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Freiburg/Wiesbaden: Wenn Männer Teenager lieben

Freiburg/Wiesbaden : Wenn Männer Teenager lieben

Ein älterer Mann nimmt sich eine viel jüngere Frau - das zählt zu den Klassikern in Liebesbeziehungen. Was aber geht in Männern vor, die sich in pubertierende Minderjährige verlieben und sich damit strafbar machen?

Und was bringt Teenager dazu, ihr Leben in die Hand eines älteren Mannes zu legen, wie es offenbar die 13-jährige Maria aus Freiburg getan hat? Sie ist nun seit drei Wochen mit einem 40 Jahre älteren Mann auf der Flucht, den sie zuvor über das Internet kennengelernt hatte.

Für den Direktor der Kriminologische Zentralstelle in Wiesbaden, Rudolf Egg, leben die beiden eine Fantasie aus, die viele Menschen haben, aber aus gutem Grund nicht umsetzen. „Ich denke, dass sich 10 bis 15 Prozent der Männer von Jugendlichen angezogen fühlen, die noch halb Mädchen und schon halb Frau sind.” Aber die meisten Männer beließen es bei der Fantasie, sei es aus moralischen Gründen oder aus Furcht vor Strafe und gesellschaftlicher Ächtung. Letztere hat der Landesvorsitzende der CDU in Schleswig-Holstein, Christian von Boetticher, erfahren, als er 2011 seine Liebe zu einer 16-Jährigen gestand und zurücktrat.

Das Verhalten von Maria findet Egg ebenfalls nicht ungewöhnlich. „Die Schwärmerei von Mädchen etwa für ihre Lehrer oder den Pfarrer sind ja bekannt”. Die Erwachsenen repräsentierten das, was sie selbst noch nicht haben: Reife und Selbstbewusstsein. Meist fallen solche Schwärmereien nicht auf fruchtbaren Boden und erlöschen schnell.

Es muss einiges zusammenkommen, damit ein solch ungleiches Paar entsteht. Das Internet spielt dabei für Egg nicht die entscheidende Rolle. „Es bietet nur eine Möglichkeit mehr, um in Kontakt zu kommen.” Auf herkömmlichen Weg wäre Maria wohl kaum auf den Mann aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen gestoßen. Sie hatte sich mehrfach mit ihm getroffen - zuletzt auch gegen den Willen ihrer Eltern, die davon erfahren hatten.

Für die Kriminalistin Rita Steffes-enn vom Zentrum für Kriminologie und Polizeiforschung in Kaisersesch ist das Internet „eine gute Plattform, um anonym zu bleiben. Das Paar kann sich näher kennenlernen, ohne sich mit dem störenden Umfeld, etwa den Eltern, auseinandersetzen zu müssen.” Im richtigen Leben falle ein Mann dagegen schnell auf, wenn er sich mit einer Jugendlichen treffe.

Zudem sind Mädchen schnell bereit, im Internet ihre Gefühle offenzulegen. Das lässt sich vielfach nachlesen. So berichtet ein Teenager unter dem Pseudonym „untilyoucomeback” über eine Erfahrung als 14-Jährige: „Ich hab mich in ihn verliebt, obwohl ich ihn in echt noch nie gesehen hatte, und über das chatten ist es auch nie hinausgegangen. Doch dann kam er immer seltener online. Es hat mich fertig gemacht, ich wurde abhängig von meinem Computer.”

Dass solche Mädchen für die Annäherungsversuche eines älteren Mannes offen sind, steht für Steffes-enn außer Frage. „Pubertierende sind in einem Moment ganz erwachsen und dann wieder wie kleine Kinder. Wenn ein Erwachsener auf all das eingeht, dann tut das unheimlich gut.” Besonders empfänglich seien emotional vernachlässigte Jugendliche. „Aber anfällig sind sicher auch Mädchen, die aus ganz normalen Elternhäusern kommen. Da muss nichts schiefgelaufen sein.”

Bei den betreffenden Männern sieht Egg, der in solchen Fällen als Gutachter gehört wird, eine gewisse Unreife. „Oft sagen sie selbst, dass sie noch wie Kinder sind.” Ein Motiv sei auch, dass sie die Frauen beschützen wollten, was sie in gleichberechtigten Partnerschaften kaum ausleben können. An dieser Frage würden solche Beziehungen auch später oft scheitern. „Wenn die Mädchen erwachsen werden, sehen sie das Ungleichgewicht und beenden das Ganze.”

Die Männer, die wegen ihrer Liebe zu Minderjährigen meist ins Gefängnis müssen, zeigten sich oft wenig einsichtig. „Viele von ihnen schämen sich nicht, „weil das Mädchen doch schon so erwachsen war””, sagt Egg. „Diese Männer haben ihre eigene Version der Geschichte, in der nicht sie, sondern die Gesetze das Problem sind.”

(dpa)