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Berlin: Die hartnäckigsten Steuer-Irrtümer

Berlin : Die hartnäckigsten Steuer-Irrtümer

Rund um das Thema Steuern ranken sich Mythen und Legenden. Hartnäckig halten sich falsche Annahmen über die Steuererklärung und den Umgang mit dem Finanzamt. Sehr langlebig ist etwa das Gerücht, dass die Steuererklärung immer bis zum 31. Mai abzugeben ist. Dabei gilt diese Frist nur in Einzelfällen, wenn etwa die Steuererklärung in Eigenregie erstellt wird.

Wer dagegen einen Steuerberater einschaltet, hat bis zum 30. September Zeit und bekommt auf jeden Fall eine Fristverlängerung bis zum 31. Dezember. Diese Fristverlängerung wird auf Antrag in der Regel auch allen gewährt, die ihre Steuererklärung selbst erstellen. Es müssen lediglich Gründe für den Verlängerungswunsch genannt werden.

Steuersparende Versicherungen gehören in aller Regel ins Reich der Fantasien von Vertretern. Tatsächlich sind nach geltendem Recht einige Versicherungen nach dem Wortlaut des Gesetzes steuerlich absetzbar - etwa Kranken-, Haftpflicht-, Risikolebens-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Setzen Steuerzahler ihre Krankenversicherungsbeiträge aber ab und liegen diese höher als 1900 Euro - für alle Selbstständigen gilt eine Obergrenze von 2800 Euro -, wirken sich andere Versicherungen steuerlich nicht aus, weil das Budget dann mit der Krankenversicherung ausgeschöpft ist.

Außergewöhnliche Belastungen sind schwer abzusetzen

Krankheitskosten sind ebenfalls hauptsächlich in der Theorie steuerlich absetzbar. In der Praxis aber hat der Gesetzgeber eine hohe Hürde für die finanzielle Unterstützung vom Finanzamt aufgestellt: die „zumutbare Belastung”.

Wer Krankheitskosten absetzen möchte, muss einen Teil davon immer selbst tragen. Nur was darüber hinausgeht, macht sich steuerlich bemerkbar. Wie hoch der Anteil ist, hängt vom Familienstand und dem Einkommen ab. Eine Familie mit zwei Kindern und einem anrechenbaren Einkommen von 40.000 Euro zahlt erst einmal 1200 Euro selbst, bevor das Finanzamt hilft. Alleinstehende mit 60.000 Euro Einkommen zahlen sogar 4200 Euro selbst. Unterstützung gibt es also vor allem dann, wenn hohe Kosten auf ein geringes Einkommen treffen - in der Praxis ein eher seltener Fall.

Die Fahrtkosten sind eine weitere Oase der Legendenbildung. Denn wer nur Fahrtkosten steuerlich als Werbungskosten geltend machen kann, der erzielt dadurch bei geringen Entfernungen oft keinen Vorteil.

Die Fahrtkosten müssen erst einmal den ohnehin gewährten Pauschbetrag von 1000 Euro überschreiten, damit sie sich steuerlich auswirken. Das gilt auch für alle anderen Werbungskosten: Nur wenn sie insgesamt über 1000 Euro liegen, sind sie steuerlich sinnvoll. Die rühmliche Ausnahme sind Kinderbetreuungskosten: Die wirken ab dem ersten Euro.