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Aachen: Biallos Ratgeber: Abkehr von der Einzelfallregelung

Aachen : Biallos Ratgeber: Abkehr von der Einzelfallregelung

Seit Jahresbeginn ist die Reisekostenreform in Kraft. „Bislang war das Reisekostenrecht von einer Vielzahl an Einzelfallregelungen und Einzelfallrechtsprechung geprägt“, sagt Nora Schmidt-Kesseler von der Bundessteuerberaterkammer.

„Die Reform hat einige Erleichterungen und Vereinfachungen geschaffen.“ In manchen Fällen haben Arbeitnehmer künftig mehr im Geldbeutel, anderswo werden sie dafür stärker belastet. Die wichtigsten Punkte:

Erste Tätigkeitsstätte: Wichtig ist dies besonders für diejenigen, die für ihren Arbeitgeber an mehreren Orten tätig sind. Seit 1. Januar spielt es keine Rolle mehr, wie viel Arbeitszeit ein Arbeitnehmer tatsächlich an einer bestimmten Arbeitsstätte verbringt. Stattdessen sollte der Arbeitgeber festlegen, welches die erste Tätigkeitsstätte sein soll — der Arbeitnehmer ist mit demjenigen Arbeitsplatz steuerlich am besten dran, der der Wohnung am nächsten liegt. Denn für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gilt zwar nur die Entfernungspauschale (0,30 Euro pro Entfernungskilometer), aber die Fahrten zu allen anderen Tätigkeitsstätten lassen sich als Dienstreise abrechnen — einschließlich Fahrtkosten (0,30 Euro pro tatsächlich gefahrenem Kilometer), Verpflegungspauschale und Übernachtungskosten.

„Arbeitnehmer sollten mit ihrem Arbeitgeber möglichst bald über die Zuordnung sprechen und eine steuerlich günstige Lösung suchen“, rät Bernhard Lauscher vom Lohnsteuerhilfeverein VLH. Entfällt die Zuordnung durch den Arbeitgeber, legt das Finanzamt bei der nächsten Steuererklärung anhand bestimmter Kriterien eine erste Tätigkeitsstätte fest — das kann steuerlich nachteilig sein. Mancher Arbeitnehmer kommt durch die Neuregelung schlechter weg: „Wer wie Monteure eine Einsatzwechseltätigkeit hat, konnte bislang die Fahrt von der Wohnung zur Firma als Dienstreise abrechnen. Jetzt gibt es dafür nur noch die Entfernungspauschale“, sagt Lauscher. „Auch Bus- und Lkw-Fahrer dürfen für die Fahrt zum Fahrzeugdepot nur noch die Entfernungskilometer ansetzen.“

Verpflegungspauschalen: Seit 1. Januar gibt’s bei eintägigen Dienstreisen im Inland zwölf Euro steuerfrei vom Arbeitgeber, wenn man mehr als acht Stunden unterwegs ist; zahlt der Arbeitgeber nichts, kann man diesen Betrag als Werbungskosten geltend machen. Bei 24 Stunden Abwesenheit sind es 24 Euro. Für jeden An- und Abreisetag können je zwölf Euro angerechnet werden. Das vereinfacht die Abrechnung und führt dazu, dass Arbeitnehmer in vielen Fällen höhere Pauschalen als bisher geltend machen können. Wermutstropfen: Wer auf Dienstreise von der Firma Mahlzeiten gestellt bekommt, kann die Verpflegungspauschalen nicht in voller Höhe ansetzen. Stattdessen muss er im Inland fürs Frühstück 4,80 Euro abziehen, für Mittag- und Abendessen je 9,60 Euro.

Übernachtungskosten: Die tatsächlichen Übernachtungskosten auf Dienstreise im Inland zählen weiter als Werbungskosten. Neu: Auf die Angemessenheit der Unterkunft kommt es nicht mehr an. Auch neu: Der Fiskus berücksichtigt Übernachtungskosten nur noch 48 Monate lang in unbegrenzter Höhe. Danach lassen sich maximal 1000 Euro pro Monat steuerlich absetzen. Bei Übernachtung im Ausland gelten die bisherigen Regeln weiter.

Doppelte Haushaltsführung. Wer aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung hat und steuerlich geltend macht, muss sich jetzt an den Kosten der Haushaltsführung am Hauptwohnsitz beteiligen. Es genügt nicht mehr, wenn der Arbeitnehmer zum Beispiel ein Zimmer im Haus seiner Eltern unentgeltlich bewohnt. Er muss mindestens zehn Prozent der monatlichen Kosten wie Miete, Nebenkosten oder Kosten für Lebensmittel zahlen und dies belegen. Außerdem begrenzt der Fiskus die absetzbaren Kosten für die Zweitwohnung auf 1000 Euro pro Monat.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers