Berlin: Auch Ehrenamtliche brauchen Versicherungen

Berlin: Auch Ehrenamtliche brauchen Versicherungen

Es kann schnell passieren: Man stolpert auf dem Weg zum Büro und verstaucht sich den Fuß oder schüttet aus Versehen Kaffee über den Firmencomputer.

Bei Arbeitnehmern springen in diesen Fällen verschiedene Versicherungen ein. Aber was ist, wenn man ehrenamtlich arbeitet, also gar nicht angestellt ist? „Es ist wichtig, vor der Aufnahme eines Ehrenamtes mit der Trägerorganisationen über den Versicherungsschutz zu sprechen”, sagt der Jurist Burkhard Küstermann vom Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin. Denn nicht immer sind ehrenamtliche Mitarbeiter geschützt.

Bei dem verstauchten Fuß etwa greift in vielen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung. Versichert sind beispielsweise Freiwillige in der Alten- und Krankenpflege, bei Rettungsdiensten oder in Kirchengemeinden. Auch wer für seine Kommune ehrenamtliche Aufgaben übernimmt, etwa einen Maibaum aufstellt, ist gesetzlich versichert.

Als ehrenamtliches Engagement gelten Aufgaben, die unentgeltlich und freiwillig übernommen werden. Das bedeutet: Man darf keinen Lohn bekommen, Aufwandsentschädigungen sind aber möglich.

Hat jemand beispielsweise für das Kirchenfest Kuchen gebacken und schneidet sich beim Verkauf in den Finger, so werden die Arztkosten von der Unfallversicherung übernommen. Ist die Verletzung schlimmer und fällt der Kranke bei seiner regulären Arbeit aus, zahlt die Unfallversicherung Verletztengeld. Das Verletztengeld beträgt 80 Prozent des zuletzt erzielten Arbeitsentgeltes, erläutert das Bundesarbeitsministerium (BMAS) in einer Broschüre zur Unfallversicherung im Ehrenamt.

Stürzt der Gerätewart eines Vereins beim Aufstellen der Sportgeräte so schwer, dass er danach - mindestens zum Teil - erwerbsunfähig wird, zahlt die Unfallversicherung Rente. Voraussetzung ist, dass die Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 Prozent dauerhaft gemindert ist. Die Höhe der Rente richtet sich der BMAS-Broschüre zufolge nach dem Grad der Schädigung und dem bisherigen Jahresverdienst.

Nicht versichert sind in den meisten Fällen Vorstände und andere Amtsinhaber von Vereinen oder gemeinnützigen Organisationen. „Diese Personengruppe kann sich freiwillig in der gesetzlichen Unfallversicherung versichern lassen”, sagt Küstermann, der einen Rechtsratgeber zum Ehrenamt geschrieben hat.

Der Preis hierfür ist gering: Knapp drei Euro im Jahr kostet der Schutz zum Beispiel im Rahmen der Verwaltungsberufsgenossenschaft. Verfügt der ehrenamtlich Tätige über eine private Unfallversicherung, sollte er prüfen, ob diese bei Unfällen zahlt, die im Zusammenhang mit der freiwilligen Tätigkeit auftreten.

Doch nicht nur Personen können zu Schaden kommen, auch Sachen gehen während des Ehrenamtes manchmal kaputt. „Wenn ich private Gegenstände bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit gebrauche und sie gehen kaputt, wird es kompliziert”, sagt Eckhard Otte, Leiter der Abteilung Ehrenamt im Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin. „Ich habe eigentlich nur einen Anspruch auf Ersatz, wenn der Verein unbedingt will, dass ich den Gegenstand nutze.”

Liest beispielsweise ein Lesepate Kindern Bücher vor, und ein Zuhörer reißt ihm seine Brille von der Nase und macht sie kaputt, haftet die Organisation, die den Lesepaten beschäftigt. Geht dagegen bei einem Rettungseinsatz das Handy eines freiwilligen Feuerwehrmannes kaputt, ist die Haftungsfrage schwieriger. „Ich sage immer: Lasst Euer Handy zu Hause”, erklärt Otte. Denn nur, wenn der Rettungsdienst dem Freiwilligen aufgetragen hat, sein privates Handy zu nutzen, kann er haftbar gemacht werden.

Ist die Haftungsfrage geklärt, zahlt die Haftpflichtversicherung des Vereins. Aber auch hier gilt: „Man sollte vorher mit der Trägerorganisation darüber sprechen, welche Versicherungen es gibt, was versichert ist und was nicht”, sagt Janina Krüger von der Ehrenamt Agentur Essen, die Ehrenamtliche berät und vermittelt. So sei die Haftpflichtversicherung zwar eigentlich ein „Muss” für den Verein, gesetzliche Pflicht ist sie aber nicht.

Wichtig ist für viele Freiwillige auch zu wissen, was mit Schäden ist, die sie anderen Personen oder Gegenständen zufügen. Was passiert zum Beispiel, wenn der ehrenamtliche Kassenwart eines Vereins Kaffee über den Vereinscomputer schüttet? Hier kommt es auf die Versicherungspolicen und den Einzelfall an. Teilweise übernehmen die privaten Haftpflichtversicherungen der Freiwilligen solche Schäden. Ansonsten kann die Haftpflichtversicherung der Trägerorganisation einspringen. Eine allgemeingültige Regel gibt es nicht.

Ähnlich verhält es sich mit dem Einsatz des eigenen Autos. Wird es für die ehrenamtliche Tätigkeit genutzt und passiert ein Unfall, kann zwar die eigene Haftpflichtversicherung zahlen. Mitunter wird der Freiwillige dann aber in seiner Prämie hochgestuft und erleidet einen finanziellen Schaden.

„Man kann sich dagegen versichern lassen, nicht hochgestuft zu werden”, sagt Krüger. Möglicherweise übernehme der Verein die Zusatzkosten. Eckhard Otte vom DRK kennt Vereine, die die privaten PKW ihrer Helfer tageweise Vollkasko versichern. Der Freiwillige muss dann bei einem Unfall gar nichts selbst zahlen.