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Fürth: „Sei nicht so ein Macho!” - Der Partner ist in der Clique oft anders

Fürth : „Sei nicht so ein Macho!” - Der Partner ist in der Clique oft anders

Wer bin ich, und wer will ich sein? Diese Fragen sind mit 15 Jahren ganz normal und nicht besorgniserregend. Für die erste Beziehung kann es aber ein Problem werden, wenn der Partner sich in der Clique ganz anders verhält als sonst: Aus dem einfühlsamen Freund wird ein spöttischer Macho, aus der klugen Freundin eine alberne Tussi. Das sorgt leicht für Verletzungen und Streit. Allen Erwartungen zu entsprechen, ist gar nicht so leicht.

„Der Freundeskreis erfährt in der Pubertät eine große Aufwertung, als Gegenpol zu den Eltern”, sagt Ulrich Gerth von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth. „Mit 14 oder 15 Jahren steht die Verbundenheit mit der Gruppe im Vordergrund”, ergänzt Karin Hauffe-Bojé, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche aus Bremen. Auch wenn Jugendliche in diesem Alter viele verschiedene Rollen ausprobieren - das Image in der Clique zählt.

Beate Friese von der Nummer gegen Kummer in Wuppertal erklärt, dass sich die Rolle vor allem daran orientiert, welches Verhalten Respekt bringt. „Ob cooler Macker, nachdenklicher Typ, Ideengeber oder Zustimmer: Es ist einem wichtig, dass man von den Mitgliedern der Gruppe anerkannt wird.” Es laufe drauf hinaus, einen festen Platz in der Clique zu finden. „Hat man den gefunden, verhält man sich meist nicht mehr abweichend.”

Früher oder später ist es mit der Harmonie aber vorbei: „Plötzlich kommt die Liebe, und man versteht sich selbst und die Welt nicht mehr”, sagt Friese. Die erste Beziehung erfordert plötzlich ganz andere Qualitäten: „In der Liebe geht es um Zuneigung, Nähe, Körperlichkeit. Das Eins-zu-eins zählt.” Das kann Konflikte in der Gruppe mit sich bringen. „Wenn einer in der Clique der Macho ist, wird er das eher auch gegenüber seiner Freundin sein, weil er den Status in der Clique nicht verlieren will.”

Partner und Freundeskreis zu vereinen, sei oft schwierig, sagt Hauffe-Bojé. „Das ist auch eine Frage der Loyalität.” Dabei muss es nicht um die Grundsatzfragen des Lebens gehen. „Oft reicht schon das Lachen über den falschen Witz, und der Partner fühlt sich angegriffen, weil er in der Sache etwas empfindlicher ist”, erklärt Gerth. „Oft sind es Kleinigkeiten, die große Wellenbewegungen hervorrufen.” Die Einzigartigkeit des Partners sei in der Gruppe aufgehoben - keine leichte Situation. Der bke-Vorsitzende räumt ein: „Damit umzugehen, fällt auch vielen Erwachsenen schwer.”

Wechselnde Rollen hin oder her - Geringschätzung muss sich niemand gefallen lassen. Es sei wichtig, Erwartungen zu formulieren, erklärt Friese. „Die enttäuschte Freundin kann sagen: Mich vor deinen Kumpels herumzukommandieren, das kannst du schön sein lassen. Sonst komme ich nicht mehr mit.”

Auch Ulrich Gerth rät dazu, das Gespräch zu suchen. Oft ist das eine Herausforderung: „Man muss sich vortasten, um das Ganze möglichst nicht hochkochen zu lassen. Langsam vorwarnen, aber nichts anstauen lassen.” Etwas sagen, wenn man sich verletzt fühlt - das lasse sich lernen. „Das braucht dann nicht gleich ein großes Drama zu sein, sondern geht auch lässiger.” Der Freund kann zum Beispiel sagen: „Interessant, wie ihr über Jungen sprecht! Ich bin übrigens auch einer.”

Ganz so leicht sind die Probleme aber oft nicht zu lösen. Die meisten jungen Menschen wollen beides verbinden: Clique und Partnerschaft. Manchmal sei es aber besser, die Liebe außerhalb der Clique zu haben, weil beides nicht so recht zusammen passt, sagt Friese. Dann kann die Einigung zum Beispiel so aussehen: „Ich komm nicht mit zu deinen Freunden, du kannst da Zeit verbringen, aber ich will wissen: Wie viel Zeit ist für mich da?” Dieser Spielraum müsse sein.

Die fein säuberliche Trennung zwischen Partner und Clique ist manchmal nur eine Übergangslösung: „Das geht eine Weile gut, aber irgendwann heißt es aus der Gruppe: Der ist nur noch mit seiner Freundin unterwegs.” Viele Jugendliche stehen dann vor der schweren, aber notwendigen Entscheidung: Partner oder Clique? „Manchmal lässt sich das nicht verbinden”, erklärt Friese. Dann steht die Frage im Raum: An wem liegt das?

„Das ist eine spannende Frage”, sagt die Jugendberaterin. Die Antwort hängt immer davon ab: Was fühlt sich besser an? „Wenn einem die Clique total wichtig ist, dann ist sie vielleicht der richtige Platz. Wenn es der Partner ist, dann sollte man diesem Gefühl nachgeben.” Gegen die Clique spricht, dass sie sich nach der Pubertät ohnehin häufig auflöst. „Daraus werden später vielleicht ein oder zwei enge Freundschaften”, sagt Friese.

Aber auch die andere Entscheidung ist möglich: Die Beziehung wird aufgegeben. „Zum Beispiel, wenn man merkt: Der andere sieht zwar gut aus, aber passt nicht zu mir und meinen Freunden, und über Probleme reden können wir auch nicht”, sagt Gerth. „Es ist kein Weltuntergang, wenn aus der ersten oder zweiten Beziehung nichts wird.” Auch, wenn das direkt nach der Trennung natürlich immer anders erscheint.