Hamburg: Bewerbungsfoto wird gerade in kleineren Firmen oft noch erwartet

Hamburg: Bewerbungsfoto wird gerade in kleineren Firmen oft noch erwartet

Auch wenn die ersten Firmen anonymisierte Bewerbungen testen - derzeit verzichten Jobsuchende standardmäßig lieber nicht etwa auf einen Lebenslauf mit Foto.

In kleinen oder mittelständischen Unternehmen führe ein fehlendes Bild in einer Bewerbung schnell zu Irritationen, sagte die Karriereberaterin Svenja Hofert aus Hamburg. Denn dort gelte ein Foto des Jobsuchenden im Lebenslauf oft noch als Standard.

Etwas anderes gelte jedoch für Bewerbungen in Großkonzernen. Dort sei es mittlerweile oft sogar erwünscht, dass Jobsuchende ihren Lebenslauf ohne Foto schicken. „Die Frage, ob Bewerber ihrem Lebenslauf ein Foto beifügen, sollten sie von der Größe des Unternehmens abhängig machen”, rät Hofert daher.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat am Dienstag die Ergebnisse eines Pilotprojekts zu anonymen Bewerbungen vorgestellt. Danach erhöht sich die Wahrscheinlichkeit etwa für Frauen und Migranten, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, wenn die Bewerbung anonym ist. Im Rahmen des Projekts hatten acht Arbeitgeber eineinhalb Jahre lang in Bewerbungen etwa auf Fotos und Angaben wie Alter, Geschlecht und Nationalität verzichtet. Insgesamt wurden rund 8500 Bewerbungen untersucht.

Während Hofert beim Weglassen des Fotos zur Vorsicht rät, sei beim Thema Familienstand der Ratschlag jedoch eindeutig: „Die Angabe des Familienstands würde ich immer weglassen. Das ist privat und geht keinen Arbeitgeber etwas an”, so Hofert. Außerdem würden Mütter, die ein oder mehrere kleine Kinder haben, oft benachteiligt. Ehrlichkeit zahle sich in diesem Punkt für Bewerber in der Regel überhaupt nicht aus. Außerdem sei es inzwischen Standard, den Familienstand in Bewerbungen wegzulassen. Kaum ein Personaler runzele über diese fehlende Angabe noch die Stirn.

Hofert empfiehlt auch, das Geburtsdatum wegzulassen. Gerade ältere Jobsuchende würden wegen ihres höheren Alters oft gar nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Anders als ein fehlendes Foto falle ein fehlendes Geburtsdatum nicht so schnell auf.

Weglassen dürften Bewerber zudem die Angabe der Nationalität. Sie gehöre standardmäßig nicht mehr zu den Angaben im Lebenslauf. Eine Ausnahme macht Hofert hier jedoch für Migranten: „Wer etwa einen türkischen oder russischen Nachnamen hat, sollte es unbedingt hineinschreiben, wenn er die deutsche Staatsangehörigkeit hat.” Denn das könnte unter Umständen wiederum ein Vorteil sein.