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Selbstständigkeit: Die Vorteile der Versicherungspflicht

Selbstständigkeit : Die Vorteile der Versicherungspflicht

Wer selbstständig ist, kann eine gesetzliche Pflichtversicherung wählen – und so für die Altersvorsorge profitieren.

Viele Selbstständige sorgen wenig oder gar nicht fürs Alter vor. Und wenn sie es tun, dann meist mit privaten Versicherungen oder freiwillig gesetzlich. Oft ist eine gesetzliche Pflichtversicherung aber die bessere Wahl. Selbständige können freiwillige Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Die Höhe ist flexibel. Laufen die Geschäfte gut, können sie einige Hundert Euro einzahlen. Laufen sie schlecht, können sie die Zahlungen auch komplett aussetzen.

Antragspflichtversicherung: Wer jedoch noch nicht fünf Jahre selbstständig ist, kann sich auch für eine stärkere Bindung an die Deutsche Rentenversicherung entscheiden: für die Versicherungspflicht auf Antrag, die weniger flexibel ist und erst mit dem Ende der Selbständigkeit endet.

Bei der Beitragszahlung können sich Selbstständige hierbei als flexibelste Variante für eine gewinnabhängige Beitragszahlung entscheiden. Entscheidend ist dann der laut letztem Steuerbescheid erzielte Gewinn. Bei einem monatlichen Plus von 3000 Euro fallen beim derzeitigen Beitragssatz von 18,6 Prozent monatlich 558 Euro an. Dabei bleibt es dann, bis der nächste Steuerbescheid vorliegt.

Die Vorteile kennt Peter Knöppel. Er arbeitet als Rentenberater in Halle. Er sagt: „Der Bindungsfaktor ist zwar hoch, die Versicherungspflicht bringt Selbstständigen aber auch jede Menge Vorteile.“ Die fünf wichtigsten Pluspunkte sind die Erwerbminderungsrente, der Reha-Anspruch, der Beitragsschutz bei Pfändung, der Hartz-IV-Schutz und der Grundrentenanspruch.

1. Erwerbsminderungsrente: Nur Versicherungspflichtige haben bei Erwerbsunfähigkeit Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Besonders interessant ist das für Selbstständige, die wegen ihrer gesundheitlichen Probleme gar nicht oder nur zu horrenden Preisen an eine private Berufsunfähigkeitsversicherung kommen.

2. Reha-Anspruch: Für Pflichtversicherte gibt es Leistungen der medizinischen Rehabilitation.

3. Beitragsschutz bei Pfändung: Wenn Aufträge wegbrechen, droht unter Umständen eine Pfändung. Pflichtversicherte können dann ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung weiterzahlen. Der pfändungsfreie Teil ihres Einkommens erhöht sich nämlich auf Antrag um den Beitrag zur Rentenversicherung. Bei freiwilligen gesetzlichen Beiträgen oder Beiträgen zur Rürup-Rente geht das nicht.

4. Hartz-IV-Schutz: Im Krisenfall sind kleine Selbstständige nicht selten darauf angewiesen, dass das Jobcenter ihre niedrigen Einkünfte aufstockt. Gesetzliche Pflichtbeiträge können sie dann weiterzahlen. Denn diese können voll vom anrechenbaren Einkommen abgesetzt werden. Bei freiwilligen gesetzlichen oder Rürup-Beiträgen funktioniert das in der Regel nicht.

5. Grundrentenanspruch: Nur Zeiten, in denen Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenkasse gezahlt werden, können einen Anspruch auf die geplante Grundrente bringen – freiwillige Beitragszeiten können das nicht.

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