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Aachen: Biallos Ratgeber: 451-Euro-Stelle kann vorteilhafter sein

Aachen : Biallos Ratgeber: 451-Euro-Stelle kann vorteilhafter sein

Minijobs sind in Deutschland sehr beliebt. Derzeit gibt es in Deutschland über sieben Millionen Minijobber, davon allein im gewerblichen Bereich rund 6,8 Millionen. Ab Januar 2013 können Minijobber monatlich bis zu 450 Euro steuerfrei verdienen. Das hat der Bundestag am 25. Oktober beschlossen. Was ändert sich für Jobber, Frührentner und Angehörige, die in der gesetzlichen Krankenversicherung beitragsfrei familienversichert sind?

Jobber: Die „Geringfügigkeitsgrenze” wird von 400 auf 450 Euro angehoben. Eine Lohnerhöhung ist damit nicht verbunden. Minijobber dürfen lediglich mehr verdienen, ohne dass für sie Steuern anfallen. Wer künftig 450 statt bisher 400 Euro erhalten will, wird dafür im Regelfall mehr arbeiten müssen. Neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ist nur ein einziger Neben-Minijob mit monatlich bis zu 450 Euro steuerfrei.

Rentenversicherungspflicht: Minijobber bleiben nach wie vor in der Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung versicherungsfrei. Anders als bisher werden sie allerdings künftig im Grundsatz rentenversicherungspflichtig. Dafür werden dann 3,9 Prozent ihrer Einkünfte an die Rentenversicherung abgeführt. Das sind bei einem vollen 450-Euro-Job monatlich 17,55 Euro und bei einem Job mit monatlichen Einkünften von 200 Euro 7,80 Euro im Monat. Dieser niedrige Eigenbeitrag wird zusätzlich zu den 15 Prozent gezahlt, die der Arbeitgeber aufbringen muss.

Die Jobber erwerben hierdurch Versicherungsschutz mit allen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung - einschließlich Reha-Maßnahmen, Erwerbsminderungsrenten und der Möglichkeit, Riester-Renten staatlich gefördert zu bekommen. Bei einem 450-Euro-Job während eines ganzen Jahres erhöht sich ihre spätere Rente nach heutigen Werten um rund 4,50 Euro. Diese Versicherungspflicht in der Rentenversicherung kann aber abgewählt werden, was im Regelfall jedoch nicht ratsam ist.

Bestehende Jobs: Für bestehende Minijob-Arbeitsverhältnisse bleibt in puncto Rentenversicherung zunächst alles beim Alten. Wer bereits einen Minijob ausübt, hat das Recht, sich ab Januar 2013 auch für die Rentenversicherungspflicht zu entscheiden.

Die neue Geringfügigkeitsgrenze hat auch Auswirkungen auf weitere Verdienstgrenzen: Die „Gleitzone” mit niedrigeren Sozialversicherungsbeiträgen für sogenannte „Midi-Jobs” wird ab 2013 bei monatlichen Einkünften zwischen 450,01 und 850 Euro liegen. Bisher liegt sie zwischen 400,01 und 800 Euro.

Zuverdienst für Frührentner: Wer ein vorzeitiges Altersruhegeld oder eine volle Erwerbsminderungsrente erhält, darf ab 2013 monatlich bis zu 450 Euro hinzuverdienen, ohne dass seine Rente gekürzt wird. Bisher waren 400 Euro Hinzuverdienst erlaubt.

Verdienst von Familienversicherten: Auch für die beitragsfreie Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen wird die neue 450-Euro-Grenze gelten, allerdings genau wie bisher ausdrücklich nur für die Ehepartner und Kinder von Kassenmitgliedern, die eine geringfügige Beschäftigung ausüben. Für andere Einkünfte von Familienversicherten, wie etwa Mieteinnahmen und Zinsen, liegt die Einkommensgrenze ab 2013 bei 385 Euro.

Bafög: Studenten und Schüler, die Bafög-Leistungen beziehen, dürfen nach wie vor in einem Ausbildungsjahr im Schnitt höchstens 400 Euro im Monat hinzuverdienen. Andernfalls wird die staatliche Ausbildungsförderung gekürzt.

451-Euro-Job: Billiger für Arbeitgeber und ratsam für viele Jobber ist es, eine Tätigkeit mit Einkünften über 450 Euro aufzunehmen. Dann werden zwar Beiträge zu alle Sozialversicherungszweigen fällig, dafür sind die Beschäftigten dann aber selbst krankenversichert und haben Anspruch auf das volle Mutterschafts- und Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung. Und wenn nötig, erhalten sie überdies Arbeitslosengeld.

Eltern: Zudem gibt es eine wenig bekannte Leistung der deutschen Rentenversicherung für erziehende Elternteile mit Kindern ab drei Jahren (bis diese zehn Jahre alt werden). Rentenversicherungspflichtige Beschäftigungszeiten mit niedrigen Einkünften werden um 50 Prozent aufgewertet. Bei Minijobs greift diese 50-Prozent-Regelung immer.

Ein rentenversicherungspflichtiger 450-Euro-Minijob wird also bei der späteren Rente so behandelt, als handle es sich um einen 675-Euro-Job. Ein 300-Euro-Job wird auf einen 450-Euro-Job aufgewertet. Voraussetzung hierfür ist, dass die Mütter /Väter 25 Jahre mit rentenrechtlichen Zeiten vorweisen können. Da hierzu Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr eines Kindes gehören, ist diese Hürde zu bewältigen.