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Berlin/Köln: Schutz vor HIV: Ohne Kondom ist Russisch Roulette

Berlin/Köln : Schutz vor HIV: Ohne Kondom ist Russisch Roulette

Küssen ist ungefährlich. Doch wie verhält es sich mit Petting? Kann man sich dabei mit dem Aidserreger HIV anstecken?

Grundsätzlich gilt beim Thema HIV: Eine niedrige Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung nützt einem gar nichts, wenn man der eine von 100 000 ist, den es erwischt. Daran, dass Aids immer noch eine Gefahr ist, soll der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember erinnern. Neben Abstinenz ist das Kondom der einzige Schutz.

Rund 3000 Menschen haben sich nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts 2008 neu mit HIV infiziert. Im Vergleich zu 2001 sei das fast eine Verdoppelung. „Das größte Risiko haben Männer, die Sex mit Männern haben”, sagt Jörg Litwinschuh von der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin. Das seien aber nicht in jedem Fall nur Homosexuelle.

Von den rund 65 000 HIV-Infizierten in Deutschland wisse rund ein Drittel nichts von der Ansteckung, sagt Litwinschuh. Das ist ein Problem, denn diese Personen können das Virus unbewusst und unbemerkt weitergeben. „Man sieht niemandem an, ob er infiziert ist”, erklärt Prof. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln.

Deshalb gilt: Sicher ist Sex nur mit Kondom. Andere Verhütungsmittel können „eine Schwangerschaft verhindern, aber nicht HIV”, erklärt der Aids-Hilfe-Sprecher. Doch was heißt Sex? Fällt Petting auch darunter? Kommt drauf an, sagt Pott. „Wenn Streicheln gemeint ist, besteht keine Ansteckungsgefahr.” Kommt es allerdings zu einem Samenerguss und gelangt Samen in die Scheide, sehe das anders aus. „Wenn es einen Austausch von Körperflüssigkeiten gibt, ist eine Ansteckung möglich.”

Wer eine feste Beziehung hat und nicht immer Kondome benutzen möchte, kann mit dem Freund oder der Freundin einen HIV-Test machen. Der Test steht jedem offen. Er wird von Ärzten, aber auch anonym bei Gesundheitsämtern oder der Aids-Hilfe angeboten. „Man sollte sich aber unbedingt vorher beraten lassen”, rät Pott. Im Gespräch werde zum Beispiel geklärt, ob der Test überhaupt sinnvoll ist.

Denn ein HIV-Test kann nur zeigen, was vor ungefähr drei Monaten war. Etwa so lange braucht der Körper, um nach einer Infektion Antikörper zu bilden. Die werden gemessen. „Man muss also nach dem Test noch drei Monate geschützten Verkehr haben, um tatsächlich sicher sein zu können, dass man HIV-negativ ist”, erklärt Litwinschuh. Das Ergebnis HIV-negativ sagt, dass keine HIV-Antikörper nachgewiesen wurden und höchstwahrscheinlich keine Ansteckung vorliegt. HIV-positiv bedeutet, dass sich eine Person infiziert hat. Bringt der erste Suchtest dieses Ergebnis, wird es in einem zweiten Bestätigungstest überprüft. Bis das Testergebnis vorliegt, vergeht laut Litwinschuh ungefähr eine Woche. „Das halten nicht alle aus. Es gibt auch private Labors, die innerhalb von einem Tag das Ergebnis mitteilen.” Allerdings fehle dabei jede Beratung.

Wer sich testen lässt, um künftig das Kondom weglassen zu können, muss sich der Treue seines Partners sicher sein. Geht er ungeschützt fremd, kann er sich anstecken. Ulrich Gerth rät deshalb zur Vorsicht. „Wer sich auf den Aidstest verlässt, sollte sich klar machen, dass Fremdgehen auch vorkommt, wenn man nicht damit rechnet”, sagt der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth.

Bleibt das Kondom. Das hat man am besten beim Weggehen immer dabei - im Portemonnaie oder in einer Hosentasche. Doch wie sagt man dem Freund oder der Freundin, dass man es nur „mit” macht? „Bei ganz vielen Jugendlichen ist das Kondom heute selbstverständlich”, erklärt Litwinschuh. Ulrich Gerth ist sich da nicht so sicher und rät, das Thema vorher anzusprechen. „Das muss man ja nicht direkt machen.” Eine Möglichkeit sei, auf einen Film hinzuweisen, bei dem ein Paar auf Kondome verzichtet hat. „Dann sieht man, wie der andere darauf reagiert. Das sagt schon viel aus.”

Weigert sich der andere, ein Kondom zu benutzen, gebe es wenig zu diskutieren. „Dann muss man eben sagen: Ohne haben wir keinen Sex!”, erklärt Gerth, empfiehlt aber nachzufragen. Vielleicht hat der andere Angst, mit dem Kondom nicht klarzukommen. „Dann kann man sagen: Wir können das doch ganz spielerisch einbauen!”