Kiel/Berlin: Scheidungskinder können ihren Namen ändern

Kiel/Berlin: Scheidungskinder können ihren Namen ändern

Nach der Scheidung ihrer Eltern können Kinder im Einzelfall ihren Vor- und Nachnamen ändern. Allerdings reiche es nicht aus, dem Kind damit Unannehmlichkeiten ersparen zu wollen.

Nur wenn das Kindswohl gefährdet sei, könne vom Prinzip der Namenskontinuität abgewichen werden. Das geht aus zwei Urteilen des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichts in Kiel hervor (Az.: 14 A 126/08 und 14 A 167/07). Darauf weisen die Familienanwälte des Deutschen Anwaltvereins (DAV) in Berlin hin.

Im ersten Fall wollte die Mutter nach der Scheidung den Vornamen ihrer Tochter von Susan in Julia ändern. Sie erklärte, sie habe ihre Tochter von Anfang an Julia genannt und den anderen Namen nur bei Behörden und Ärzten angegeben. Der Vater war mit der Namensänderung nicht einverstanden. Er vermutete, seine Ex wolle dadurch nur die Vater-Kind-Bindung kappen. Die Richter lehnten den Namenswechsel ab.

Zu einem anderen Urteil kamen sie im zweiten Fall. Hier hatte die Mutter nach der Scheidung ihren Geburtsnamen angenommen. Auch der Sohn wollte diesen Namen tragen, da sich sein Vater überhaupt nicht mehr um ihn kümmere. Außerdem konnte er glaubhaft machen, dass er sich mit dem Namen seines persischen Vaters nicht identifizieren könne. Im Alltag habe er darüber hinaus mit Vorbehalten gegen Menschen islamischer Herkunft zu kämpfen.

Die Richter fanden, dass die Gefährdung des Kindswohls eine Namensänderung erforderlich mache. Zwar könnten Kinder nicht völlig konfliktfrei durchs Leben gehen und müssten mit den unterschiedlichen Namen der Eltern nach einer Scheidung leben lernen. Im Einzelfall könne von diesem Grundsatz aber abgewichen werden.

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