1. Leben
  2. Geld

Aachen: Biallos Ratgeber: Luxus? Nein, danke!

Aachen : Biallos Ratgeber: Luxus? Nein, danke!

Eine extravagante Ausstattung schmückt eine Immobilie. Dem Geldbeutel tut das selten gut. Durchschnittswohnungen sind dagegen aussichtsreicher.

Luxusimmobilien scheinen derzeit deutsche Großstädte zu überziehen. Dabei sind den Spielereien keine Grenzen gesetzt: Ein Marmorbad, ein Wohnzimmer, das sich über zwei Stockwerke erstreckt oder gar eine Regenwalddusche im heimischen Schlafzimmer. Alles schön und gut, aber unter dem Gesichtspunkte der Rendite häufig uninteressant. Je ausgefallener Architektur und Ausstattung, desto kleiner ist die Zielgruppe potentieller Käufer und damit die künftige Nachfrage, sagt Michiel Goris, Vorstand des Baugeldvermittlers Interhyp. Das Gros der Kaufinteressenten bevorzuge althergebrachte Materialien und zweckmäßige Grundrisse. Solche Objekte finden schneller Miet- oder Kaufinteressenten.

Nur fünf Prozent lieben Protz

Zum gleichen Ergebnis kommt eine Studie des Berliner Marktforschungsinstituts Gapfisch, welche der Münchner Immobilieninvestor Euro Grundinvest in Auftrag gegeben hatte. Demnach ziehen nur fünf Prozent der Privatanleger einen Luxusbau vor, 29 Prozent liebäugeln mit herkömmlichen Neubauten und 27 Prozent der Befragten haben an, klassische Eigentumswohnungen in sehr guten Lagen zu favorisieren. Allerdings ist das nicht allerorts so: In Hamburg und München stehen neun beziehungsweise acht Prozent auf Luxusbauten, in Köln und Frankfurt geben lediglich zwei beziehungsweise drei Prozent der Befragten an, ein Objekt der gehobenen Kategorie zu bevorzugen. Das rundum passende Anlageobjekt gibt es nicht, sagt Jaqueline Reinhold von Euro Grundinvest. Ein Luxuspenthouse könne, wenn der Kaufpreis und Lage stimmen, ebenfalls eine attraktive Wertenwicklung hinlegen. Dennoch sei das Risiko zumeist höher als bei normalen Eigentumswohnungen.

Regionale Banken wissen besser bescheid

Das Problem einer extravaganten Immobilie ist, dass sie gewissen Modephasen unterliegen und so den Bieterkreis einengen. Daher kann es zu extremen Preisausschlägen kommen. Ein weiteres Problem: Schönheit liegt bekanntermaßen im Auge des Betrachters, wodurch sich Kreditgeber meist schwer tun, ausgefallene Immobilien zu bewerten. Die Bewertungskriterien der Banken orientieren sich am allgemeinen Durchschnittsinteresse. Wenn der Kaufpreis einer Eigentumswohnung oder eines Hauses wegen extravaganter Details höher ausfällt, dann wird die Verwertbarkeit meist schlechter eingeschätzt, so Goris. In der Folge führt das zu höheren Sicherheitsabschlägen und einem höheren Beleihungsauslauf, der letzten Endes in höheren Kreditzinsen münden kann. Nach Angaben von Interhyp können regionale Banken solche Objekte oftmals besser einschätzen als bundweitagierende, da sie das Haus häufig kennen.

Letztlich kommt es sehr auf die Nutzungsabsicht an: Wer selbst einziehen möchte, sollte individuelle Interessen in den Vordergrund stellen. Denn vielleicht macht für den Immobilienkäufer genau die Regenwalddusche den Unterschied gegenüber einer Otto-Normal-Wohnung.

Baugeld-Vergleich: Verschaffen Sie sich einen Überblick über die aktuellen Baugeldkonditionen überregionaler und regionaler Anbieter.