1. Leben
  2. Familie

Berlin: Vorratshaltung mit System: Gut gerüstet für Notfälle und Gäste

Berlin : Vorratshaltung mit System: Gut gerüstet für Notfälle und Gäste

Was früher eine Selbstverständlichkeit war, gerät heute in manch einem Haushalt in Vergessenheit: die Vorratshaltung. Sie kostet zwar Platz und verlangt ein wenig Planung, spart jedoch genauso Zeit wie Geld und ist in Notsituationen mehr als hilfreich. Im Idealfall werden die Lebensmittelvorräte so angelegt, dass sich daraus Mahlzeiten für mehrere Tage bestreiten lassen.

Dann ist es kein Problem, wenn mal überraschend Gäste kommen oder ein Einkauf unvorhergesehen ausfallen muss.

Für die meisten lagerfähigen Lebensmittel ist ein Keller der perfekte Aufbewahrungsort. Wer keinen geeigneten hat, muss auf die Wohnung ausweichen. „Der ideale Platz zur Lagerung von trockenen Vorräten wie Nudeln, Mehl und Salz ist ein kühler, trockener, nach Norden ausgerichteter, nicht zu heller Raum - so wie früher Omas Schlafzimmer”, erklärt Ina Bockholt von der Stiftung Warentest in Berlin.

Wie viel Platz dort für die Vorratshaltung zur Verfügung stehen soll, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Anzahl der Esser spielt dabei genauso eine Rolle wie die Einkaufsgewohnheiten. „Wer einen eigenen Garten mit Obst und Gemüse hat, benötigt mehr Platz zum Beispiel für Eingemachtes”, sagt Hildegard Schuster vom Fortbildungswerk des Landfrauenverbandes Hessen in Friedrichsdorf.

Für die eigene Ernte ist ein Tiefkühlschrank oder eine Gefriertruhe auf jeden Fall eine Überlegung wert. Das gilt auch für Haushalte, in denen sich die Gäste die Klinke in die Hand geben. Oder wenn regelmäßig umfangreich gekocht und ein Teil der Mahlzeiten für späteren Verzehr portionsweise aufbewahrt wird.

Bei der Zusammenstellung des Sortiments ist Vielfalt Trumpf. „Eine gute Basis sind Trockenlebensmittel wie Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Mehl, Zucker, Salz und eventuell Haferflocken”, sagt Schuster. Auch abgepacktes Vollkornbrot und Zwieback seien sinnvoll. Kaffee und Tee, H-Milch und H-Sahne, Marmelade und Honig, Brühe für eine Suppe, Öl und Essig gehören ebenfalls zur Grundausstattung.

„Vielseitig einsetzbar sind Dosentomaten, aber auch Mais und Erbsen sowie Gurken und Sauerkraut aus dem Glas”, ergänzt Bockholt. „Wenn man außerdem auch ein paar Delikatessen wie getrocknete Tomaten, Oliven, Sardellen, Artischocken oder Kapern lagert, ist man für überraschende Gäste gewappnet.” Mit Hilfe von Gefriergut lässt sich das Spektrum um Fleisch, Butter und Käse, Obst und Backwaren erweitern.

Mit Einkaufen und Einlagern ist es jedoch nicht getan. Lebensmittelvorräte müssen regelmäßig kontrolliert werden - auf möglichen Schädlingsbefall, Haltbarkeit und Lücken im Bestand. Ein guter Zeitpunkt dafür ist jeweils vor dem Großeinkauf. Bei der Schädlingskontrolle gilt der erste Blick dem Trockenlager: Dörrobstmotten und Mehlkäfer machen vor keiner Verpackung halt.

Finden sich Schädlingsspuren wie Kot oder Hautschuppen, müssen die befallenen Produkte umgehend entsorgt werden. Im Trockenlager ist außerdem Hygiene oberstes Gebot. Alle paar Wochen sollte man die Regale oder Schränke vorbeugend mit Essigwasser auswischen.

Die Haltbarkeit ist bei den einzelnen Produkten sehr unterschiedlich. „Konserven in Dosen und Gläsern sowie Trockenprodukte halten jahrelang”, sagt Bockholt. „Das gilt allerdings nicht für Vollkornvarianten: Das Korn enthält Fett und kann schon nach etwa sechs Monaten ranzig werden.” Auch Gefriergut ist nicht unbegrenzt haltbar.

„Alle Lebensmitteln, die nicht industriell verpackt und damit mit einem Haltbarkeitsdatum versehen sind, müssen vor dem Einfrieren gut sichtbar beschriftet werden”, sagt Paula Weinberger-Miller von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Vor allem mit Hackfleisch oder fettem Fleisch sollte man sehr vorsichtig sein und es nach spätestens zwei beziehungsweise vier Monaten verzehren.

Den besten Überblick über die Bestände und ihre Haltbarkeit haben Verbraucher mit einer ständig aktualisierten Vorratsliste. Aber auch mit einem einmal etablierten, ausgeklügelten Ordnungssystem lassen sich die Vorräte beherrschen. „Wenn man die Lebensmittel nicht in einem engen Regal stapelt, sondern mit ausreichend Platz nach ihrem Verwendungszweck geordnet in einen Schrank oder ein Regal räumt, erleichtert das die Übersicht”, empfiehlt Weinberger-Miller.

Vorteilhaft sind ausziehbare Schrankschübe. Im Regal lässt sich die Höhe der Zwischenböden so anpassen, dass eine Draufsicht auf die hinteren Produkte möglich ist. Großzügige Platzeinteilung sichert nebenbei auch die Belüftung und beugt damit Schädlingsbefall vor.

In einem gut sortierten Lager sind Lücken sofort erkennbar. Wer viel Platz hat, greift gerne mal bei Sonderangeboten zu. „Übertreiben sollte man es damit jedoch nicht”, warnt Schuster. Die Gefahr gerade für kleine Haushalte sei, dass sie sich durch den Preis verlocken lassen und mehr kaufen, als sie in absehbarer Zeit verbrauchen können. Nach dem Einkauf werden die ältesten Lebensmittel am besten nach vorne gerückt, so dass sie als Nächstes verbraucht werden, raten die Expertinnen. Die neu erworbenen Produkte kommen nach hinten.

(dpa)