Köln: Suchtexperte: Alkoholabstinenz von Jugendlichen unrealistisch

Köln: Suchtexperte: Alkoholabstinenz von Jugendlichen unrealistisch

Eltern sollten ihren Kindern keinen völligen Verzicht auf Alkohol predigen. „Eine vollständige Abstinenz ist unrealistisch”, sagte der Leiter des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung in Köln, Michael Klein.

„Stattdessen sollte in der Familie eine Alkoholerziehung stattfinden”, empfahl der Suchtexperte. Eltern sollen ihren Kindern die Wirkungsweise von Alkohol erklären und ihnen einen kontrollierten Umgang mit Alkohol beibringen. Allgemein sollte jungen Menschen Lebenskompetenz vermittelt werde. Das heiße: mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit Altersgenossen, mehr Zivilcourage, um auch Nein sagen zu können, sowie die Fähigkeit, Stress ohne Alkohol zu bewältigen.

Gleichzeitig forderte Klein vom Gesetzgeber, das Alter, in dem Alkohol gekauft werden darf, von 16 auf 18 Jahre heraufzusetzen. In Deutschland sei diese Altersgrenze deutlich niedriger als anderswo. Auch der Preis von Alkoholika sei in Deutschland im internationalen Vergleich relativ niedrig und sollte nach Kleins Ansicht erhöht werden: „Die Bepreisung ist eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen der Prävention”, sagte er.

In Deutschland wurden im Jahr 2008 mehr als 25.000 Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt. Das entspricht einem Anstieg von 170 Prozent seit dem Jahr 2003, wie aus dem Jahrbuch Sucht 2010 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm hervorgeht.

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