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Wie Sie und Ihr Kind sicher Whatsapp und Co. nutzen

Datenschutz bei Messengern : Wie Sie und Ihr Kind sicher Whatsapp und Co. nutzen

Chatten, Calls, Fotos und Videos teilen: Das sind gleich drei Wünsche auf einmal - Messenger erfüllen sie alle, auch für Gruppen. Das erklärt ihren Erfolg. Was Sie im Umgang mit WhatsApp und Co. beachten müssen, zeigt dieser Überblick.

Bei Messengern handelt sich wohl um die erfolgreichsten Apps schlechthin. Für viele junge Menschen sind Whatsapp und Co. im Alltag unverzichtbar - für den Austausch mit Freundinnen und Freunden, zur Organisation von Gruppen wie der Schulklasse und zum Versenden von Fotos und Videos.

Doch wie sieht es mit der Sicherheit der Programme aus?

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele Menschen nutzen Messenger - und warum?

Aufschluss darüber gibt die Onlinestudie 2021 von ARD und ZDF:

  • 71 Prozent aller 14-Jährigen und älter hierzulande nutzten so eine Anwendung täglich zur Kommunikation.
  • Am häufigsten genutzt wurden demnach Whatsapp (81 Prozent), Telegram (8), Signal (6) und Threema (3).
Jugendliche sollten sich über den Datenschutz ihres Messenger informieren.
Jugendliche sollten sich über den Datenschutz ihres Messenger informieren.

Kommunikation ist auch der zentrale Aspekt bei der Internetnutzung von Kindern, zeigt die KIM-Studie 2020 (Kinder, Internet, Medien):

  • Das Verschicken von Whatsapp-Nachrichten zählte zu den häufigsten Internet-Tätigkeiten der Kids im Alter von 6 bis 13 Jahren.
  • Mehr als die Hälfte der Kinder, die das Internet nutzten, verwendete Whatsapp täglich und hatte eine Whatsapp-Gruppe für die Schulklasse (jeweils 53 Prozent).

Noch deutlicher das Bild bei den Jugendlichen (12 bis 19 Jahre), wie wiederum die JIM-Studie 2021 (Jugend, Internet, Medien) zeigt.

  • 85 Prozent hatten eine Whatsapp-Gruppe mit ihrer Schulklasse. 85 Prozent nutzten Whatsapp täglich. Und 92 Prozent mindestens mehrmals in der Woche.
  • Freunde wurden zudem recht häufig über Snapchat (24 Prozent) sowie Instagram (21) kontaktiert, also über die Messenger-Funktionen dieser sozialen Netzwerke.
  • Zudem spielten bei Jugendlichen Discord (15 Prozent), Telegram (8), Skype (6), Signal (6) und Threema (4) eine deutliche Kommunikationsrolle.

KIM- und JIM-Studie sind Langzeitumfragen des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest.

Wie wichtig sind Sicherheit und Datenschutz?

Auch danach wurde für die JIM-Studie gefragt:

  • Knapp die Hälfte der Jugendlichen gab an, sich mit ihren Daten bei Whatsapp sicher zu fühlen (49 Prozent), jeder und jede Fünfte (20 Prozent) sogar sehr sicher.
  • Vergleichbar schnitten bei der gefühlten Sicherheit Instagram (55 und 13 Prozent) sowie Snapchat (57 und 11 Prozent) ab.

Diese Einschätzungen stehen im Kontrast zu den mitunter sehr persönlichen Informationen, die in Form von Fotos, Videos oder Texten geteilt werden - gerade in sozialen Netzwerken, aber etwa auch in Messenger-Gruppen.

Dies geschehe teils ohne Bewusstsein dafür, wie viele Informationen über die eigene Person in Posts und Profilen stecken, so die Autorinnen der JIM-Studie.

Das Problem: Es geht um Informationen, aus denen sich sehr leicht individuelle Bewegungsprofile erstellen lassen. Doch nur etwa ein Drittel der befragten Jugendlichen stuft sich selbst als „eher sensibel“ für Datenschutzfragen ein - und hat Sicherheitsbedenken.

Fazit der JIM-Studie: Das Thema Datenschutz scheint bei Jugendlichen oftmals nicht präsent zu sein.

Welche Punkte beim Datenschutz sind kritisch?

Die Initiative „Schau hin!“ erklärt, wo es in puncto Jugend- und Datenschutz bei manchem Messenger kritisch werden kann:

  • Unverschlüsselte Kommunikation: Auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Einzel- und Gruppenchats achten.
  • Zugriffsrechte der App: Nach Installation überlegen, ob Rechte wie der Zugriff auf den eigenen Standort oder die Kamera nicht vielleicht wieder entzogen werden.
  • Offen zugängliche Messenger-Profilinformationen: Ein Profil im Messenger am besten ohne persönliche Infos einrichten - nur mit einem Spitznamen, der keinen Rückschluss auf den richtigen Namen zulässt. Und nur mit einem Foto, worauf man nicht wirklich zu erkennen ist.
  • Statusinfo und Lesebestätigungen: Wann war man zuletzt online? Hat man eine Nachricht schon gelesen? Das sind Informationen, die Kontrolle ermöglichen und Stress auslösen können. Deshalb solche Features - wenn möglich - in den Einstellungen ausschalten.

Welche Gefahren entstehen durch Messenger-Gruppen?

Die sehr populären Gruppen können Risiken bergen, abseits von Fake-Gewinnspielen oder Abofallen-Spam, die dort geteilt werden:

1. Annäherungsversuche von Erwachsenen

„Die Jugendlichen sind da sehr, sehr offensiv“, sagt Kristin Langer, Mediencoach bei „Schau hin!“. „Wenn ich etwa auf einer Ferienfreizeit bin als 13-Jähriger oder 13-Jährige, dann habe ich auch von allen, die da waren, die Telefonnummern.“

In einer Gruppe sind dann vielleicht 60 Personen. Das wird schnell unübersichtlich. Sind vielleicht fremde Erwachsene darunter, die sich an Minderjährige heranmachen wollen?

Da muss man der Medienpädagogin zufolge schon vorsichtig sein und überlegen: „Welche Kontakte kenne ich überhaupt? Wem kann ich vertrauen?“

Der Verein Internet-ABC nennt noch weitere Gefahren:

2. Gruppendruck

Durch Messenger-Gruppen kann die Angst, vielleicht etwas nicht mitzubekommen oder nicht gleich reagieren zu können.

Was tun? Auszeiten vereinbaren, insbesondere abends und nachts.

3. Einschüchternde Kettenbriefe mit Falschnachrichten oder Drohungen

Messenger-Gruppen bieten Raum für Beleidigungen und Mobbingattacken.
Messenger-Gruppen bieten Raum für Beleidigungen und Mobbingattacken.

Was tun? Löschen und Absender-Nummer gegebenenfalls blockieren.

4. Beleidigungen, Übergriffe und Mobbingattacken

Was tun? Screenshots als Beweise für Elterngespräche oder sogar eine mögliche Anzeige aufnehmen.

Tipp: Egal, ob es um Datenschutz, ungeeignete Inhalte oder riskante App-Einstellungen geht - gut ist, wenn es jemanden gibt, der die Gefahren vermittelt, am besten aus eigener Erfahrung.

„Das kann der ältere Cousin oder eine ältere Mitschülerin sein, bei denen man einfach mal gucken kann, was die dazu so eingestellt haben“, erklärt Langer. Der Vorteil: Solche Tipps nehmen Kinder und Jugendliche sehr schnell an.

Welchen Messenger sollte ich benutzen?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Wie bei allen Apps muss man sich laut Langer auch bei Messengern fragen:

  • Was passiert mit meinen Daten?
  • Wer nutzt und verwertet sie?

Schritt 1: Antworten geben im besten Fall die Datenschutzerklärungen der Messenger. Sicher ist das aber nicht. Und in aller Regel ist die Lektüre mühsam.

Deshalb können Nutzerinnen und Nutzer auf Tests oder Vergleiche zurückgreifen: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat beispielsweise den Datenschutz von acht Messengern unter die Lupge genommen.

Schritt 2: Bestehen Bedenken, muss die Familie gemeinsam entscheiden, wie wichtig ihr Datenschutz ist. Das ist eine Grundsatzfrage: „Wenn die Familie erklärtermaßen einen anderen Messenger hat als die Freunde, dann ist das überhaupt kein Problem“, sagt Langer. „Kinder leben gut mit Unterschiedlichkeiten.“

Und wenn es bei älteren Kindern doch ein Problem wird, könnten sie einfach zwei Messenger parallel nutzen, sagt die Expertin.

Schritt 3: Die Thematik sollte auch in der Schule diskutiert werden: „Es lohnt sich immer, auch von Elternseite, in der Klassengemeinschaft zu sagen, lasst uns doch bitte versuchen, einen sicheren Messenger für den Austausch zu nehmen.“

Sind spezielle Kinder-Messenger eine Alternative?

Eher nicht, so die Einschätzung der EU-Initiative Klicksafe.de. Denn bei solchen Angeboten können Eltern fast alles kontrollieren. Doch auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre.

Außerdem hätten Kinder-Messenger meist ein Reichweitenproblem: Ein kaum verbreiteter Messenger, mit dem man Freunde und Verwandte nicht erreicht, ist natürlich völlig unattraktiv.

Eltern müssten die Eigenständigkeit ihrer Kinder im Blick behalten. Die EU-Initiative ist der Auffassung, dass Jugendliche selbstständig und verantwortungsvoll online kommunizieren können und die wichtigsten Verhaltens- und Sicherheitsregeln kennen. Die Überwachung der Kommunikation sollte nicht mehr notwendig sein.

Was muss ein sicherer Messenger leisten?

Hier wird es ein weniger komplizierter. Man muss zwischen Nachrichtendaten und Metadaten unterscheiden.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sichere den Inhalt der zu übertragenden Nachrichtendaten mit Text, Bildern oder Videos - sie schütze aber nicht die Metadaten, erklärt Prof. Melanie Volkamer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

„Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist ein wichtiger Baustein, aber nur ein Teil der Sicherheit eines Messengers“, sagt die IT-Sicherheitsexpertin, die am KIT die Forschungsgruppe Security Usability Society (SECUSO) leitet.

Entscheidend sind nämlich vor allem die Metadaten. Das sind die Informationen darüber, wer mit wem wann wie oft in welchen Gruppen kommuniziert. Auch die Telefonnummer, ein zugehöriges Online-Konto oder etwa das Profilfoto können Teil dieser Daten sein.

Der Schutz der Inhalte von Nachrichten innerhalb des Messengers ist nur ein Teil davon, auch die Metadaten sollen sicher sein.
Der Schutz der Inhalte von Nachrichten innerhalb des Messengers ist nur ein Teil davon, auch die Metadaten sollen sicher sein.

Profile aus Metadaten

„Die Metadaten sind für Firmen viel interessanter als der Inhalt der Nachrichten“, sagt Christopher Beckmann, der das Privacy Friendly Apps Lab der SECUSO-Forschungsgruppe betreut. Aus den Metadaten ließen sich detaillierte Profile ableiten, die dann etwa für Werbung oder Empfehlungsalgorithmen eingesetzt werden.

Bei der Messenger-Wahl gilt deshalb neben der obligatorischen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: „Die Metadaten sollten soweit möglich geschützt werden“, sagt Beckmann.

Welche Messenger sind sicher - und welche eher nicht?

Die Initiative „Schau hin!“ empfiehlt besonders sichere Messenger:

  • Signal
  • Threema
  • Wire

Bei allen drei Messengern seien Nachrichten nicht von Dritten einsehbar. Dritte könnten keine Schlüsse aus dem Nutzungsverhalten ziehen. Nachrichten und andere Inhalte würden durch Verschlüsselung geschützt. Der Umgang mit Metadaten sei sparsam und sensibel.

Zwei beliebte Messenger werden dagegen kritisch gesehen:

  • Whatsapp: Trotz Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stuft „Schau hin“ das Programm als unsicher ein. „Die App sammelt besonders viele Metadaten und nutzt sie für kommerzielle Zwecke“, heißt es.
  • Telegram: Auch dieser Messenger fällt bei der Initiative als unsicher durch. Die Begründung: „Standardmäßig ist in der App keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingestellt, in Gruppenchats ist diese sichere Form der Verschlüsselung gar nicht möglich.“

Backups besser verschlüsselt

Verschlüsselung ist auch gefragt, wenn Sicherungen der Chats angelegt werden sollen. Werden Backups auf den Anbieter-Servern mit einem nur dem Nutzer bekannten Passwort verschlüsselt gespeichert, sei alles in Ordnung, sagt Jens Heider vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt.

„Gibt es diese Möglichkeit nicht, ist es gar nicht so trivial abzuwägen zwischen der Vertraulichkeit der Kommunikation und der Verfügbarkeit der Daten“, sagt der Experte.

Das Entsperrmuster ist oft zu leicht zu erraten oder anhand des Schmierfilms auf dem Display abzulesen.
Das Entsperrmuster ist oft zu leicht zu erraten oder anhand des Schmierfilms auf dem Display abzulesen.

Extra-Tipp für noch mehr Schutz: Was in Sachen Zugriffsschutz fürs ganze Smartphone gilt, ist auch für die Messenger-App empfehlenswert: Die meisten Messenger lassen sich über die Bildschirmsperre des Betriebssystems noch einmal separat verriegeln.

Dazu empfiehlt Heider ein längeres, nicht leicht zu erratendes Passwort in Kombination mit dem Fingerabdruck.

Abschied vom Muster

Von Mustern ist eher abzuraten. Dabei muss man mit dem Finger in einer bestimmten Folge über den Bildschirm wischen, um diesen oder eine bestimmte App quasi zu entriegeln.

„Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, dass Menschen gar nicht kreativ genug sind, um sich ganz tolle, sichere Muster auszudenken“, sagt Sicherheitsforscher Heider. „Die Bequemlichkeit ist meistens der Gegner, keiner macht ein Muster mit 50 Zügen.“ Die gewählten Muster seien oft entweder leicht zu erraten oder ließen sich anhand des verräterischen Fingerfett-Schmierfilms auf dem Display ablesen.

© dpa-infocom, dpa:220624-99-782243/46

(dpa)