Köln: Späte Eltern: Sicher und gelassen durch Erfahrung

Köln: Späte Eltern: Sicher und gelassen durch Erfahrung

Wenn ein Mittfünfziger in der Buddelkiste Sandkuchen backt, wird er heute kaum noch als Opa angesprochen. Spätes Kinderglück liegt im Trend, das belegen auch die Daten des Statistischen Bundesamtes.

Mütter waren bei der Geburt ihrer ehelich geborenen Kinder 2009 im Schnitt 31,42 Jahren alt. Im Jahr 2000 waren sie über ein Jahr jünger. Auch der Anteil der Mütter über 35 Jahre steigt: Nach 15,85 Prozent im Jahr 2000 hat er sich auf 30,4 Prozent im Jahr 2009 nahezu verdoppelt.

Ältere Eltern sind durch ein Kind ganz anders gefordert als jüngere, etwa in körperlicher Hinsicht. Das Wissen darum kombiniert mit Lebenserfahrung sind die wichtigsten Helfer auf dem Weg zur späten Elternschaft.

Eine verbindliche Definition von „späten Eltern” gibt es nicht. Der Sprachgebrauch orientiert sich an medizinischen Vorgaben: „Bei älteren Schwangeren treten bestimmte Fehlbildungen des Embryos häufiger auf als bei jüngeren”, erklärt Eckhard Schroll von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Daher musste geregelt werden, ab welchem Alter die Krankenkasse die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen übernimmt: „Hier hat man sich für das Alter 35 entschieden.” Das wird aktuell von mehr als jeder vierten Mutter überschritten.

Das Alter der Väter wird in der amtlichen Statistik nicht erfasst. „Unsere Erkenntnis ist, dass die Väter zum Zeitpunkt der Geburt durchschnittlich zweieinhalb Jahre älter sind als die Mütter. Dieser Abstand entspricht dem Altersabstand zum Zeitpunkt der Eheschließung”, erläutert Harald Rost vom Staatsinstitut für Familienforschung in Bamberg. Männer wie Anthony Quinn, die mit über 80 Vater werden, seien die absoluten Ausnahmen.

Die Ursachen für die spätere Familiengründung sind vielfältig. „Unsere Forschungen haben ergeben, dass viele Mütter nicht von vornherein planen, den Kinderwunsch auf einen späten Termin zu verschieben, sondern als idealen Zeitpunkt das Alter 30 angeben”, berichtet Mandy Boehnke von der Bremen International Graduate School of Social Sciences. „Meist ergibt sich dann einfach erst ein später Zeitpunkt - durch lange Ausbildungszeiten oder berufliche Entwicklungen, sowie den fehlenden richtigen Partner.”

Je weiter der Kinderwunsch verschoben wird, umso geringer werden die Chancen, schnell und unproblematisch schwanger zu werden. Zwischen Wunsch und Realisierung kann ein langer Zeitraum liegen. Das Wissen um die begrenzte Zeit und das erhöhte Risiko von Fehlbildungen oder Fehlgeburt sorgen für inneren Druck und Unsicherheit, auch während einer Schwangerschaft.

Ob diese jedoch für ältere Frauen eine höhere körperliche Belastung ist als für jüngere, darüber gibt es widersprüchliche Erkenntnisse: „Interviews haben gezeigt, dass ältere Mütter Schwangerschaft und Geburt intensiver erleben, aber auch mehr mit physischen Problemen während der Schwangerschaft oder später mit fehlendem Schlaf belastet sind”, sagt Soziologin Boehnke. BZgA-Experte Schroll kann das nicht bestätigen: „Tatsächlich klagen ältere Schwangere über weniger Beschwerden als Jüngere.”

Er sieht den Grund für das Wohlbefinden in der größeren Lebenserfahrung und daraus resultierender Sicherheit und Gelassenheit. „Ältere Frauen sind in ihrem Frausein und in ihrer Partnerschaft gefestigter. Sie verfügen über eine Ausbildung und einen Beruf, befinden sich in gleichmäßigen Bahnen und nicht in einer Umbruchsituation. Und die allermeisten von ihnen haben sich bewusst für ein Kind zum jetzigen Zeitpunkt entschieden.”

Auch wenn das Kind da ist, liegt eine große Stärke von älteren Paaren in ihren Erfahrungen, zum Beispiel wenn es um die Organisation des Alltags geht. Und: Es fällt ihnen leichter, im Beruf oder der Freizeit Abstriche zu machen. „Späte Eltern haben kaum die Angst, etwas zu verpassen und sind beruflich weniger unter Druck”, sagt Monika Häußermann, Psychologin aus Berlin.

Allerdings haben viele gleichaltrige Bekannte größere oder gar keine Kinder. Das soziale Umfeld wird sich zwangsläufig verändern. Einer drohenden Lücke können Eltern vorbeugen: „Sicherlich ist es von Vorteil, sich frühzeitig zum Beispiel im Rahmen von Geburtsvorbereitungs- oder Eltern-Kind-Kursen, nach Menschen in einer ähnlichen Situation umzusehen”, rät Schroll und macht späten Müttern Mut: „Ältere Väter sind in der Regel wesentlich engagierter als Jüngere und damit stärkere Partner.”