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Aachen: Biallos Ratgeber: Eine Fleißarbeit, die sich lohnt

Aachen : Biallos Ratgeber: Eine Fleißarbeit, die sich lohnt

Der Termin für die private Steuererklärung rückt näher. Bis zum 31. Mai erwarten die Finanzämter die ausgefüllten Formulare. Für viele Steuerzahler lohnt sich die Fleißarbeit.

Durchschnittlich 1172 Euro Erstattung erzielte beispielsweise die Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. im Jahr 2011 für ihre Mitglieder. „Jeder Arbeitnehmer sollte unbedingt prüfen, ob die Erklärung sinnvoll ist”, rät Gudrun Steinbach von der Lohnsteuerhilfe.

Ist die Abgabe der Steuererklärung nicht fristgerecht möglich, kann man den Termin mit einem formlosen Antrag bis Ende des Jahres verschieben. Gründe dafür können Krankheit, Auslandsaufenthalt, familiäre Umstände oder Arbeitsüberlastung sein. Hilft der Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein, ist automatisch bis Silvester Zeit.

Wer die Steuererklärung selbst bearbeitet, kann die kostenlose Steuersoftware des Finanzamts unter http://www.elster.de nutzen.

Wer muss eine Erklärung abgeben? Verpflichtet sind alle Beschäftigten, die 2011 Lohnersatzleistungen, Elterngeld oder Nebeneinkünfte (zum Beispiel Renten, Mieten etc.) von über 410 Euro bezogen haben. Auch wenn ein Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen ist oder berufstätige, zusammenveranlagte Ehepartner nicht die Steuerklassenkombination IV/IV gewählt haben, ist die Erklärung zwingend. Das Gleiche gilt, wenn bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig Arbeitslohn bezogen wurde (Ausnahme: Minijobs). Nichtarbeitnehmer sind zur Abgabe verpflichtet, wenn ihre Einkünfte abzüglich Werbungskosten, Betriebsausgaben, Sparerfreibetrag etc. den Grundfreibetrag von 8004/16.008 Euro (Single/Ehepaar) übersteigen.

Jobkosten: Seit 2011 genießen Beschäftigte eine erhöhte Werbungskosten-Pauschale von 1000 Euro. Häufig ist aber mehr drin: Ab 15 Fahrtkilometer zur Arbeit übersteigt die Pendlerpauschale von 30 Cent/km den Freibetrag, dann lohnt die separate Auflistung. „Ein Urteil des Bundesfinanzhofs erlaubt jetzt auch Umwege, wenn diese verkehrsgünstiger sind als die Direktverbindung”, sagt Steinbach (Aktenzeichen: VI R 19/11). Arbeitsmittel wie Fachbücher oder Dienstcomputer zählen ebenso zum Jobaufwand wie das häusliche Arbeitszimmer, das pauschal mit 1250 Euro jährlich anerkannt wird, wenn sonst kein Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Bildet das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der Erwerbsarbeit, entfällt die Obergrenze. Bei beruflichem Umzug erlaubt ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH, VI R 2/11), die Zweitmiete solange steuerlich abzusetzen, bis die Familie nachgezogen ist.

Sozialbeiträge: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind seit 2010 voll absetzbar. Begünstigt sind alle Basis-Tarife in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung sowie der gesetzlichen Pflegeversicherung. Zusatzleistungen wie Chefarztbehandlung, Einzelzimmer oder Extra-Zahnschutz zählen nicht.

Was viele nicht wissen: Eltern können Krankenversicherungsbeiträge ihrer Kinder als Sonderausgabe eintragen - das gilt selbst dann, wenn Azubis die Beiträge selbst zahlen.

Altersvorsorge: Rürup-Sparer können für letztes Jahr 72 Prozent ihrer Zahlungen absetzen - höchstens jedoch 14.400 Euro. Ehepaare genießen den doppelten Bonus. Abhängig Beschäftigte machen ebenfalls 72 Prozent ihrer gesetzlichen Rentenbeiträge geltend. Das Finanzamt erkennt etwa 44 Prozent davon steuerlich an. Riester-Sparer lasten bis zu 2100 Euro als Sonderausgabe dem Finanzamt an. Ist die Steuererstattung höher als die erhaltenen Zulagen, schreibt der Fiskus die Differenz gut.

Kinder:Für jedes Kind bis 14 Jahre sind zwei Drittel der Betreuungskosten absetzbar, maximal 4000 Euro pro Jahr. Alleinerziehende beantragen in der „Anlage Kind” den Entlastungsbetrag von 1308 Euro. Die Steuerexpertin verweist auf ein weiteres Urteil des BFH: „Vollzeitstudenten können Fahrten zur Uni als Dienstreise absetzen. Damit sind 30 Cent pro Kilometer für Hin- und Rückweg anerkannt.”