Aachen: Biallos Ratgeber: Nicht jeder kann ein Begräbnis bezahlen

Aachen: Biallos Ratgeber: Nicht jeder kann ein Begräbnis bezahlen

Viele Menschen können sich keine Bestattung leisten. Vermehrt kommt es zu Sozialbestattungen, die die Behörden bezahlen. Die Ausgaben dafür weisen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Verlauf der letzten Jahre steil nach oben: Im Jahr 2006 wurden rund 41 Millionen Euro für Sozialbestattungen ausgegeben, denen rund 13800 Empfänger gegenüber standen. Im Jahr 2010 waren es bereits 57 Millionen Euro und rund 22600 Empfänger. Im Durchschnitt kostet eine Bestattung 6000 Euro.

Wer muss die Bestattung bezahlen?

Die Erben zahlen — so steht es im Gesetz. Das sind meist die Angehörigen des Toten. Reicht die Erbschaft nicht aus, müssen die sogenannten Kostenpflichtigen die Bestattung aus dem eigenen Vermögen begleichen. Das können Kinder, Großeltern oder Geschwister sein. Ist keiner von ihnen in der Lage, die Kosten zu decken, können sich die Betroffenen an das Sozialamt wenden.

Was ist eine Sozialbestattung?

Die Behörde bezahlt eine einfache, ortsübliche Bestattung. „Das sind dehnbare Begriffe“, sagt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas.

„Jede Kommune leistet unterschiedlich.“ Obwohl es preiswert sein muss, darf man die Art der Bestattung (Erdgrab oder Kremation) bestimmen. Auch bescheidener Blumenschmuck sowie ein Gedenksymbol sind erlaubt. „Einige Bestatter lehnen Sozialbestattungen ab, weil sie oft monatelang auf ihr Geld warten müssen“, sagt Helbach. Er rät, offen mit dem Bestatter zu sprechen und beim Sozialamt nachzufragen, was bezahlt wird.

Wie kann man Vorsorge treffen?

Sterbegeldversicherungen und Vorsorgeverträge bei Bestattern sind sicher vor dem Zugriff des Sozialamtes, wenn man zum Beispiel Hartz IV bekommt. Auch wenn von Versicherungspolicen unter Renditeaspekten abzuraten ist — mit kleinen Beiträgen kann man durchaus das Kostenrisiko decken. Vorsorgeverträge macht man mit dem Bestatter und bezahlt quasi im voraus. Das Geld wandert an eine Treuhandstelle, etwa die Deutsche Bestattungsvorsorge-Treuhand (Düsseldorf). Damit ist das Geld sicher, sollte der Bestatter pleite gehen.

Sparpotential Bestatter:

Großes Sparpotential birgt der Bestatter, für den zwischen 900 bis zu 4500 Euro anfallen können. Nutzt man alle Sparmöglichkeiten — beim Bestatter, dem Friedhof, beim Steinmetz — kann man mit 2000 Euro Gesamtkosten rechnen.

Sparpotential Grab:

Die Friedhofskosten sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen — rund 2000 Euro für ein einfaches Erdgrab für die Dauer von 20 Jahren sind durchaus üblich. „Manchmal lohnt es sich, in der Nachbargemeinde zu fragen, was ein Grab kostet. Der Unterschied kann ganz erheblich sein“, sagt Alexander Helbach.

Tendenziell bevorzugen viele Menschen inzwischen kleinere, pflegleichtere und alternative Bestattungsformen. Gerade für Urnenbeisetzungen gibt es kostengünstige Alternativen.

In Gemeinschaftsgrabanlagen, die oft ansprechend landschaftlich gestaltet sind, werden zum Beispiel mehrere Urnen gemeinsam beigesetzt. Die Kosten hierfür: ab 1000 Euro oder sogar weniger, inklusive der Pflege der Grab- anlage.

Auch Baumbestattungen sind extrem populär. Solche Grabstätten kosten ab 500 Euro aufwärts.

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