Aachen: Der Brexit eine Gefahr für deutsche Fonds?

Aachen: Der Brexit eine Gefahr für deutsche Fonds?

Nach der Abstimmung um den Brexit zogen britische Anleger Geld aus Immobilienfonds ab. Zahlreiche Fonds mussten schließen. Wie sieht es in Deutschland aus?

Immobilienfonds können nicht schlagartig einen Großteil ihres Immobilienvermögens versilbern. Dadurch werden Barmittel bei Panikverkäufen rasch knapp. Geht den Fonds die Luft aus, machen sie dicht. Folge: Das Kapital der Anleger liegt auf Eis. Das wertet die Fonds ab, Vermögen geht verloren.

Nun macht sich auch in Deutschland die Angst breit, offene Immobilienfonds könnten in den Brexit-Strudel geraten. Bereits nach der Finanzkrise 2008 mussten viele Immobilienfonds aus Finanznot schließen. Zahlreiche Portfolios wurden komplett aufgelöst, nur wenige wieder geöffnet. Die Abwicklung der Pleitefonds bescherte Anlegern Milliardenverluste. Kein Wunder, dass sich deutsche Anleger Sorgen um ihr Vermögen machen. Schließlich sind deutsche Fonds auch auf der britischen Insel engagiert. Kann der Brexit auch deutsche Immobilienfonds gefährden?

Der deutsche Fondsverband BVI beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Und führt dafür mehrere Gründe ins Feld:

1. Zum einen sei die Investitionsquote relativ gering. Nur etwa acht Milliarden Euro hatten deutsche offene Immobilienfonds Ende März 2016 in Großbritannien investiert. Das entspricht rund elf Prozent des Immobilienvermögens aller dieser Fonds -; ein geringer Anteil.

2. Im Gegensatz zu Deutschland werden die Immobilien in den britischen Fonds mit schwankungsanfälligen Marktwerten bewertet. In den deutschen Immobilienfonds werden die Objekte hingegen mit der konservativen Ertragswertmethode erfasst -; das lässt Spielräume für ungünstige Marktlagen.

3. Die Fonds auf der britischen Insel sind überwiegend in britische Gewerbeimmobilien investiert. Daher ist das Fondsvermögen jetzt auch stark von den rückläufigen Immobilienbewertungen betroffen. Deutsche Fonds sind hingegen vorrangig in Deutschland und Europa investiert.

4. Außerdem schützen die strengen Mindesthalte- und Kündigungsfristen deutsche Fonds vor panikartigen Anteilsverkäufen. Anteile, die vor dem 21. Juli 2013 ins Depot gebucht wurden, dürfen nur bis zur Höhe von 30.000 Euro pro Kalender-Halbjahr zurückgegeben werden. Darüber hinaus gehende Beträge müssen Anleger mindestens zwölf Monate vorher bei der Fondsgesellschaft kündigen. Für Fondsanteile, die nach dem Stichtag 21. Juli gekauft wurden, sind die Regeln noch strenger: Sie müssen mindestens 24 Monate im Depot verweilen und eine Kündigung muss generell zwölf Monate vor Verkauf angemeldet werden. Dafür ist der Höchstverkaufsbetrag von 30.000 Euro entfallen.

5. Viele offene Immobilienfonds halten derzeit hohe Kassaquoten. Dadurch können sie auch größere Verkaufswellen gut überstehen und müssen nicht schließen.

Trotz Wertschwankungsrisiken erzielen offene Immobilienfonds relativ konstante Renditen. Topfonds mit Schwerpunkt Deutschland bzw. Europa erreichen jährlich zwei bis drei Prozent Zuwachs. Beispiele hierfür sind der Grundbesitz Europa von der Deutschen Bank, der UniImmo Deutschland von Union Investment oder der Hausinvest der Commerzbank.

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