Aachen: Biallos Ratgeber: Wie man im Alter die Beiträge senkt

Aachen: Biallos Ratgeber: Wie man im Alter die Beiträge senkt

Post von der privaten Krankenversicherung (PKV) zum Jahreswechsel hat oft Schockpotenzial. Die darin verkündeten Beitragserhöhungen fallen für das Jahr 2017 besonders üppig aus. Zum Teil liegen sie bei zehn oder sogar zwölf Prozent. Senioren sind oft besonders betroffen.

In ihren alten Tarifen galoppieren die Kosten davon. Obendrein haben sie verminderte Einkünfte, weil sie nicht mehr arbeiten. „Die Leute rufen zum Teil ganz verzweifelt an“, sagt Charlotte Henkel, Patientenberaterin bei der Verbraucherzentale Hamburg. „Das einzige wirkungsvolle Mittel gegen hohe Beiträge ist ein Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens.“

Tarife: Oft sind Senioren in alten Tarifen gefangen: Es werden keine Neukunden mehr aufgenommen, der Kundenstamm altert gemeinsam und verursacht immer höhere Kosten aufgrund des erhöhten Krankheitsrisikos. Das zieht höhere Beiträge nach sich. Aus diesem Teufelskreis muss der Versicherte ausbrechen. Ein Wechsel in einen Tarif mit gleicher Leistung ist ohne Gesundheitsprüfung möglich. „Die Chancen sind gut, einen neueren Tarif zu finden, der weniger kostet“, sagt Henkel.

Tipps zum Wechsel: „Versicherte sollten nie das Unternehmen wechseln“, warnt Henkel. Denn dabei geht die gesamte angesparte Alterungsrückstellung verloren, die auf die Beiträge angerechnet wird und diese so wenigstens etwas mindert. „Wer es sich offenhalten möchte, zu einem späteren Zeitpunkt in den günstigen Standardtarif zu wechseln, sollte jetzt nicht in einen der neueren sogenannten Unisex-Tarife wechseln“, rät die Expertin. Von dort geht es nicht mehr in den Standardtarif. Den richtigen Tarif zu finden, ist kompliziert. Viele Verbraucherzentralen beraten dazu (in Hamburg beispielsweise für 50 Euro pro 45 Minuten), aber auch der Bund der Versicherten berät oder Versicherungsberater (etwa 120 Euro pro Stunde).

Standardtarif: Das größte Sparpotenzial bietet ein Wechsel in den Standardtarif, der allen Versicherten offensteht, die vor 2009 privat krankenversichert waren oder die 65 Jahre alt sind und mindestens zehn Jahre lang in einem Tarif versichert waren oder die mindestens 55 Jahre alt sind und unter der Krankenversicherungspflichtgrenze verdienen. Der Maximalbeitrag liegt bei 635,10 Euro im Monat, angerechnet wird aber die Alterungsrückstellung, so dass von 45.500 Versicherten in dem Tarif im Jahr 2015 nur 331 den Höchstbeitrag bezahlt haben. „Im Durchschnitt fallen 280 Euro im Monat an“, sagt Jens Wegener vom Verband der privaten Krankenversicherung. Ehepaare, die weniger als 52.200 Euro im Jahr 2017 an Einkünften haben, zahlen gemeinsam nur den 1,5-fachen Beitrag.

Leistungen: Der Standardtarif bietet etwas mehr als die gesetzliche Krankenkasse, aber in einigen Punkten leider auch weniger. Hauptproblem ist das Arzthonorar. Bei Privatpatienten gelten höhere Honorarsätze, aber der Tarif deckt diese nicht ab. Versicherte sollten vor dem Arztbesuch die Konditionen besprechen, sonst bleiben sie am Ende auf den Kosten sitzen.

Basistarif: Auch der Basistarif ist eine Option. Allerdings kostet er monatlich 682,95 Euro (2017). Versicherte, die Sozialleistungen bekommen, können ihn allerdings zum Nulltarif erhalten. Der Tarif bietet dieselben Leistungen wie die Krankenkassen. Das gilt auch für Hilfsmittel, Reha-Leistungen, Kuren oder Haushaltshilfen. Das kann ein Plus im Alter sein. Doch aufgepasst: „Hier gibt es die gleichen Probleme wie beim Arzthonorar. Es gibt Ärzte, die Patienten im Basistarif ablehnen“, sagt Henkel.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers