Kiel: Discount- und Ferienclubs: Verlockende Versprechen sorgfältig prüfen

Kiel: Discount- und Ferienclubs: Verlockende Versprechen sorgfältig prüfen

Das Angebot klingt verlockend, denn wer möchte nicht preiswert Urlaub machen? Sogenannte Discount- oder Ferienclubs versprechen hohe Nachlässe bei Unterkünften und Pauschalreisen. Vorausgesetzt, man wird dort Mitglied.

Doch bevor man in den Genuss der vermeintlichen Urlaubsschnäppchen kommen kann, muss man zahlen. Und das teilweise nicht zu knapp, sagt Andrea Sack, Rechtsreferentin des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland (EVZ) in Kiel: „In manchen Fällen werden schon vorab bis zu 3000 Euro verlangt.” Ein Teil davon werde gleich bei Vertragsabschluss fällig, der Rest später eingefordert.

Es läuft in der Regel ähnlich ab wie bei den Timesharing-Angeboten. Urlauber werden auf der Straße oder am Strand angesprochen und zu einem unverbindlichen Gewinnspiel überredet, bei dem es letztendlich keine Nieten gibt. Der Gewinn soll dann aber an einem anderen Ort überreicht werden, zu dem die Urlauber üblicherweise mit einem Taxi gebracht werden. Doch dort gibt es stattdessen ein Verkaufsgespräch.

„Diese werden sehr aggressiv geführt und dauern oft mehrere Stunden”, weiß die Rechtsexpertin. Ziel sei, dass die Urlauber am Ende ihre Unterschrift unter den vorgelegten Mitgliedsvertrag setzen - ohne die Gelegenheit zur genauen Prüfung zu haben. Oft werde diesen erst hinterher bewusst, was sie dort eigentlich unterschrieben haben. „Das Problem ist dann, dass es fast unmöglich ist, aus diesem Vertrag wieder herauszukommen”, sagt Sack. Denn anders als beim Timesharing sei in Europa ein generelles Widerrufsrecht bisher nicht vorgesehen.

Und der Timesharing-Schutz greift bei den Discount- und Ferienclubs erst ab einer Laufzeit von drei Jahren. Dies unterlaufen die Anbieter nach Angaben der Verbraucherschützerin, indem sie die Verträge bis zu 35 Monate laufen lassen - also bis kurz vor der Drei-Jahres-Frist. Das bedeute, warnt Sack, dass die geforderte Anzahlung, teilweise bis zu 1200 Euro, auf jeden Fall verloren sei.

Trotzdem rät die Expertin dazu, die Restsumme nicht zu zahlen. Denn die Gegenleistungen seien es oft nicht wert und würden zu einem noch größeren Verlust führen. Dass die Anbieter die Restsumme gerichtlich einklagten, sei in der Regel nicht zu erwarten.

Die im Verkaufsgespräch angekündigten „sensationellen” Preisnachlässe werden in den meisten Fällen nicht näher benannt. Stattdessen, so die Erfahrung von Sack, wird ein Gutschein für einen günstigen Urlaub überreicht. Bucht man dann später tatsächlich eine Reise oder eine Unterkunft, kommen die Kosten für die Verpflegung noch hinzu. Und diese sind dann nach Erfahrung der Verbraucherschützer deutlich überteuert, so dass der Preis bei einer normalen Buchung sogar niedriger sein kann.

Andrea Sack warnt deshalb davor, überhaupt auf diese Gewinnspiele einzugehen. Seriöse Anbieter müssten nicht zu Tricks greifen, um Kunden zu gewinnen. Sie eröffneten außerdem die Möglichkeit zur eingehenden Prüfung des Vertrags und verlangten keine sofortige Anzahlung. Sollte man sich aber doch einmal in einem - meist etwas abgelegenen - Hotel bei einem Verkaufsgespräch wiederfinden, rät Sack dazu, schnell zu gehen: „Es ist dann vielleicht nicht ganz einfach zurückzukommen. Aber man kann davon ausgehen, dass das jeweilige Hotel, in dem das Verkaufsgespräch stattfindet, nichts damit zu tun hat.” Und so könne man an der Rezeption Hilfe und Tipps für die Rückfahrt erwarten.

Ab nächstem Jahr wird sich laut Sack die rechtliche Situation verändern. Bis dahin müssen die Länder ihre Gesetze dahingehend ändern, dass das Widerrufsrecht bereits bei Verträgen ab einer Laufzeit von einem Jahr greift. Die Rechtexpertin mahnt aber gerade deshalb zu besonderer Vorsicht: „Das wissen auch die Anbieter und werden sehr wahrscheinlich in diesem Jahr noch häufiger und aggressiver auftreten.”

Weitere Informationen und Unterstützung können Betroffene beim EVZ in Kiel (Telefon: 0431/9719350, Internet: hhtp://www.evz.de) erhalten.

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