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Veränderung durch COVID 19: Verändert sich unser Leben langfristig durch die Krise?

Veränderung durch COVID 19 : Verändert sich unser Leben langfristig durch die Krise?

Das in Wuhan entstandene COVID 19 entwickelte sich verhältnismäßig schnell zu einer globalen Pandemie. Während naturgemäß die umliegenden Länder wie Korea, Taiwan und natürlich China selbst zuerst betroffen waren, kletterten auch in Europa die Zahl der Betroffenen rasch nach oben. Was für unser Gesundheitssystem eine Herausforderung darstellen kann, hat sich besonders wirtschaftlich als sehr schädigend erwiesen.

Die Frage ist jedoch auf allen Ebenen, wie die Zeit nach dem Virus und den Ausgangsbeschränkungen aussehen wird. Kommen wir rasch wieder zum vorherigen Zustand zurück oder wird sich unsere Sichtweise langfristig verändern?

Der öffentliche Raum in der Großstadt

Besonders in deutschen Metropolen spielte sich viel Leben im öffentlichen Raum ab. Die Fußgängerzonen, Parks und U-Bahnen sind heute fast leer. Heute ist unsere Wahrnehmung bei Fahrten in der U-Bahn und den öffentlichen Verkehrsmitteln eine andere, als noch vor wenigen Monaten. Während man sich vor wenigen Monaten noch gerne Flyer in der Fußgängerzone in die Hand drücken hat, verneint man heute lieber und geht weiter. Vor wenigen Monaten machten Straßenmusiker in den Metropolen Deutschlands Stimmung und Menschen sammelten sich vor ihnen. Heute herrscht ein Gefühl des Unbehagens und der Angst, wenn man in der Öffentlichkeit Menschen nicht großräumig ausweichen kann.

Das ist heute auch absolut berechtigt. Doch das Gefühl der Unsicherheit wird auch dann noch vorhanden sein, wenn das öffentliche Leben sonst floriert, der Virus aber trotzdem in manchen Teilen der Welt immer wieder kleine Wellen der Infektion verursacht. Deshalb scheint es wahrscheinlich, dass sich die Unbeschwertheit des Flanieren im öffentlichen Raum in Städten Deutschlands auch in den nächsten Jahren nicht wieder einstellen wird. Unabhängig davon, ob es dafür rationale Gründe geben wird oder nicht.

Tourismus: Weniger Nachfrage auch 2021 und später?

Es hat nicht die Schwächsten der Schwachen weltweit getroffen, sondern primär wirtschaftlich aufstrebende Länder. Das ist natürlich China, aber auch Südkorea, Taiwan und Japan. Sie alle sind länger vom Covid 19-Virus betroffen als wir. Gerade Japaner und Chinesen besuchen Europa Jahr für Jahr und sorgen für wachsende Umsätze in der Hotellerie. Alleine im ersten Halbjahr 2019 besuchten drei Millionen Chinesen unseren Kontinent.

Mit dem Virus brachen die Ankünfte asiatischer Touristen in Österreich und Deutschland rapide ein. Doch auch nach der Zeit der Pandemie ist nicht klar, ob die Besucherzahlen wieder auf vorherige Levels anwachsen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind auch in China stark und werden trotz starker staatlicher Intervention nicht sofort ausgeglichen werden können.

Zudem ist auch die Frage, wie sehr der Vertrauensverlust in die Regierung im Gedächtnis der Bürger ist. Ist das nächste Virus vielleicht bereits ausgebrochen und wird von der Regierung verheimlicht? Covid 19 hat offensichtliche Schwächen offenbart, die trotz Wirtschaftswachstum und „Made in China 2020“-Plan nicht ignoriert werden können.

Verschuldung als Lebensstil: War der Virus für Viele ein Wink mit dem Zaunpfahl?

Ein durchschnittlicher Schuldner in Deutschland steht mit ungefähr zwei Jahresgehältern in der Kreide. Dabei sind die Differenzen teilweise sehr gravierend. Im Rheinland stehen Schuldner im Schnitt mit 37.518 Euro in der Kreide. Dem stehen durchschnittlich nur ein Monatseinkommen von 1.073 Euro gegenüber. Gerade die Corona-Krise muss für viele Menschen, die privat sehr häufig verschuldet sind, als ein Warnschuss gelten.

Denn wer konstant Kreditkartenschulden hat, über seine Verhältnisse lebt und keine Rücklagen hat, kann Krisenzeiten schwer ohne externe Hilfe überbrücken. Die durch das Virus ausgelöste Rezession kann dazu führen, dass viele Menschen ihren Lebensstil einschränken und mit dem Aufbau von Rücklagen beginnen, zum Beispiel durch Anlagen in Gold, Silber oder Fonds. Das könnte unsere Wirtschaft beeinflussen, weil unser täglicher Konsum zu einem großen Teil von Menschen abhängt, die wenig bis kein Geld zur Seite legen.

Digitalisierung im Zeitalter von Covid 19

In vielen Teilen Europas, auch in Österreich und Deutschland, hinkt die Digitalisierung des Arbeitslebens noch hinterher. So könnten beispielsweise viele Prozesse auch online von zuhause erledigt werden, Besichtigungen könnten digital angeboten werden und Verkaufsprozesse können im Netz abgewickelt werden.

Durch das Virus wurden viele Prozesse zwangsweise vom Homeoffice aus erledigt und damit praktisch auch modernisiert. Das betrifft auch viele Branchen, die vermutlich ohne die Krise in den nächsten Jahrzehnten bestimmte Strukturen nicht überdacht hätten. Zum Beispiel Möbelhäuser. Wäre es noch vor wenigen Jahren denkbar gewesen, dass man sich via Skype oder anderen Videokonferenz-Softwares einen Rundgang in einem gehobenen Möbelhaus erlauben kann? Heute ist das zur Realität geworden. Zwar werden sicherlich nicht alle kurzfristigen Maßnahmen in der Arbeitswelt übernommen werden.

Manche Möglichkeiten, die heute geschaffen und erprobt wurden, werden jedoch bleiben und zu einer Veränderung unserer Arbeits- und Wirtschaftsleben sorgen. Das kann Nachteile für Arbeitnehmer haben. Zum Beispiel dann, wenn es um die Einteilung von Bereitschaften geht, die vorherige, voll bezahlte Arbeitsstunden im Büro ersetzen. Andererseits sind auch die Vorteile für Arbeiter und Angestellte ohne Zweifel vorhanden. Mehr Freiheit, Autonomie und Eigenverantwortung sind die Resultate einer vorübergehenden sozialen Isolation im Arbeitsleben. Insgesamt ist es so durchaus möglich, dass die meisten Menschen im Berufsleben langfristig sogar profitieren.

Gesundheitssysteme in Europa: Stehen sie vor einem Neuanfang?

Das Virus COVID 19 hat auch jene Schwachstellen aufgezeigt, die schon zuvor für jene deutlich sichtbar waren, die mit beiden Augen hingesehen haben. Das betrifft etwa das Gesundheitssystem in Spanien, welches mit der Situation ganz offensichtlich überfordert war. In Spanien starben bis heute offiziell 20.000 Menschen durch den Virus, nur in Italien sind es mehr. Dabei mangelte es teilweise an allem. Zu wenige Betten, zu wenig Intensivbetten und Schutzausrüstungen für Ärzte und Krankenschwestern führten dazu, dass vermutlich mehr Menschen infizierten wurden, als notwendig gewesen wäre.

Spanien steht hier nicht alleine da, auch Italien und Großbritannien haben massive Probleme, Viruserkrankte angemessen zu behandeln und dabei alle gesundheitlichen Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen. Alleine in Italien starben 60 Krankenhausangestellte durch das Virus und seine Folgen.

Es ist zu hoffen, dass sich die Gesundheitssysteme in Europa für die nächsten Katastrophen oder Krisen besser wappnen. Das kann nicht nur die Bereitstellung eines höheren Budgets sein. Sondern auch, dass alte Überzeugungen und eine teilweise überhöhte Selbsteinschätzung hinterfragt wird. Insgesamt geht es nämlich nicht nur darum, dass quantitativ mehr Doktoren und Angestellte für die Herausforderungen der nächsten 10 Jahre in Kombination mit einer zunehmend alternden Gesellschaft erreicht werden. Sondern auch darum, teilweise veraltete und nicht effiziente Systeme im Gesundheitswesen der europäischen Staaten zu verbessern und neu zu entwickeln.

(rd)