Biallos Ratgeber: Andere Krankenkasse, andere Leistungen

Biallos Ratgeber : Andere Krankenkasse, andere Leistungen

Es ist längst nicht mehr egal, bei welcher Krankenkasse man versichert ist. Denn es gibt deutliche Unterschiede bei den Leistungen und beim Beitrag. Versicherte können wechseln und ihren Gesundheitsschutz optimieren.

Kennen Sie das? Eine Bekannte erzählt von der Osteopathiebehandlung, deren Kosten von ihrer Krankenkasse teilweise erstattet werden, der Nachbar von der günstigen professionellen Zahnreinigung  – alles Leistungen, für die Sie selbst in vollem Umfang aufkommen müssen. Warum zahlt die eine Kasse mehr als die andere?

Kassenwechsel: „Ein Krankenkassenwechsel ist nicht so populär“, sagt Julika Unger, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Dabei ist ein Kassenwechsel nicht aufwändiger als ein Wechsel der Kfz-Versicherung. Voraussetzung ist eine 18-monatige Mitgliedschaft bei der bisherigen Krankenkasse. Erhöht die Kasse den Zusatzbeitrag, gilt ein Sonderkündigungsrecht auch ohne die Mindestmitgliedschaftsdauer. Hat man einen Wahltarif abgeschlossen, können jedoch Bindungsfristen zwischen einem und drei Jahren gelten. „Gesundheitszustand und Alter spielen keine Rolle. Jedes Mitglied darf sich bei der Kasse seiner Wahl versichern“, sagt Unger.

Zusatzbeitrag: Ein Kassenwechsel kann eine Beitragsreduzierung bewirken. Fast alle Kassen erheben zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent einen individuellen Zusatzbeitrag, der sich ebenfalls am Bruttoeinkommen bemisst. Im Durchschnitt liegt er bei 0,9 Prozent, einige Kassen liegen deutlich darunter (hkk: 0,39 Prozent), andere deutlich darüber (DAK: 1,5 Prozent). Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3000 Euro bringt ein Wechsel von der DAK zur hkk eine Beitragsersparnis von rund 200 Euro im Jahr.

Zusatzleistungen: Neben dem Beitrag spielen auch die freiwilligen Zusatzleistungen einer Kasse bei einem Wechsel eine Rolle. Sie machen zwar nur etwa fünf Prozent aus – rund 95 Prozent der Kassenleistungen sind gesetzlich vorgegeben –, können aber im Einzelfall ebenso eine Kostenersparnis bewirken oder eine umfangreichere medizinische Versorgung. „Große Kassen bieten nicht zwingend bessere Zusatzleistungen an, auch bei kleinen Kassen kann man Überraschungen erleben“, sagt Unger. Besonders populär sind Zusatzleistungen im Bereich Zahnbehandlungen, alternative Heilmethoden, Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen.

Angebot: Ein Zuschuss von 40 Euro zu einer Osteopathiebehandlung, ein Zuschuss zur Zahnreinigung von 50 Euro, eine Haushaltshilfe im Krankheitsfall, auch wenn die Kinder schon älter als zwölf Jahre sind, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Schwangere, kostenlose Reiseimpfungen – das sind klassische Zusatzleistungen. Die Palette ist groß, „jeder muss abklopfen, was zu ihm passt“, rät Unger. Leider ist das Angebot nicht sehr transparent und kaum vergleichbar. Versicherte können sich auf Vergleichsportalen im Internet orientieren.

Gut zu wissen: „Die Kassen können Zusatzleistungen je nach Finanzlage jederzeit wieder aus dem Programm streichen“, betont Unger. Teilweise können Versicherte die Leistungen nur dann in Anspruch nehmen, wenn sie auch an Bonusprogrammen oder speziellen Wahltarifen teilnehmen. Manche Kassen gewähren die Zusatzleistungen auch im Rahmen eines Gesundheitskontos oder -budgets. Dann steht Versicherten eine bestimmte Summe im Jahr zur Verfügung – etwa zwischen 180 und 250 Euro –, die sie in diverse Zusatzleistungen investieren können.

Service: Auch die Servicequalität einer Kasse spielt eine Rolle. „Wer viele Krankheitskosten zur Erstattung einzureichen hat, weiß, wie wertvoll ein guter Sachbearbeiter ist“, sagt Unger. Gerade wenn man chronisch krank ist, ist eine gute Betreuung essentiell. Auch Serviceangebote wie eine Ärztehotline oder eine Vermittlung von Facharztterminen können hilfreich sein.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.