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Besondere Stromtarife: Worauf Verbraucher achten sollten

Besondere Tarife : Strom: Worauf Verbraucher achten sollten

Der Strom kommt aus der Steckdose. Hand aufs Herz: Die meisten Verbraucher haben sich noch keine ernsthaften Gedanken über die Hintergründe von Stromtarifen und ihrer Besonderheiten gemacht. Entweder ist der Strom teuer oder günstig? In manchen Situationen ist es jedoch wichtig, sich mit einem Tarif genauer auseinanderzusetzen.

So würde wohl kaum jemand einen alten Nachtspeicherofen mit einem gewöhnlichen Stromtarif kombinieren.

Nachtstrom

Historisch betrachtet stammt der Nachtstrom aus einer vergangenen Zeit. Früher, als sich das Leben und der eigentliche Stromverbrauch noch tagsüber abspielten, musste die Auslastung der Kraftwerke in den Nachtstunden gewahrt bleiben. Somit wurde der Nachtstrom erfunden, der natürlich nichts damit zu tun hat, dass er nur nachts gewonnen wird. Der Begriff bezeichnet praktisch einen eigenen Tarifanteil, der damals Menschen dazu ermuntern sollte, in der Nacht Strom zu verbrauchen:

  • Beginn des Nachtstroms - er war speziell in den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts vertreten. Anbieter schalteten ungefähr zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens auf den Nachtstromteil des Tarifs um und morgens wieder zurück. Während des Nachtstroms war der Strom deutlich günstiger.
  • Nutzung - zur gleichen Zeit wurden die Nachtstromspeicheröfen, kurz Nachtspeicher, gefördert. Für sie war der Nachtstromtarif natürlich genial, denn die Öfen werden über Nacht - nun zu günstigeren Konditionen - aufgeladen.
Besondere Stromtarife - viele Anbieter haben spezielle Tarife im Portfolio. Foto: Severin Demchuk / Unsplash.com

Als die Diskussion und das letztendliche Verbot von Nachtspeicheröfen ab 2020 (das Verbot wurde wieder aufgehoben) aufkam, ging die Zahl der Nachtstromtarife zurück. Das hat sich mittlerweile jedoch aus mehreren Gründen geändert:

  • Neue Stromheizungen - das Verbot von Nachtspeicheröfen wurde mitunter aufgehoben, weil die heutigen Modelle nichts mehr mit den klobigen, mit Schamottsteinen und Asbest befüllten Klötzen aus damaligen Wohnzimmern gemein haben. Die heutige Generation arbeitet effizient, umweltschonend und kann natürlich auch mit Nachtstrom eines Ökostromanbieters betrieben werden.
  • E-Mobilität - einige Stromanbieter bieten unter anderem wieder Nachtstromtarife für Haushalte mit eigener Ladestation an. Für E-Autos ist der Nachtstrom natürlich sinnvoll, immerhin werden sie vornehmlich in der Nacht aufgeladen.

Voraussetzung für diese Tarife ist, dass ein neuer, beziehungsweise ein zweiter Stromzähler installiert wird. Je nach Tages- oder Nachtzeit ist ein Zähler aktiv, während der andere abgeschaltet wird.

Heizstrom

Was unterscheidet Heizstrom vom Nachtstrom? Nun, je nach Tarif gar nichts, obwohl Heizstrom meist mit anderen Heizvarianten in Verbindung steht:

  • Wärmepumpe - nicht jedes Haus steht so perfekt, dass sich eine Solaranlage auf dem Dach rentiert. Doch muss die Wärmepumpe dauerhaft mit Strom versorgt werden, damit sie ihre Arbeit verrichten kann. Heizstromtarife sind eben auf diesen Verbrauch ausgelegt. Teilweise zeichnen sie sich durch eine sehr geringe Kilowattstundenzahl aus, die bestens auf Wärmepumpen abgestimmt ist.
  • Elektroheizungen - während der Nachtspeicher in der Nacht lädt und untertags unaufhörlich die Wärme abgibt, gibt es auch Elektroheizungen, die ebenso wie jeder andere Heizkörper funktionieren: Wird der Regler betätigt, zieht die Heizung Strom, heizt sich auf und wärmt, bis die gewünschte Temperatur erreicht ist. Auch Infrarotheizungen zählen zu den Elektroheizungen. Für diese Modelle ist Heizstrom natürlich ideal.

Heizstrom ist günstiger als gewöhnlicher Strom, da er unterschiedlich besteuert wird. Er kann mit einem Nachtstromtarif kombiniert werden und auch mit einem gewöhnlichen Alltagsstromtarif. Auch für den Heizstrom sind Zähler mit zwei Messstellen beziehungsweise zwei Stromzähler notwendig.

Weitere Besonderheiten

Gibt es noch weitere Besonderheiten auf dem Strommarkt? Sicherlich zählen auch die echten Ökostromtarife zu den Besonderheiten. Aber was sind das?

  • Nachhaltige Gewinnung - echter Ökostrom stammt tatsächlich aus erneuerbaren Energien. Bei der Wahl eines Ökostromtarifs sollten sich Verbraucher den Anbieter immer genau anschauen, denn das Prädikat »Ökostrom« ist nicht wirklich definiert. Es gab Ökostromtarife, die so hießen, weil der Anbieter in nachhaltige Projekte investiert hat, den Strom aber aus dem Atom- oder Kohlekraftwerk bezog.
  • Investitionen - geprüfte Ökostromanbieter gewinnen nicht nur Energie aus erneuerbaren Quellen, sie investieren auch in nachhaltige Projekte und Erweiterungen. Dazu zählt mitunter, dass Anlagen nur eine begrenzte Zeit genutzt werden dürfen, bis sie erneuert werden.

Der Bezug von Ökostrom bedeutet jedoch nur, dass Ökostrom in das Stromnetz eingespeist wird. Aus der Steckdose kommt schlichtweg Strom.

Eine weitere Besonderheit sind Tarife ohne eine Grundgebühr. Verbraucher zahlen, abgesehen von einer Bereitstellungsgebühr, nur den Strom, den sie verbrauchen. Je nach Verbrauch ist dies jährlich oder per Abrechnung nach einer Nutzungseinheit. Ein Überblick:

  • Kosten - die Kilowattstunde ist deutlich teurer als bei anderen Tarifen. Jedoch sinkt der Preis mit dem Verbrauch. Vielverbraucher, beispielsweise Großfamilien, können durchaus mit einem solchen Tarif sparen. Für Singles ist der Tarif eher selten geeignet.
  • Eignung - neben denjenigen, die einen hohen Stromverbrauch haben, bieten sich die Tarife für einen Zweitwohnsitz an. Campingplätze, Wochenendhäuser oder die typische Gartenlaube sind ideale Beispiele. Da gewöhnliche Tarife oft eine Mindestabnahmemenge haben, zahlen Besitzer dieser Wohnsitze oft für Strom, den sie gar nicht verbrauchen.

Ob sich ein Tarif ohne Grundgebühr lohnt, muss jeder selbst ausrechnen und in einem Vergleich mit üblichen Tarifen herausfinden.

Die letzte Besonderheit hängt mit der Mobilität zusammen: E-Mobilitätstarife. Sie werden nicht nur als Nachtstromtarif angeboten, sondern vermehrt als eigenständiger Tarif. Praktisch ist dabei, dass, wenn der Anbieter passend gewählt wird, auch unterwegs zum Heimtarif getankt werden kann. Dies funktioniert natürlich nur, wenn der Stromanbieter in der Region auch öffentliche Ladestationen unterhält. Oft gibt es das Angebot nur von den örtlichen Stadtwerken oder dem Hauptversorger der Stadt.

Gut informieren und vergleichen

Die Besonderheiten einzelner Stromtarife können enorm helfen, um Geld zu sparen. Allerdings müssen sich Verbraucher vorab gut informieren und die Kosten durchrechnen. Gerade bei den Nachtstromtarifen ist es beispielsweise so, dass sie nicht von jedem Anbieter angeboten werden - die Vergleichsmöglichkeiten fallen somit geringer aus. Dafür wird Nacht- und Heizstrom durchaus auf Ökostrombasis geboten. Grundsätzlich gilt jedoch in jeder Situation, dass Stromtarife verglichen und auf ihre Inhalte und Bedingungen hin geprüft werden sollten, bevor der Vertrag unterschrieben wird.

(vo)