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Berlin/Hannover: Den eigenen Augen trauen: PC-Monitore vor dem Kauf ausgiebig testen

Berlin/Hannover : Den eigenen Augen trauen: PC-Monitore vor dem Kauf ausgiebig testen

Flach sind sie alle, sie besitzen eine Bildschirmdiagonale um 22 Zoll und bieten etliche Zusatzfunktionen. Doch woran kann ein Käufer eigentlich einen guten PC-Monitor erkennen? Ist ein Kontrast von 500:1 ausreichend oder müssen es 3000:1 sein?

„Die angegebenen Werte sind nur bedingt aussagekräftig”, sagt Dirk Lorenz von der Stiftung Warentest in Berlin. Viel wichtiger sei es, sich das Display im Laden genau anzuschauen.

Vor dem Kauf sollte sich der Verbraucher auf jeden Fall gut überlegen, wofür er das Gerät einsetzen will, rät Lorenz. Denn ein Display muss zum Spielen andere Ansprüche erfüllen, als ein Monitor im Büro. Und Zocker brauchen einen schnellen Bildschirm. Zum Video gucken muss er aber vor allem groß sein und bei den Farbabstufungen, Helligkeit und Kontrast gut abschneiden. Im Büro steht dagegen die Ergonomie im Vordergrund. Zu große Bildschirme sind da eher störend. „Das ist, als würde man im Kino in der ersten Reihe sitzen”, erklärt Jürgen Reinhard vom Hersteller Samsung.

Ein Display fürs Büro müsse unbedingt höhenverstellbar sein, sagt Ulrike Kuhlmann von der in Hannover erscheinenden Computerzeitschrift „ct”. Beim Arbeiten sollte der Anwender von oben im leichten Winkel nach unten auf den Bildschirm blicken. Muss er nach oben schauen, trocknen die Augen mit der Zeit aus. Ist das Display hingegen zu tief, spiegelt sich darin die Deckenbeleuchtung. Aus dem selben Grund rät Lorenz von Hochglanz-Modellen ab. „Das sieht im Laden zwar chic aus, ist im Alltag aber störend.”

Außerdem empfiehlt Kuhlmann, ein Gerät mit Digitaleingang wie HDMI oder VDI zu wählen: „Die kosten zwar etwas mehr, aber das lohnt sich.” Muss das Display mit Analogeingang mit Hilfe eines Adapters an den Rechner angeschlossen werden, weil dieser nur digitale Bildausgänge besitzt, bestehe die Gefahr von Qualitätsverlusten. „Das Bild könnte unter Umständen flimmern - doch das sieht man im Geschäft nicht, erst zu Hause.”

Die Bildqualität des Monitors lässt sich im Laden jedoch gut beurteilen. Dabei sollte sich der Kunde lieber auf sein eigenes Auge verlassen, als auf die vielen Zahlen im Datenblatt. „Die sagen gar nicht so viel aus, weil die Hersteller nicht unter normalen Bedingungen messen”, erläutert Lorenz.

Vor allem die Farbqualität hänge oft vom Betrachter ab, so Kuhlmann: „Was man als angenehm empfindet, ist bei jedem anders.” Das Standbild im Geschäft sei allerdings als Test ungeeignet. Stattdessen sollte man sich ein Video auf dem Monitor anschauen oder auf einem Speichermedium mitgebrachte Fotos.

Beim Kontrast neigen die Hersteller zum Zahlen-Gigantismus mit Werten wie 30 000:1 und mehr. Doch nach Ansicht der Experten ist ein Verhältnis von 500:1 durchaus ausreichend. Alles über 1000 sei reine Zahlenspielerei, meint Kuhlmann. Viel bedeutender ist, dass der Bildschirm gleichmäßig ausgeleuchtet ist - also an den Rändern beispielsweise nicht dunkler, als in der Mitte. Auch eine hohe Winkelunabhängigkeit wirkt dem entgegen.

Wer viel vor dem Computer sitzt oder zum Beispiel Bilder an ihm bearbeitet, sollte einen Display mit einer Winkelunabhängigkeit von mehr als 160 Grad wählen. Modelle, die darunter liegen, sind in der Regel sogenannte TN-Displays. „Die sind nicht unbedingt schlechter”, sagt Kuhlmann. Aber bei denen könne es passieren, dass das Bild dunkler wird, wenn man den Kopf hin und her bewegt. Bei langer Arbeit am PC empfinden die Nutzer das als unpraktisch. Für sie eignen sich VA- oder IPS-Monitore besser, die winkelstabil sind.

Wie viel Strom ein Bildschirm verbraucht, lässt sich im Laden nur schwer herausfinden. Interessant sei dabei nicht der Verbrauch im Betriebszustand, meint Kuhlmann. Der liege mittlerweile bei fast allen Modellen zwischen 25 und 30 Watt. Ausschlaggebender sollte der Verbrauch im Stand-by- oder sogar Aus-Modus sein. Denn selbst, wenn ein Display ganz ausgeschaltet ist, frisst es noch geringe Mengen Strom. Aufschluss darüber geben die Datenblätter der Hersteller, die man im Internet finden kann.

Beim Stromsparen helfen auch Geräte mit einem Helligkeitssensor, die Umgebungslicht messen und sich dann entsprechend anpassen können. „Die meisten Leute stellen ihren Bildschirm zu hell”, weiß Kuhlmann. Während Flachbildschirme heute eine Lichtstärke von bis zu 300 Candela erreichen, schafften die alten Röhrenmonitore nur 100 bis 130 - die eigentlich ideale Helligkeit fürs Büro.

Energiesparende Geräte liegen laut Samsung-Sprecher Reinhard immer mehr im Trend. So kommen LED-Leuten mittlerweile auch bei der Hintergrundbeleuchtung zum Einsatz. Der Vorteil: Sie sorgen für eine bessere Ausleuchtung und Farbraumabdeckung und nehmen weniger Platz weg. „Zurzeit sind sie aber noch sehr teuer.” Bei dem Kauf eines PC-Monitors sollte man jedoch nicht auf den Cent schauen, rät Kuhlmann. Ein gutes Display koste zurzeit um 200 Euro. „Auf keinen Fall sollte man die eigenen Ansprüche runterschrauben - man guckt schließlich jeden Tag drauf.”

Grafikkarte und dpi-Einstellung anpassen

Nach dem Kauf eines neuen Monitors sollten Anwender ihre Grafikkarte unbedingt auf dessen Auflösung abstimmen. Das rät Dirk Lorenz von der Stiftung Warentest. „Sonst ist das Bild vermatscht.” Die Umstellung bewirkt, dass die Grafikkarte genauso viele Pixel ausgibt wie das Display. Außerdem kann es sein, dass die Desktop-Symbole oder die Schrift auf dem neuen Bildschirm zu klein angezeigt werden. Die Anzeige lässt sich in der Systemsteuerung von Windows größer stellen, indem man eine höhere dpi-Einstellung wählt.