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Aachen: Biallos Ratgeber: Genossenschaft bietet Sparern attraktive Zinsen

Aachen : Biallos Ratgeber: Genossenschaft bietet Sparern attraktive Zinsen

Sie heißen „Frohe Zukunft”, „Familienheim” oder „Siedlungsgemeinschaft”. Mehr als 2000 Wohnungsgenossenschaften gibt es in Deutschland. Die ältesten sind vor mehr als 100 Jahren angetreten, ihren Mitgliedern einen preiswerten Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Was viele Leute nicht wissen: Knapp 50 davon haben eine Spareinrichtung und bieten Geldanlegern Zinsen, die deutlich über den Offerten der meisten regionalen und überregionalen Banken und Sparkassen liegen.

So bietet die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 ein zweijähriges Festgeld mit einem Zins von 2,70 Prozent an. Die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft zahlt auf dem Sparbuch 2,50 Prozent. Und der Bau- und Sparverein Hannover, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, bietet einen monatlichen Sparplan mit Spitzenzinsen vor allem bei längeren Laufzeiten an. Bei zwölf Jahren Laufzeit kommt man beim Jugendflexi-Sparen auf einen Spitzenzins von 3,61 Prozent. Junge Leute sind schon ab zehn Euro im Monat dabei.

Diese drei werben bundesweit um Kunden, die Mehrzahl jedoch ist immer noch nur vor Ort aktiv. Dass die Genossenschaften mehr zahlen als fast alle Banken, liegt ganz einfach daran, dass sie das eingesammelte Geld dazu verwenden, die von ihnen betreuten Immobilien zu renovieren oder neue Häuser zu bauen. Die aus Sicht der Sparer attraktiven Zinsen sind jedoch deutlich niedriger als das, was die Genossenschaften für Bankkredite aufwenden müssten. Also für beide Seiten ein lohnendes Geschäft. Eine Besonderheit gibt es jedoch. Gleich ob man eine günstige Wohnung mieten oder auch nur die Spareinrichtung mit ihren attraktiven Zinsen nutzen will, Grundvoraussetzung ist immer der Beitritt zur Genossenschaft. Der wiederum ist mit der Zahlung einer einmaligen Einlage verbunden, deren Höhe sehr unterschiedlich ist.

Vier Prozent Dividende

Nur 15,50 Euro nimmt die Chemnitzer Wohnungsbaugenossenschaft, wenn man bei ihr nur sparen will. Zwar verlangt der Solinger Spar- und Bauverein 1000 Euro. Doch das ist gerade aus Sicht von Geldanlegern interessant. Denn darauf hat die Genossenschaft zuletzt vier Prozent Dividende ausgeschüttet. Sogar sechs Prozent zahlte das Familienheim Mannheim auf die Einlage von 160 Euro. Und die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 zahlt jedem neuen Kunden 50 Euro auf die Einlage von 300 Euro, die dafür unverzinst bleibt. Wer sein Geld woanders anlegen will, kündigt die Mitgliedschaft und bekommt seine Einlage meist plus Dividende zurück. Im Falle einer Pleite würde der Selbsthilfefonds des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) einspringen.

Seit Gründung im Jahr 1974 war dies jedoch nicht notwendig. „Da die Genossenschaften das Geld der Anleger nur zur Finanzierung des eigenen Hausbestandes verwenden dürfen und der Wohnungsbestand als vorrangige Sicherheit für Anleger dient, sehe ich keine hohen Risiken”, sagt die Geschäftsführerin der GdW Ingeborg Esser. Zudem werden die Genossenschaften fortlaufend durch die Aufsichtsbehörde Bafin kontrolliert. Bei einer Minderheit gibt es jedoch im Insolvenzfall eine Nachschusspflicht in Höhe des eingezahlten Genossenschaftsbeitrags. Dies ist jedoch bisher noch nie vorgekommen.