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Berlin: Eilige Kunden und das Kleingedruckte auf dem Kassenbon

Berlin : Eilige Kunden und das Kleingedruckte auf dem Kassenbon

Sie sind in aller Hände: Bons, die im Kaufhaus oder im Supermarkt aus der Kasse kommen. Beim Kartenzahlen mit Unterschrift können sie lang sein - zu lang, um verständlich zu sein. Nun werden Lösungen gesucht.

Schnell soll es gehen: An der Ladenkasse hat eigentlich niemand Zeit zu lesen. Beim Bezahlen mit EC-Karte und Unterschrift erscheinen aber oft reichlich lange Texte auf dem Bon - sehr zum Ärger von Verbraucherschützern. Denn viele Kunden erkennen in der Eile gar nicht genau, in was sie alles einwilligen. Auch der Handel arbeitet inzwischen an einfacheren Lösungen.

Das ist sehr unterschiedlich und beim Einkaufsbummel je nach Geschäft eine Überraschung. Manchmal sind es nur wenige Textzeilen, um dem Einziehen der Einkaufssumme vom Konto zuzustimmen. Und der Aufdruck auf der Rückseite des Bons ist nicht größer als die EC-Karte selbst. In anderen Läden werfen Kassen dagegen Belege mit bis zu 20 Zentimetern Kleingedrucktem aus - darunter wenig verständliche Formulierungen wie eine „Einwilligung gemäß Paragraph 4a BDSG”, also dem Bundesdatenschutzgesetz. Teils können Kunden den Text nicht einmal hinterher auf ihrem Bon nachprüfen, da er nur auf einem zweiten Exemplar steht, das die Kassiererin behält.

„Wenn ich an der Kasse anfange, den Text genau zu lesen, dürfte ich mir leicht den Zorn des Personals und der anderen Kunden hinter mir zuziehen”, sagt Frank-Christian Pauli, Referent für Banken beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Der Verbraucher weiß und akzeptiert, dass seine Daten zur Abwicklung der Zahlung benötigt werden.” Weitere Verwendungszwecke düften Kunden aber nicht untergeschoben werden.

Hintergrund sei, dass beim Zahlen mit Unterschrift teilweise auch Daten ausgewertet werden, die über reine Sperrvermerke für verschwundene Karten hinausgehen. Sie könnten ein Bild liefern, wann und wo ein Kunde wieviel Geld ausgibt. Das wäre dann zum Beispiel für Marketingaktionen interessant.

Dass das Verfahren einfacher und transparenter werden sollte, hat sich auch die Branche selbst vorgenommen. Mit Datenschützern und Verbraucherverbänden laufen Gespräche, wie es beim Handelsverband Deutschland (HDE) heißt. „Wir möchten wesentlich kürzere Belegtexte erreichen”, sagt Ulrich Binnebößel, HDE-Experte für Zahlungssysteme. Zusätzlich könnten gleich am Eingang und in der Kassenzone Schilder angebracht werden, auf denen der Text des Bons mit Erläuterungen und Hinweisen auf weitere Informationen im Internet abgedruckt ist. Sinnvoll wäre eine bundesweit einheitliche Lösung, auf die sich Kunden wie überregional tätige Händler einstellen könnten.

„Der Text sollte auf das Nötigste reduziert sein, darf aber auch nichts Wesentliches weglassen, was der Kunde wissen muss, um seine Rechte zu wahren”, sagt vzbv-Referent Pauli. Überhaupt müssten Kunden schon informiert sein, ehe ihre Karte durch die Kasse gezogen wird. Generell sollte der Handel Daten nur sparsam erfassen. „Die EC-Karte darf keine Superbonuskarte werden.” Denn Bonuskarten, die auch zu Marktforschungszwecken dienen, können an der Kasse im Portemonnaie gelassen werden. „Aus der Kartenzahlung darf kein Zwang werden, so etwas stets akzeptieren zu müssen”, sagt der Verbraucherschützer.

Auf den schmalen weißen Zetteln können die Kunden nachlesen, was der Trinkjoghurt, die Zahnpasta oder das Oberhemd gekostet haben - samt ausgewiesener Mehrwertsteuer. Häufig bestehen die Bons aus Thermopapier, auf dem durch Hitze schwarze Schrift erscheint. Dies gehe sehr schnell und sei günstiger, sagt HDE-Experte Binnebößel. Denn gewechselt wird nur die Papierrolle, Tintenpatronen gibt es nicht. Die Schrift verblasst aber relativ schnell. Bons informieren über Öffnungszeiten, einige Läden fügen auch Gutscheine an. Viele Kunden wollten allerdings inzwischen gar keinen Bon mehr, heißt es in der Branche. Manche Geschäfte wie die Rewe-Supermärkte oder der Discounter Penny drucken Bons daher nur noch auf Wunsch aus.