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Düsseldorf: Biallos Ratgeber: Zusatzleistungen unter Kontrolle behalten

Düsseldorf : Biallos Ratgeber: Zusatzleistungen unter Kontrolle behalten

Das Wartezimmer gleicht oft einem Basar: Hier noch eine Vorsorgeuntersuchung im Angebot, dort eine alternative Heilmethode und alles privat zu bezahlen. Vieles davon ist unnötig. Wer sich auskennt, kann selbstbewusst entscheiden.

Was bedeutet IGeL?

IGeL ist die Abkürzung für individuelle Gesundheitsleistungen. Das sind Untersuchungen und Behandlungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bezahlt werden, weil sie als medizinisch nicht notwendig gelten. Der Patient muss sie deshalb aus eigener Tasche begleichen — im Durchschnitt 59 Euro pro Maßnahme. Meist werden zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen als IGeL angeboten, aber auch Reiseimpfungen, Sportuntersuchungen oder alternative Heilmethoden. Vor allem Augenärzte, Urologen oder Gynäkologen arbeiten mit IGeL. Ultraschalluntersuchungen und das Glaukom-Screening beim Augenarzt stehen auf der Hitliste der Angebote.

Was ist die Kritik an IGeL?

Ob eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung sinnvoll ist oder nicht, kann der Patient kaum selbst entscheiden. Doch Ärzte klären oft nicht sachlich auf, sondern schüren sogar die Angst beim Patienten, fahrlässig zu handeln, wenn er etwa das Glaukom-Screening nicht machen lässt. „Seit 1998 gibt es IGeL, und seitdem gibt es Beschwerden darüber“, sagt Christiane Lange, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Verbraucherzentrale hat deshalb eine Website ins Leben gerufen, auf der Patienten ihre Beschwerde einreichen können. Auch der Igel-Monitor, eine Initiative der Kassen, informiert rund um IGeL.

Wie ist der richtige Umgang mit IGeL?

„Der Arzt sollte sachlich beraten, warum eine Zusatzuntersuchung in meinem speziellen Fall notwendig ist und welche Vor- und Nachteile sie bringt“, sagt Lange. Eine schriftliche Vereinbarung vor Behandlungsbeginn ist nötig, ebenso eine Auflistung der Kosten. Eine ordentliche Rechnung ist selbstverständlich, „bloß kein Geld in bar über den Tresen schieben“, sagt Lange. Der Patient sollte Bedenkzeit erhalten und lieber einen weiteren Termin vereinbaren. „Den wird er schnell bekommen, wenn er der Untersuchung zustimmt, denn dann gilt er als Privatpatient.“ Lange rät, vorher bei der Krankenkasse nachzufragen, ob sie die Untersuchung nicht doch bezahlt. Denn bei tatsächlichen Beschwerden oder bestimmten Indikationen werden viele IGeL zur Kassenleistung.

Alternative Heilmethoden als IGeL:

Wünschenswert sind für viele Patienten alternative Heilmethoden. Auch sie werden als IGeL angeboten. Manche Kassen bezahlen einzelne Behandlungsmethoden, wenn sie ein Arzt mit Zusatzqualifikation ausführt. So übernehmen beispielsweise Techniker, Barmer GEK oder DAK Kosten für Homöopathie oder Osteopathie in begrenztem Umfang. Wer mehr wünscht, muss selbst bezahlen. Auch Tarife der privaten Zusatzversicherungen decken solche Kosten teilweise.

Was leisten private Zusatztarife?

Es gibt kaum reine Heilpraktikertarife auf dem Markt. Meist sind im Tarif noch andere Leistungen enthalten wie Kostenerstattung für Vorsorgeuntersuchungen oder Seh- und Hörhilfen. Erstattet werden in punkto Heilpraktiker oft 80 Prozent des Rechnungsbetrags, gedeckelt durch einen Höchstbetrag im Jahr, der zwischen 250 und 1 000 Euro liegt. Tarife kosten für einen 35-Jährigen 20 bis 40 Euro im Monat. „Solche Tarife rechnen sich nur, wenn man häufig und regelmäßig einen Heilpraktiker aufsucht“, sagt Versicherungsberater Thorsten Rudnik. Vor dem Abschluss einer Police ist zu klären, ob die favorisierte Behandlungsmethode auch vom Tarif gedeckt ist, rät er. Denn auch in der Privaten gilt: Nur was einen medizinischen Nutzen hat, wird erstattet.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers