1. Leben
  2. Familie

Berlin: Wenn der Nachwuchs erreichbar wird: Handys und Tablets für Kinder

Berlin : Wenn der Nachwuchs erreichbar wird: Handys und Tablets für Kinder

Wie im Flug haben Smartphones die Welt von Kindern und Jugendlichen erobert. 92 Prozent der 10- bis 18-Jährigen besitzen heute ein eigenes Mobiltelefon. 80 Prozent davon sind Smartphones, hat der IT-Verband Bitkom ermittelt. Vor vier Jahren hatten zwar schon genauso viele Kinder und Jugendliche ein eigenes Handy. Smartphones aber waren damals noch kaum darunter.

Eines Tages ist es soweit - der Nachwuchs will ein Smartphone haben. Damit die Kinder nicht in die Kostenfalle tappen und ihre Daten nicht unverhofft im Netz preisgeben, können Eltern einiges tun. Aber Vorsicht: Zu viel Kontrolle kann auch schaden.

Heute sind die kleinen Alleskönner richtig wichtig. Vor allem, um Kurzmitteilungen zu versenden. Kein Wunder also, dass Eltern den Stoßseufzer „Hilfe, mein Kind will ein Smartphone” zum Himmel schicken. So hat die Initiative „Schau hin, was dein Kind mit Medien macht” einen Ratgeber betitelt. Demnach ist ein einfaches Handy ab einem Alter von neun Jahren vertretbar, ein Smartphone ab einem Alter von zwölf Jahren. „Dann sind Kinder schon vertraut mit den Funktionen von Handy und Internet. Das heißt, sie kennen einige Surfregeln und können abschätzen, welche Kosten mit so einem Gerät verbunden sind”, sagt Kristin Langer, Mediencoach bei „Schau Hin”. Für jüngere Kinder dagegen sei das Thema Geld noch zu abstrakt.

Neben der technischen Handhabung sollten Eltern zunächst erklären, dass etwa beim Spielen Zusatzkosten durch Käufe innerhalb einer App entstehen können. Das ist wichtig, weil das Spielen zu den drei am häufigsten genutzten Smartphone-Funktionen gehört. Zum richtigen Umgang mit dem neuen Telefon gehöre auch, Rücksicht auf andere zu nehmen, wenn das Kind unterwegs Musik hört oder Gespräche führt.

Eltern sollten zusammen mit ihrem Nachwuchs das Gerät so einstellen, dass das Kind sich selbst und seine Daten schützen kann. Dafür gibt es ein paar einfache Sicherheitseinstellungen. Diese finden sich in den Menüpunkten wie „Datenschutz” oder „Sicherheit”. „Bei jüngeren Kindern sollte man den Internetzugang des Smartphones blockieren, bis sie sich sicher bewegen”, rät Kristin Langer. Im nächsten Schritt könne man eine feste Startseite einrichten, beispielsweise fragfinn.de oder meine-startseite.de. „So kann man den Surfraum sicher machen”, sagt sie. Der Download von Apps sollte zumindest am Anfang Sache der Eltern sein.

Der Telefontarif sollte in Relation zum Familienbudget und zum Taschengeld stehen. Irgendwann einmal muss das Kind die Kosten ja selbst tragen. Beginnen könne man mit einer Guthabenkarte. „Wenn Kinder dann selbst nachforschen und eine günstigere Möglichkeit finden, kann man im Familienrat überlegen, ob man den Tarif wechselt”, sagt Langer. Damit das Kind ein Bewusstsein für die Handykosten entwickelt, sollte es sich an den Ausgaben beteiligen.

Für die Nutzungsdauer empfiehlt sie feste Regeln, damit das Handy nicht lebensbestimmend wird. „Eltern können ihrem Kind vermitteln und vorleben, dass man nicht immer erreichbar sein muss. Eine Stunde pro Tag sind für Smartphone-Einsteiger genug”, sagt Langer. Nachts sollte das Handy ausgeschaltet sein und weggelegt werden.

Es ist sogar möglich, das Smartphone mit sogenannten Tracking-Apps für die Überwachung des Nachwuchses zu nutzen. „Eltern können damit etwas für die eigenen Nerven tun und überprüfen, ob ihr Kind von der Schule oder vom Sport nach Hause gekommen ist”, sagt Jennifer Buchholz, Redakteurin bein Fachmagazin „Teltarif”. Über die Tracking-App könne das Kind den Eltern auch von sich aus seinen Standort zukommen lassen. Allerdings ist das keine Sicherheitsgarantie. „Der Akku muss geladen und das Handy eingeschaltet sein. Und wenn das Kind das Handy nicht dabei hat, nützt die App gar nichts”, gibt Buchholz zu bedenken.

Ein Problem ist auch, dass das Kind keine Freiräume mehr erleben kann und die Vertrauensbildung zwischen Eltern und Kindern gestört werden könnte. „Auf keinen Fall sollten Eltern ihrem Kind ein Handy mit einer Ortungs-App schenken, ohne zu verraten, dass sie installiert ist”, sagt Jennifer Buchholz. Eltern sollten dem Kind vielmehr deutlich machen, dass sie die Ortung nur im Notfall benutzen werden. Ab dem 18. Geburtstag ist eine Ortung tabu. „Laut Telekommunikationsgesetz ist sie dann nur noch mit Zustimmung gestattet”, sagt Buchholz.

Wer seinem Kind zum Schulanfang eine Freude machen will, kann auch den Kauf eines Tablets in Erwägung ziehen. „Sie sind in den Augen der Kinder eher ein Spielzeug, mit dem man Spaß haben kann. Aber auch zum Lernen sind sie gut geeignet, beispielsweise wegen der Lern-Apps für Mathe oder zum Lesen”, sagt Kristin Langer. Aus medienpädagogischer Sicht sei es nicht so wichtig, auf welchem Gerät man sich die Inhalte ansieht. Positiver Nebeneffekt: „Ein Tablet kann manche Kinder aber stark motivieren, es kann also eine gute Ergänzung sein.”

(dpa)