1. Leben
  2. Familie

Hamburg: So fühlt sich Besuch wie zu Hause: Schlafplätze für Gäste

Hamburg : So fühlt sich Besuch wie zu Hause: Schlafplätze für Gäste

Kaum jemand hat zu Hause Platz für ein separates Gästezimmer. Trotzdem ist es möglich, Besuch auch für mehrere Tage bequem unterzubringen, ohne die ganze Wohnung auf den Kopf zu stellen. „Oft bietet sich das Arbeitszimmer als Quartier für Gäste an”, sagt Ines Wrusch, Innenarchitektin in Hamburg. Allerdings sollte es dann weitgehend frei von technischen Gerätschaften sein, die blinken und piepen und den Besuchern nachts den Schlaf rauben.

„Schon bei der Einrichtung des Zimmers empfiehlt es sich, an künftige Gäste denken”, sagt Wrusch. „Schränke mit Aktenordnern und anderem Büromaterial sollten sich mit Schiebetüren verschließen lassen.” Die Einrichtungsexpertin rät, statt einer einfachen Couch ein Schlafsofa zu kaufen. „Dem sieht man seine zusätzliche Funktion nicht an, und es lässt sich mit wenigen Handgriffen zu einem vollständigen Bett umrüsten.”

Praktisch für die Gäste sind Haken für Garderobe, Bügel sowie ein Platz für den Koffer. „Ein kleines Schränkchen, auf dem das Gepäck etwas erhöht liegt, erleichtert den Gästen die Suche im Koffer”, erklärt Wrusch. Extra einen Schrank für die Gäste freizuräumen, hält sie dann nicht für notwendig.

„Das Schlafsofa sollte man vor dem Kauf unbedingt ausprobieren”, empfiehlt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn. Nur wenn es sich unkompliziert ausklappen lässt und eine bequeme Liegefläche bietet, wird der Gast seine Freude daran haben.

Wichtig ist auch, das Zimmer, in dem das Sofa später stehen soll, vor dem Kauf zu vermessen. Denn: „Wenn ein Schlafsofa ausgeklappt ist, kann es zwei Meter lang werden”, sagt Geismann. Damit eignet es sich nicht für sehr kleine Räume. Hier ist vielleicht ein Sofa die Lösung, das sich seitwärts aufklappen lässt. Für einzelne Übernachtungsgäste bieten sich platzsparende ausziehbare Sessel an, die sich zu einem Bett umfunktionieren lassen. Matratzen oder Luftbetten auf dem Boden sollte man nur jungen, sportlichen Gästen zumuten.

Beim Besuch im Elternhaus werden Kinder, die längst ausgezogen sind und weit entfernt wohnen, oft in ihrem alten Jugendzimmer untergebracht, das die Eltern nicht verändert haben. „Davon halte ich gar nichts”, sagt Ines Wrusch. „Schließlich sind sie aus dem Haus und wollen nicht in die Kinderrolle zurückfallen.”

Die Innenarchitektin empfiehlt Eltern, die Jugendzimmer umzugestalten und konsequent als Gästezimmer zu bezeichnen. Die erwachsenen Kinder werden lieber darin nächtigen als in dem alten Ambiente. „Praktisch ist es auch, die leer gewordenen Zimmer als Rückzugsräume zu gestalten, zum Beispiel als Näh- oder Lesezimmer”, sagt Wrusch. „Dann haben sie einen Nutzen, und auch der Besuch wird sich darin wohlfühlen.”

Kein geeigneter Schlafplatz für Gäste ist nach Meinung der Expertin die Couch im Wohnzimmer. Jedenfalls, wenn sich dort auch der Esstisch befindet, an dem am nächsten Morgen gefrühstückt werden soll. „Wer im Wohnzimmer übernachtet, muss immer als Erster aufstehen und alles zurückbauen, damit wieder die gewohnte Ordnung einzieht”, sagt Wrusch. „Das macht keinen Spaß.” Die Gäste brauchen einen Raum, in dem sie für sich allein sein können. Steht allerdings ein Essbereich außerhalb des Wohnzimmers zur Verfügung, kann das Wohnzimmer in kleinen Wohnungen durchaus auch als Schlafplatz für Gäste dienen.

Kommen Familien mit kleinen Kindern zu Besuch, sind besondere Vorbereitungsmaßnahmen notwendig. Denn für die Kleinen lauern im Haushalt Gefahren, derer sich Menschen ohne Kinder oft gar nicht bewusst sind. „Schon eine Tischdecke, die zu weit über der Tischkante hängt, kann eine Katastrophe auslösen”, sagt Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion Das sichere Hause in Hamburg. Wenn die Kleinen sich daran hochziehen wollen, reißen sie das Geschirr samt seinem Inhalt herunter. „Eine einzige Tasse mit heißem Kaffee oder Tee kann ein Drittel des Körpers von einem Kleinkind verbrühen”, erklärt Woelk.

Tabletten werden oft mit Bonbons verwechselt und sollten deshalb nicht in Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. „Häufig liegen die täglich benötigten Medikamente bei älteren Leuten auf dem Küchentisch oder im Schlafzimmer auf dem Nachttisch”, sagt Woelk. „Bevor die Enkel zu Besuch kommen, müssen sie unbedingt an einen sicheren Platz geräumt werden.” Das Gleiche gilt für scharfe Putzmittel und andere giftige oder ätzende Stoffe. Sie sind am besten unter Verschluss zu halten.

Auch der Garten muss kindersicher gemacht werden. Schlimme Unfälle geschehen zum Beispiel, wenn die Kleinen unbemerkt in den Fischteich oder Pool fallen. Selbst eine größere Vogeltränke kann zur tödlichen Falle werden, wenn die Kinder mit Nase und Mund unter Wasser geraten. „Das passiert schnell, denn bei kleinen Kindern liegt der Schwerpunkt des Körpers auf dem Kopf”, erklärt die Sicherheitsexpertin. „So fallen sie vornüber ins Wasser und kommen nicht allein wieder heraus.”

Zur Vorbereitung auf den Familienbesuch empfiehlt sie, Wasserstellen mit Baustahlmatten abzudecken. Wer diese Eisengeflechte betritt, bekommt zwar nasse Füße, kann aber nicht hineinfallen. Um Stromunfälle zu vermeiden, müssen die Steckdosen vor dem Zugriff der Kleinen geschützt werden. „Dazu gibt es einen aufklebbaren Steckdosenschutz”, erklärt Woelk. „Der reicht aus, wenn nur selten Kinder zu Besuch sind.” Wer häufiger kleine Gäste empfängt, ist mit Steckdosen mit Kindersicherung besser bedient.

In den eigenen vier Wänden wird man schnell betriebsblind. Kommt Besuch, kann das eine gute Gelegenheit sein, alle Bereiche der Wohnung und das Umfeld einmal mit den Augen der Gäste zu betrachten und diese so zu gestalten, dass der Aufenthalt so angenehm wie möglich wird. Dann kommen die Gäste bestimmt bald wieder.

(dpa)