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Hamburg/Mannheim: Durchhalten ist das Wichtigste: Altersvorsorge in der Krise

Hamburg/Mannheim : Durchhalten ist das Wichtigste: Altersvorsorge in der Krise

Nach den Banken und dem Finanzmarkt steckt auch die Altersabsicherung der Deutschen in der Krise. Laut der neuen Vorsorge-Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach hat jeder fünfte Berufstätige seine privaten Altersvorsorgebeträge zurückgeschraubt oder aufgelöst.

Denn die Sorge um die Zukunft ist groß. Und viele haben angesichts von Kurzarbeit jetzt schon weniger in der Tasche. Dabei ist Kontinuität das Wichtigste. Es gilt also, richtig abzuwägen.

„Es gibt Ratschläge, die sind richtig - und ändern sich auch nicht durch Krisen”, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie rät grundsätzlich dazu, nicht „aus dem Minus” zu sparen. Gerät also der eigene Haushalt in Schieflage, sollte als erstes das Sparen eingestellt werden. Nur Geld, das übrig ist und in der jüngeren Zukunft nicht benötigt wird, sollte gespart werden.

Als Grundregel bei der Produktauswahl verweist sie auf das „Sparen in Etappen”: Wer 5000 bis 10 000 Euro übrig hat, bewahrt diese auf dem Tagesgeldkonto auf. Für größere Summen kommen dann Sparbriefe und Bundeswertpapiere infrage. Vor allem aber sei es falsch, bestehende Verträge aus dem Dispo zu bedienen: „Wenn man nichts übrig hat, dann kann man auch nicht sparen.” Und Verträge zu kündigen, sollte der letzte Weg sein.

Auch im Ernstfall - einem starken Einkommensrückgang zum Beispiel wegen Arbeitslosigkeit - müssen nicht gleich Altersvorsorgeverträge aufgekündigt werden. Dazu rät Martin Gasche vom Forschungsinstitut Ökonomie und Demografischer Wandel an der Universität Mannheim. „Wenn Ansprüche verfallen, ist das schlecht. Aber manche Verträge kann man auch ganz einfach ruhen lassen und zeitweise aussetzen.”

Michael Hauer vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung in Altenstadt (Bayern) empfiehlt zunächst staatlich geförderte Wege wie die Riester und Rürup und die betriebliche Altersversorgung - vor allem, wenn sie mit Zuschlägen des Arbeitgebers verbunden ist. Wer gut verdient, hat bei Renteneintritt eine höhere Versorgungslücke - und sollte seiner Ansicht nach mindestens zwei Wege der Absicherung gehen.

Mit nur einem sei in der Regel die Lücke nicht zu füllen. „Mein Rat ist: Das eine tun und das andere nicht lassen”, sagt Hauer. Die Grenze liege da, wo das Sparen nicht mehr regelmäßig leistbar ist. Für Familien mit Kindern sei Riestern immer sinnvoll, sagt auch Gasche. Denn auch für jedes Kinder zahlt der Staat pro Jahr einen Summe in den Vertrag ein - das sollten sich Sparer nicht entgehen lassen.

Der Allensbach-Studie zufolge vertrauen zwei Drittel der befragten Deutschen dem eigenen Heim als Vorsorgeform. Eine alleinige Alternative zu privaten Sparverträgen sind sie aber nur bedingt. Castelló hält sie für eine „im Prinzip vernünftige Form der Altersvorsorge”. Allerdings komme es auch auf die Details an: „Wenn ich die Immobilie nur vermieten will, würde ich sie nur kaufen, wenn ich im Notfall selbst einziehen würde. Ein Immobilienkauf ist eine Entscheidung fürs Leben.”

Wohnung oder Haus müssen auf Dauer bezahlbar sein. Und Eigentum fordert auch im Alter Instandhaltungsmaßnahmen. „Das wird oft vergessen”, warnt Gasche. „Aber auch das muss finanziert werden.”

„Grundsätzlich sind in jungen Jahren auch riskantere Anlageformen in Ordnung”, sagt Gasche. „Bei Aktien oder Fonds ist die Rendite über die Länge der Anlagezeit gesehen höher.” Allerdings sei immer mit Rückschlägen zu rechnen. „Je älter man wird, desto geringer sollte der riskante Anteil sein.” Dabei bedeutet „jung” in diesem Fall auch das Alter von 30 Jahren - viele steigen erst dann in den Beruf ein und konnten als Student gar nicht sparen.

Literatur: Bernd und Antje Nolte: Die Rucksack-Strategie - Sichere Altersvorsorge für unsichere Zeiten, Finanzbuch Verlag, ISBN 978-3-89879-428-2, 19,90 Euro.