Aachen: Biallos Ratgeber: Der Schuss geht nach hinten los

Aachen: Biallos Ratgeber: Der Schuss geht nach hinten los

Die laufenden monatlichen Kosten sind für junge Selbstständige oft eine enorme finanzielle Belastung. Wie verlockend ist es daher, wenigstens bei der Krankenversicherung sparen zu können. Einige private Krankenversicherungen (PKV) bieten günstige Policen für unter 200 Euro im Monat an.

Die freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) würde mindestens rund 300 Euro kosten.

Viele Kunden übersehen dabei jedoch, dass diese sogenannten Einsteigertarife enorme Leistungslücken aufweisen. Im Krankheitsfall geht der Schuss dann nach hinten los. Die Versicherten bleiben auf massiven Eigenanteilen sitzen. Zudem schließen sie bei Vertragsabschluss die Kostenexplosion in den kommenden Jahren gleich mit ab.

Was sind Einsteigertarife? „Einsteigertarife werden in der Regel von Berufseinsteigern abgeschlossen”, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer des unabhängigen Analysehauses Morgen & Morgen. Meist sind es junge Selbstständige. Die Tarife sind in der Regel mit einem hohen Selbstbehalt ausgestattet, sehen bei einem Krankenhausaufenthalt ein Mehrbettzimmer vor, verzichten auf die Chefarztbehandlung und erstatten rund 80 Prozent der Kosten bei Zahnbehandlungen, 60 Prozent bei Zahnersatz.

Vorsicht ist geboten bei offensiver Werbung im Internet für Billigpolicen wie „Top-Angebot für 59 Euro im Monat”. Diese Policen werden meist gar nicht von den privaten Krankenversicherern direkt angeboten, sondern von Vergleichsbörsen.

Im Kleingedruckten liest man dann, dass es sich bei dem Betrag nur um den Arbeitnehmeranteil handelt, so dass das Angebot für Selbstständige, an deren Beiträgen sich kein Arbeitgeber beteiligt, irreführend ist. Häufig sind diese Policen auch mit Selbstbehalten von bis zu 5000 Euro im Jahr ausgestattet und es fehlen noch mehr Leistungsbausteine als in den Einsteigertarifen!

Welche Leistungen fehlen? Um die Beiträge so niedrig zu halten, fehlen nämlich wichtige Leistungsbausteine: die Kostenübernahme für Inlays und Implantate beim Zahnarzt oder die Erstattung einer ambulanten Psychotherapie, Behandlungen durch Heilpraktiker, uneingeschränkte Leistungen für Hilfsmittel wie Rollstühle oder Prothesen und Heilmittel wie Krankengymnastik, Logopädie oder medizinische Massagen. Nicht alle Tarife streichen so rigoros am Leistungsumfang, viele aber doch. „Oft erhält man eine geringere Absicherung als die gesetzliche Krankenkasse bieten würde”, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Was kosten Policen? Ein 30 Jahre alter Mann kann mit einem Selbstbehalt von 600 Euro im Jahr schon für 140 Euro im Monat in die PKV einsteigen (Hanse Merkur) oder für 170 Euro bei einem Selbstbehalt von nur 100 Euro (Huk-Coburg). Frauen müssen schon 1000 Euro an Selbstbeteiligung tragen, wenn sie solche geringen Beiträge bezahlen wollen (Huk-Coburg oder Pax Familienfürsorge). Allerdings muss man davon ausgehen, dass die Kosten dieser Tarife im Laufe der Jahre explodieren. „Man kann von einer jährlichen Beitragssteigerung von fünf bis zehn Prozent ausgehen”, sagt Boss. Manchmal kann es auch drastischer werden: 40 bis 60 Prozent wären keine Überraschung.

Fazit: Ein umfassender Tarif in der PKV, der deutlich mehr leistet als die Gesetzliche, kostet für einen 30 Jahre alten Mann ab 400 Euro im Monat (Frau ab 500 Euro). Angebote für private Krankenversicherungen finden Sie unter www.biallo.de. Wer sich das nicht leisten kann - vor allem im Hinblick auf die Beitragssteigerungen -bleibt lieber in der GKV.

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