mit Zinsen zwischen vier und fünf Prozent zu bekommen. Die Darlehen sind aber nur bei größeren Anschaffungen sinnvoll und nicht geeignet, um erhöhte laufende Kosten zu bezahlen. Wenn die Ausgaben dauerhaft über den Einnahmen liegen, sollte der Weg zur Schuldnerberatung führen.