Berlin: Streit über Babyklappen nach Empfehlung des Ethikrates

Berlin: Streit über Babyklappen nach Empfehlung des Ethikrates

Die Forderung des Deutschen Ethikrates nach Abschaffung der sogenannten Babyklappen stößt auf politischen Widerstand. Die Empfehlung des Rates sei „lebensfern”, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.

Jedes durch eine solche anonyme Geburt gerettete Kind sei ein Argument gegen die Entscheidung des Ethikrates. Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. Das Recht des Kindes auf sein Leben stehe „über allem anderen”, sagte die Grünen-Politikerin.

Der Ethikrat hatte am Donnerstag empfohlen, Babyklappen aufzugeben. Diese Form der anonymen Kindesabgabe sei ethisch und rechtlich sehr problematisch. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Petra Sitte, nannte die Empfehlung „mutig”. „Es wird unterschätzt, welche Bedeutung es für das Heranwachsen eines Kindes hat, Kenntnis über seine Herkunft zu haben”, argumentierte sie.

Nach Ansicht der stellvertretenden CSU-Generalsekretärin Dorothea Bär muss zunächst geklärt werden, ob Babyklappen überhaupt dazu beitrügen, Kindstötungen zu verhindern. Dazu wolle die Union eine Studie des Familienministeriums abwarten, die derzeit erstellt wird.

Die Koalition werde auf jeden Fall in dieser Legislaturperiode ein Gesetz zur vertraulichen Geburt vorliegen, das es Müttern ermögliche, Kinder unter ärztlicher Begleitung anonym zu gebären.

Die persönlichen Daten der Mutter sollten dann „für mehrere Jahre” bei einer nichtstaatlichen Stelle hinterlegt werden, so dass die Kinder später ihre Eltern kennenlernen könnten.